Jeder Mensch ist „systemrelevant“

Der zurzeit häufig genutzte Begriff „systemrelevant“ ist unmenschlich. Wir sollten auf ihn verzichten. Dieser kollektivistische Begriff ist der Politik der Exklusion zuzuordnen. Es ist ein Unwort, vielleicht das Unwort des Jahres 2020.

Jeder Mensch ist „systemrelevant“. In unserer aktuellen Krise gibt es lediglich bestimmte Berufsgruppen, die für die Bewältigung und Überwindung der Krise besonders wichtig sind. Darunter Ärzte, Pfleger und jene, die in der Produktion und dem Verkauf von Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs tätig sind.

Solche Berufe sind besonders wichtig in unserer außergewöhnlichen Notfallsituation. Sie sind insofern vielleicht „pandemierelevant“, „notfallrelevant“ oder „katastrophenrelevant“.

Doch ohne den Rest der Menschen in Deutschland und auch in anderen Ländern ließen sich diese „systemrelevanten“ Berufe nicht dauerhaft finanzieren. Könnte es eine Gesellschaft geben, in der nur Menschen wie Ärzte, Krankenschwestern, Bäcker arbeiten würden? Natürlich nicht. Die Bürger müssen erst einmal das Geld erwirtschaften, um ihr tägliches Brot und Epidemiologen bezahlen zu können. Und auch jene, die nicht arbeiten können, gehören zu unserer Gemeinschaft, zu unseren Familien, zu unserem „System“.

Wir hängen alle mit drin, wir leben alle zusammen in einer Gemeinschaft. Es ist eben gerade nicht die Zeit, Menschen gegeneinander auszuspielen, indem man einige als „systemrelevant“ und andere als verzichtbar hinstellt.

Darum ist Eugenik unmöglich

Der britische Zoologe Richard Dawkins hat sich kürzlich über die wissenschaftliche Möglichkeit der Eugenik geäußert. Die Eugenik oder Erbgesundheitslehre bezeichnet die humangenetische Manipulation des Genpools einer menschlichen Population mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern (positive Eugenik) oder den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern (negative Eugenik).

Die Eugenik ist neben dem Lyssenkoismus (Landwirtschaft unter Stalin) wohl das bekannteste Beispiel für den Missbrauch der Wissenschaft zum Schaden der Menschheit. In Deutschland ist die Eugenik mit dem Nazi-Regime assoziiert, insbesondere mit dem Massenmord an behinderten Menschen.

Dass es sich beim Lyssenkoismus um eine Pseudowissenschaft handelt, ist unlängst klar, doch ob die Eugenik „nur“ als unmoralisch oder auch als wissenschaftlich unmachbar eingeordnet werden sollte, ist weiterhin umstritten. Tatsächlich werden bestimmte als „eugenisch“ (miss-)verstandene Maßnahmen heute durchgeführt, etwa in Zypern, und finden auch ihre Verteidiger.

Richard Dawkins hat auf Twitter die Auffassung geäußert, dass die Eugenik zwar moralisch falsch, aber wissenschaftlich möglich sei. Eine Reihe von anderen Wissenschaftlern haben Dawkins geantwortet und ihm teils widersprochen. Einige der Kommentare waren höchst interessant, darum habe ich sie für diesen Beitrag ins Deutsche übersetzt. Darunter insbesondere die Ausführungen eines Mediziners über den Vergleich der Eugenik mit der Züchtung von Haus- und Nutztieren sowie die Ausführungen eines Psychologen, der die Eugenik als grundsätzlich unmachbar einstuft.

Schließlich gehe ich auf Einwände einiger Facebook-Kommentatoren ein, die der Überzeugung sind, dass Eugenik machbar ist.

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„Dem Tod zur Hand gehen“ von Edgar Dahl ist erhältlich!

Edgar Dahl Dem Tod zur Hand gehen Buchcover

Die neue Streitschrift des Philosophen Edgar Dahl ist jetzt als eBook erhältlich: „Dem Tod zur Hand gehen. Ein Plädoyer für den ärztlich-assistierten Suizid“. Herausgegeben von mir. Und es ist nicht nur bei Amazon verfügbar – sondern bei sämtlichen großen Buchhändlern:

Durch die eBook-Publikation ist es möglich, auch kürzere Streitschriften wie diese an den Mann und an die Frau zu bringen. Ich finde es großartig, dass sich Edgar dazu entschieden hat und ich bin froh, dass ich ein wenig bei der Publikation helfen konnte. Jetzt kommen wir somit in den Genuss eines wichtigen Buches, das sonst wohl nie das Licht der Welt erblickt hätte. Ein Buch, das man in der politischen Debatte über die Sterbehilfe unbedingt beachten sollte – und das ich inhaltlich voll unterstütze.

Teaser:

Im Herbst 2015 wird der Bundestag über verschiedene Gesetzentwürfe zur Regelung der Sterbehilfe entscheiden. In dieser kurzen Streitschrift plädiert der Bioethiker Edgar Dahl für eine liberale Lösung.

„Nichts ist demütigender, als von anderen vorgeschrieben zu bekommen, wie man zu sterben habe.“ Ronald Dworkin Im Herbst 2015 wird der Bundestag über verschiedene Gesetzentwürfe zur Regelung der Sterbehilfe entscheiden. In dieser kurzen Streitschrift plädiert der Bioethiker Edgar Dahl für eine liberale Lösung: Unheilbar kranken Patienten sollte es ermöglicht werden, sich von ihrem Arzt eine tödliche Dosis eines Schlafmittels geben zu lassen, mit dessen Hilfe sie ihrem Leben – falls ihr Zustand unerträglich werden sollte – selbst ein Ende setzen können.

Zum Buch bei Amazon…

Sterbehilfe-Debatte: Worum geht es überhaupt?

Nach einigen Talkshows zum Thema Sterbehilfe bleibt die Frage offen, worüber da gesprochen wird? Um die rechtliche Situation, um mögliche Gesetzesänderungen, ging es in den Talkshows nur am Rande oder gar nicht. Stattdessen lernte man einige Betroffene und deren Angehörige kennen. Begleiter von schwerkranken Menschen berichteten über ihre Erfahrungen. Manche finden, man sollte so, andere man sollte anders mit dem Sterben umgehen. Die individuelle Selbstbestimmung über das Lebensende wurde nur selten explizit angegriffen. Das ist alles ganz interessant, nur könnte man immer darüber reden. Man hätte auch in einem anderen Jahrhundert oder Jahrtausend diese Debatte führen können.

Warum ist das überhaupt gerade ein Thema? Weiterlesen

Wer hats geschrieben?

 Die Schweizer? Nein.

(Ergänzung unten)

Uwe-Christian Arnold erhielt „Unterstützung“ von Michael Schmidt-Salomon bei der Verfassung seines Buches über die Sterbehilfe: Letzte Hilfe. Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben. Worin mag diese Unterstützung bestanden haben? Ein Blick auf den Stil gibt Aufschluss:

„Lobbyisten der Pharmaindustrie“, „Feigheit vor dem Patienten“, „im Unterschied zu all den Politikern […] weiß ich, wovon ich spreche“, „als treibende Kräfte sind hier in erster Linie die christlichen Kirchen zu nennen“, „Verrat an den Prinzipien des Rechtsstaats“, „ich klage die verfasste deutsche Ärzteschaft […] an„. Weiterlesen

Deine Kampagne gehört mir!

Ich gebe zu, dass die Idee, ein Selfie von sich zu machen, auf dem man tot aussieht und das Bild dann einer Sterbehilfe-Kampagne zu übermitteln, einen gewissen Kultfaktor hat. Das könnte direkt aus einem Monty-Python-Film stammen (und da MSS ein großer Fan von der Truppe ist, dürfte das in der Tat der Einfluss sein). Es hat auch etwas extrem Dekadentes – es ist die Art von Sache, die eine Gesellschaft direkt vor ihrem Zusammenbruch macht. Am besten, ihr fertigt auch Selfies von euren toten Freunden und Brüdern und Schwestern und Eltern an und teilt die dann mit den Kollegen und mit dem Rest der Welt! Es hat so etwas von dem Film „Idiocracy“, in dem die Durchschnittsintelligenz der Gesellschaft unter den Gefrierpunkt gesunken ist.

Auf jeden Fall werde ich die Kampagne eine Runde parodieren. Ihr könnt meine satirischen Plakate gerne mit einem Link zum Blog teilen, was mich angeht. Die Bilder darauf habe ich entweder selbst gezeichnet oder man darf sie frei verwenden. Bildquelle für das erste Plakat: http://morguefile.com/archive/display/905679, Lizenz M. Die Katze stammt von hier: http://morguefile.com/archive/display/866404, Lizenz M

Sterbehilfe-Finger-AM

Dein-Ende-Gehoert-Mir
Sterbehilfe-Katze

Fotografiere dein totes Gesicht

Denn nur der jeweilige Mensch – nicht der Staat, nicht die Kirche, nicht die Ärzteschaft – hat das Recht zu bestimmen, was für ihn eine würdige Existenz bedeutet. In einem demokratischen Rechtsstaat ist der einzelne Mensch der absolute Souverän seines eigenen Lebens. Die Achtung der Menschenwürde hängt daher entscheidend davon ab, inwieweit der Staat dem Selbstbestimmungsrecht des Individuums Rechnung trägt.

Das würde ich genau so unterschreiben, wie es auf der Website zur Kampagne „Letzte Hilfe“ der Giordano Bruno Stiftung steht. Würde man die Idee natürlich ernst nehmen, dass jeder Mensch sich selbst gehört, dann könnte Stiftungssprecher Michael Schmidt-Salomon in seinen Büchern keine stärkere Umverteilung von Eigentum fordern. Denn wenn wir uns selbst gehören, dann gehören uns natürlich auch die Werte, die wir produziert haben. Er könnte sich dann nicht länger von Liberalen, Libertären und so komischen Leuten wie Philosophen distanzieren, die auf eine so abwegige Idee kommen, Ideen ernst zu nehmen. Man kommt viel schneller ins Fernsehen, wenn man irgendwelche Ideen zusammenbraut, die gerade diskutiert werden – auch wenn sie gar nicht zusammenpassen. Weiterlesen

Meine Ideen gehören mir!

Update: Die Kampagne will Assoziationen mit der Kampagne „Mein Bauch gehört mir“ wecken. Ich habe da wohl zu logisch gedacht. „Mein Ende gehört mir“ folgt aus „Dein Leben gehört dir“, weil das Sterben zum Leben gehört. Es folgt nicht aus einem Bauch, der einem gehört. Da jedoch die GBS überhaupt nicht der Meinung ist, dass wir der Eigentümer unseres eigenen Lebens sind, denkt man an die noch höhere Umverteilung, die Michael Schmidt-Salomon fordert, ergibt die Assoziation mit meinen liberalen Ideen tatsächlich keinen Sinn. Diese marxistischen Ideen mit meinen Ideen in Verbindung zu bringen ist so, als würde man eine Krankheit mit ihrem Heilmittel gleichsetzen. Also: Mea Culpa.

Andererseits hat die Gegenüberstellung, wie der hiesige Kommentator Meier anmerkte, eine weitere Aussage: Die Giordano Bruno Stiftung fokussiert sich mit der PR-Arbeit für Abtreibung und Sterbehilfe auf den Tod. Über das gute Leben hat sie nichts Vernünftiges zu sagen. Objektivisten fokussieren sich auf das Leben und behandeln Abtreibung und Sterbehilfe als Randthemen.

Plakat der Giordano Bruno Stiftung für die Sterbehilfe-Kampagne (Bild: Giordano Bruno Stiftung)

Aktuelles Plakat der Giordano Bruno Stiftung für die Sterbehilfe-Kampagne, 2014 (Plakat: Giordano Bruno Stiftung)

Dein Leben gehört dir! Vortrag von Andreas Müller

Dein Leben gehört dir! Vortrag von Andreas Müller von 2013. (Plakat: Andreas Müller)

 

 

„Das ist eigentlich der größte Blödsinn“

Claus Rodemer forscht an einer Zellkulturbank. Auch Tierversuche hält er für unverzichtbar. (Bild: Claus Rodemer)

Claus Rodemer forscht an einer Zellkulturbank. Auch Tierversuche hält er für unverzichtbar. (Bild: Claus Rodemer)

Im Interview mit dem Feuerbringer-Magazin äußert sich der Forscher Claus Rodemer kritisch über die dogmatische Ablehnung von Tierversuchen. Obwohl Deutschland bereits eines der härtesten Tierschutzgesetze der Welt hat, erheben Organisationen wie PETA noch radikalere Forderungen – und gefährden damit die Entwicklung von lebensnotwendigen Medikamenten.

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PETA Kids

Auf der US-Website von Peta Kids gehts brutaler zu (Screenshot: AM)

Auf der US-Website von Peta Kids gehts brutaler zu (Screenshot: AM, Website: PETA)

Indoktrination durch radikale Tierschützer – gibts das auch für Kinder? Ja!

http://www.petakids.de

Und in einem ersten Podcast-Versuch erkläre ich, was ich davon halte:

PETAs Meinung, warum Tierversuche – die ihrer Ansicht nach nutzlos sind – überhaupt gemacht werden: Böse Menschen verdienen GELD mit bösen Dingen! Und die Politiker, die sie wie Marionetten kontrollieren, halten die bösen Menschen nicht davon ab, GELD zu verdienen!

Das „Argument“ kann man überall einfügen. Böse Menschen verdienen GELD mit Atomenergie, Tierversuchen, Fossilen Brennstoffen – was auch immer gerade unpopulär ist. Allmählich frage ich mich, ob die Öko-Aktivisten eigentlich auch Geld verdienen oder ob das alles Arbeitslose oder reiche Playboys sind?

In einem Kreativitätsanfall habe ich ein T-Shirt für Tierversuche gestaltet – damit macht man sich bei den Mädels beliebt:

Tierversuche retten Menschenleben (AM)

Tierversuche retten Menschenleben (AM)

Familienwerte: Teil 3

(Ergänzung) Nun ist der dritte Teil der Webseite über Familienwerte fertig und somit das ganze Projekt:

http://www.feuerbringer-magazin.de/politik/familienwerte

Im dritten Teil geht es um Abtreibung, die objektivistische Haltung zu Familienwerten und Literaturtipps. Die beiden letzten Kapitel stammen von mir. Dank meiner genialen HTML-Fähigkeiten ist sogar ein funktionierendes Inhaltsverzeichnis am Anfang der Seite und hier angebracht:

Inhalt:

1. Einleitung

2. Die schockierenden Statistiken

3. Scheidung

4. Die sexuelle Revolution

5. Der Zusammenbruch der Familie und Kriminalität

6. Abtreibung

7. Objektivismus über Familienwerte

8. Literatur

So, damit sollte die Familie gerettet sein. Und dafür sind meine Nerven am Ende. Bitte die Webseite auf Facebook, Twitter, via Mail, etc. weiterempfehlen! Wie üblich der Hinweis darauf, dass ich mich über eine PayPal-Spende (siehe rechts im Feuerbringer-Magazin) freue. Wer unabhängige, objektive Informationen würdigt, kann sich überlegen, ob er mich für dieses und zukünftige Projekte unterstützen mag. Dafür bleibt dieses Magazin fast vollständig werbefrei (abgesehen von Büchertipps).

Der zweite Autor der Seite, Mark Humphrys, hat eine finanzielle Unterstützung nicht nötig, aber er freut sich sehr über Zuspruch! Schreibt ihm doch einmal „Thanks for your webpage on family values!“ oder dergleichen auf Twitter: https://twitter.com/markhumphrys

Ergänzung: Bezüglich der üblichen und wieder vernommenen Kritik, wenn irgendwer für irgendwas Statistiken gebraucht: Korrelation ist keine Kausalität. Ja, ich weiß. Aber was wollt ihr damit in diesem Fall sagen? Wollt ihr sagen, dass die Tatsache, dass Kinder, die ohne Vater aufwachsen, häufiger von der Schule fliegen, kriminell werden, persönliche Probleme entwickeln nichts mit der Tatsache zu tun hat, dass sie ohne Vater aufwachsen? Demnach müsste es eine weitere Eigenschaft geben, welche die Kinder, die ohne Vater aufwachsen, gemein haben und die kausal zu den genannten Problemen führt.

Aber welche Eigenschaft sollte das sein? Nun, ich könnte mir vorstellen, dass der Kühlschrank in Familien ohne Väter im Schnitt etwas kleiner ist als der Kühlschrank einer traditionellen Familie, wo der Vater regulär mit im Haus wohnt. Vielleicht führt also ein kleinerer Kühlschrank im Haushalt dazu, dass Kinder eher von der Schule fliegen und kriminell werden. Vielleicht spielt die Tatsache, dass sie außerdem ohne Vater aufwachsen, gar keine Rolle!

Wisst ihr, bei solchen Einwänden komme ich mir veralbert vor. Klar, wer es ganz genau wissen möchte, studiert am besten Statistik und überprüft jede einzelne Aussage und jede einzelne Variable. Das ist legitim und man kann es machen. Aber ernsthaft zu sagen, dass „ohne Vater aufwachsen“ nichts damit zu tun hat, dass den betroffenen Kindern im Vergleich zu Altersgenossen mit traditioneller Familie etwas fehlt und sie Probleme entwickeln – ich weiß da einfach nicht mehr weiter. Der Philosoph Leonard Peikoff meinte einmal, dass man mittels Logik aufzeigen kann, wenn eine Aussage zu Absurditäten führt und somit gilt die Aussage als falsch. Aber, so meinte er, wenn jemand mit einer Absurdität anfängt, wenn seine Behauptung selbst bereits eine Absurdität ist – dann sollte man sich nicht weiter mit ihm befassen.

Davon abgesehen verweise ich darauf, dass wir nicht nur mit Statistiken argumentieren, sondern dass wir zwei weitere Argumentationslinien verwenden:

1. Die kausale evolutionsbiologische Erklärung (Neigung zur Bevorzugung jener, die unsere Gene teilen)

2. Die Bücher von Theodore Dalrymple. Er war ein Gefängnisarzt in England und ist jetzt Journalist und Buchautor. Er beschreibt in seinen Büchern seine Erfahrung mit der britischen Unterschicht, mit vielen tausend Fällen, die er kennenlernte. Er beschreibt, welche Auswirkungen die Ideen der sexuellen Revolution auf das Leben der Menschen haben, die jene Ideen leben. Seine Beschreibung der tatsächlichen Zusammenhänge entspricht genau der Darstellung von Mark Humphrys und mir. Wer jetzt meint, das wären nur Anekdoten, den weise ich darauf hin, dass es immerhin verdammt viele Anekdoten sind und außerdem gibt es Statistiken, die dasselbe aufzeigen.

Video: Der Neue Atheismus und die Krise des Humanismus

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=-mRPZ_O9bUU#t=471[/tube]

Brendan O’Neill, Redakteur des britischen Online-Magazins Spiked, kritisiert in dieser aktuellen Diskussionsrunde den Neuen Atheismus rund um Richard Dawkins, Christopher Hitchens und co. Seiner Ansicht nach ignorieren die Neuen Atheisten die Unterschiede zwischen Menschen und Tieren und haben ein deterministisches, reduktionistisches Menschenbild, das weniger humanistisch ist als alles, was gläubige Menschen vertreten. Die Neuen Atheisten reduzieren den Menschen zu einer rein biologischen Entität. Weiterlesen

Die Wahrheit über Vergewaltigung

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=Hog9Nlf-dRs[/tube]

Es taucht immer wieder die Angabe auf, dass eine von vier Frauen in den USA schon einmal vergewaltigt wurde. Wie es ausschaut, ist das tatsächlich nahe an der Wahrheit. Es sind irgendwo zwischen 9% und 26%. Damit ist eine echte, mit physischer Gewalt verbundene Vergewaltigung gemeint. Das zeigen offenbar eine Reihe von Studien und es ist wissenschaftlicher Konsens.

In Deutschland sind es erheblich weniger – 8,6%. Und das inklusive sexueller Nötigung und versuchter sexueller Nötigung, also nicht nur „richtige“ Vergewaltigung.

Wie es dazu kommt und in welchem Kontext sich Vergewaltigungen ereignen, erscheint von einiger Bedeutung, die über eine Fußnote hinausgehen sollte. Weiterlesen

Bundesärztekammer unbeschnitten

Nachdem uns die normalerweise zurechnungsfähige und sogar lesenswerte Achse des Guten aufklärte, dass jegliche Ablehnung der Beschneidung von antisemitischer Gesinnung und einem fragwürdigen Interesse an jüdischen Geschlechtsteilen zeuge, dass eine Art Verschwörung dahinterstehe, in der alle verwickelt seien von den Humanisten der Giordano Bruno Stiftung (Urheber der öffentlichkeitswirksamen Kampagne „Mein Körper gehört mir!„) bis hin zu Kinderärzten und Menschenrechtlern – hat sich endlich auch die Bundesärztekammer in die Debatte eingeschaltet.

Um einmal kurz auf den Tenor der Achse zur Beschneidung einzugehen: Ein Beitrag von Alan Dershowitz, den ich durch sein großartiges Buch Plädoyer für Israel kenne, wurde von der Achse empfohlen. Darin schreibt Dershowitz:

Schande über jene Deutschen, die die Beschneidung verbieten wollen. Schande über jene Deutschen, deren Gleichgültigkeit es nicht zulässt, ihre Stimme zu erheben gegen diese pesudowissenschaftlichen Eiferer, die lügen, wenn sie von sich behaupten, das Wohl der Kinder liege ihnen am Herzen. Lob den Deutschen, die gegen die Intoleranz ihrer Landsleute protestieren.

Lob den Deutschen, die kein Problem mit Eingriffen in Grundrechte haben, solange sie nur religiös, also gar nicht, begründet werden. Schande den Deutschen, die nicht jede Sekunde ihres Lebens an den „Ballast der Republik“, den Nationalsozialismus denken.

Wie ist es eigentlich, nur dann liberal zu sein, wenn es der eigenen Gruppe Vorteile im sozialdarwinistischen Kampf ums Dasein bringt? Oder sollten wir uns vielleicht doch alle am Ende an die selben Regeln halten, auch wenn der ein oder andere alte Ritus auf der Strecke bleibt?

Alle politischen Philosophien außer dem Liberalismus gehen davon aus, dass der Mensch darauf angewiesen sei, anderen Menschen zu schaden, sie auszunutzen, ihnen ihr Eigentum und ihre übrigen Rechte streitig zu machen oder sie gar physisch auszulöschen, um ein glückliches Leben führen zu können. Alle fordern Vorrechte für ihre Gruppe. Alle kämpfen um das Recht, das Geld anderer Leute auf ihre eigene Klientel umzuverteilen.

Die CDU verteidigt Vorrechte der Kirchen, die SPD verteilt staatliche Gelder an ihre Beamten um. Die FDP schafft Vorrechte durch steuerliche Vorteile für die gehobene Mittelschicht, für Hoteliers und Unternehmer. Nur echte Liberale fordern gleiche Rechte für alle. Welch gewaltige Enttäuschung, dass nun die meisten liberalen jüdischen Publizisten auf einmal das Recht auf Körperverletzung für ihre eigenen Kinder einfordern sollten; ein Recht, das anderen Menschen aus guten Gründen nicht zusteht!

Wann immer es um das Unrecht ging, das von anderen Gruppen ausging, wie die (natürlich viel schlimmere) Genitalverstümmelung von Frauen und Extremfälle wie die Witwenverbrennung in Indien, Steinigung, etc., standen sie an vorderster Front bei der Verurteilung solcher Praktiken. Warum nicht auch bei der Verurteilung von fragwürdigen – wenn auch natürlich nicht derart dramatischen – Praktiken der eigenen Gruppe? Seit wann argumentieren Liberale überhaupt mit Gruppen, statt mit Individuen? Und obendrein auch noch mit Religion, das willkürlichste Nullargument überhaupt!

Die Achse wird nun leider auch die Bundesärztekammer zur antisemitischen Verschwörerbande zählen müssen. Die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung spricht sich nämlich dafür aus, dass Beschneidungen nur unter bestimmten Bedingungen und nur von Ärzten (also nicht von einem Mohel) durchgeführt werden sollten. Hier ist die offizielle Stellungnahme, die mir ein befreundeter Arzt dankenswerterweise schickte: Weiterlesen

Die Beschneidung der Vernunft

Nun wurde also ein Gesetzesentwurf zur Beschneidung vorgelegt. Er besagt unter anderem folgendes, wie mir ein befreundeter Arzt mitteilte:

– Kinder älter als sechs Monate sollen von einem Arzt beschnitten werden,

– Kinder unter sechs Monaten dürfen auch von Laien beschnitten werden.

Jüdische Kinder sollten es also möglichst vermeiden, unter sechs Monate alt zu sein. Weiterlesen