Jeder Mensch ist „systemrelevant“

Der zurzeit häufig genutzte Begriff „systemrelevant“ ist unmenschlich. Wir sollten auf ihn verzichten. Dieser kollektivistische Begriff ist der Politik der Exklusion zuzuordnen. Es ist ein Unwort, vielleicht das Unwort des Jahres 2020.

Jeder Mensch ist „systemrelevant“. In unserer aktuellen Krise gibt es lediglich bestimmte Berufsgruppen, die für die Bewältigung und Überwindung der Krise besonders wichtig sind. Darunter Ärzte, Pfleger und jene, die in der Produktion und dem Verkauf von Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs tätig sind.

Solche Berufe sind besonders wichtig in unserer außergewöhnlichen Notfallsituation. Sie sind insofern vielleicht „pandemierelevant“, „notfallrelevant“ oder „katastrophenrelevant“.

Doch ohne den Rest der Menschen in Deutschland und auch in anderen Ländern ließen sich diese „systemrelevanten“ Berufe nicht dauerhaft finanzieren. Könnte es eine Gesellschaft geben, in der nur Menschen wie Ärzte, Krankenschwestern, Bäcker arbeiten würden? Natürlich nicht. Die Bürger müssen erst einmal das Geld erwirtschaften, um ihr tägliches Brot und Epidemiologen bezahlen zu können. Und auch jene, die nicht arbeiten können, gehören zu unserer Gemeinschaft, zu unseren Familien, zu unserem „System“.

Wir hängen alle mit drin, wir leben alle zusammen in einer Gemeinschaft. Es ist eben gerade nicht die Zeit, Menschen gegeneinander auszuspielen, indem man einige als „systemrelevant“ und andere als verzichtbar hinstellt.

Schafft sich der Liberalismus selbst ab?

„Warum der Liberalismus gescheitert ist“ von Patrick J. Deneen ist eine unbedingt ernstzunehmende Kritik am Liberalismus. Mit „Liberalismus“ ist hier die Ideologie gemeint, die seit mehreren hundert Jahren den Westen prägt: Die der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Befreiung des Individuums. Wie Deneen ausführt, hat diese Ideologie eine innere Logik, die zur Selbstabschaffung des Liberalismus führe.

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Bauernprotest: Sind auch die Landwirte schuld?

Mit den Bauerndemos demonstrieren Landwirte gegen widersprüchliche, existenzbedrohende Gesetze. Sie möchten nicht mehr als Buhmann der Nation angesehen werden und viele fühlen sich nicht länger demokratisch vertreten. Ich unterstütze den Bauernprotest. Am Rande übe ich auch eine Kritik: Die Landwirte haben sich ihre Probleme teilweise selbst zuzuschreiben.

Und zwar, indem sie ihren politischen Gegnern immer weiter entgegengekommen sind bei Themen wie Arten-, Tier-, Gewässerschutz, Genfood und Pestizideinsatz – als die wirklichen Probleme in diesen Bereichen schon längst gelöst waren. Und, indem sie kaum etwas für ihre ideologische Selbstverteidigung getan haben. Weiterlesen

Ist der Kohleausstieg ein Fehler? Feuerbringer vs. Ende Gelände

Ich habe den gestrigen Tag mit einer fortlaufenden Twitter-Diskussion mit den „Ende Gelände“-Aktivisten und Fridays for Future verbracht. Ich war ursprünglich der Meinung, dass der Ersatz von Kohlekraft durch Atomkraft angesichts der CO2-Reduktion auf lange Sicht eine gute Idee sein könnte, dass bei einem „sofortigem“ Kohleausstieg aber die Nachteile überwiegen.

Die Aktivisten haben mich überzeugt, dass der Kohleausstieg in Deutschland auf absehbare Zeit grundsätzlich eine schlechte Idee ist. Weiterlesen