Aus dem Holocaust kann man nichts lernen

Ich bin zurück. Nach schweren Entzugserscheinungen schreibe ich wieder Artikel über Philosophie und Politik. Wie diesen. Ich hatte zwar nie aufgehört, philosophische Essays zu schreiben, allerdings habe ich die Rechte daran an das US-amerikanische Ayn Rand Institute übertragen. Sie dienen vor allem für interne Diskussionen, die meinen Blog-Lesern erst einmal nicht so viel nützen.

Zunächst möchte ich den Artikel „Die Bessermenschen und der Holocaust“ von Gerd Buurmann empfehlen und ein wenig kommentieren, der in der Printausgabe der auch ansonsten hervorragenden Jüdischen Rundschau vom März 2017 erschienen ist. Laut Buurmann kann man aus dem Holocaust nichts lernen, was man nicht ohne ihn genauso hätte wissen können.

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Das „Nicht genug Sex“-Argument

Ich habe gerade mal wieder in einer Facebook-Diskussion das „Nicht genug Sex“ oder „Du bekommst wohl keine Frau/Mann“-Argument gesehen, das jemand gegen einen anderen Diskutanten einsetzte, der sich skeptisch gegenüber dem „Brexit“ ausgesprochen hatte. Dieses „Argument“ ist inzwischen fast so häufig in Diskussionen anzutreffen wie das Reductio ad Hitlerum -Argument, das natürlich auch kein echtes Argument ist, sondern ein Denkfehler. Es wird von beiden verbliebenen Seiten des politischen Spektrums gebraucht (ich gehöre zu keinen davon). Also werfen wir einmal einen näheren Blick darauf.

(Anmerkung: Ein Leser wies mich dankenswerterweise darauf hin, dass der Versuch, ein solches Argument ernsthaft zu analysieren, zu einem ziemlich ekelerregenden Ergebnis führen musste und geführt hat. Somit ist das meine erste philosophische Analyse, die ich hiermit erst ab 18 Jahren freigebe).

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Moral Posing statt Moral

Auch veröffentlicht bei der Richard Dawkins Foundation.

Ich habe kürzlich mit jemandem auf der Straße geredet, der für eine große Umweltorganisation Spenden sammelt. Unter anderem ging es um die Rettung der Eisbären. Zuerst wolle ich einfach an ihm vorbeigehen wie an den Leuten von Amnesty International vor ein paar Wochen, aber als ich das bei Amnesty gemacht habe, wurde ich beinahe von einem Radfahrer erfasst. Also bitte. Die Unterhaltung hat mich auf eine Eigenschaft unserer Kultur aufmerksam gemacht. Weiterlesen

Rand über den Zweck von Philosophie

In der Reihe „Objektivismus in Stichpunkten“ geht es diesmal um die Fragen, wozu man sich überhaupt mit Philosophie befassen sollte und mit welchen Methoden?

Wozu braucht man Philosophie?

  • Jeder Mensch braucht Philosophie.
  • Metaphysik bestimmt „die Natur Deiner Handlungen – und Ziele“.
  • Epistemologie beeinflusst „den Grad Deines Selbstvertrauens – und Deines Erfolgs“.
  • Ethik befasst sich mit den „Entscheidungen und Handlungen, die den Verlauf Deines Lebens bestimmen“.
  • Politik „definiert die Prinzipien eines angemessenen Gesellschaftssystems“.
  • Ästhetik erforscht Kunst, die sich „mit den Bedürfnissen des menschlichen Geistes“ befasst.

Quelle: Ayn Rand: Philosophy, Who Needs It? In: Philosophy, Who Needs It?

Wie befasst man sich mit Philosophie?

  • Man kann sich entweder rational und systematisch mit Philosophie befassen oder in einem Zustand des „chronischen Schreckens“ existieren, weil man auf grundlegende existenzielle Fragen keine klaren Antworten weiß.
  • Wir sollten auch Philosophien untersuchen, die uns unsinnig erscheinen, weil ihre begründete Ablehnung uns hilft, die wahren Philosophien „klarer zu bestimmen und sie [argumentativ] zu stärken“.
  • Wir sollten versuchen, die Fundamente von Philosophien zu erkennen, nämlich „Metaphysik und Epistemologie“.
  • Dann sollten wir uns fragen, „was dabei herauskommen würde“, wenn wir diese Philosophien akzeptierten.
  • Die Introspektion dient derweil dem Zweck, „das Wesen und die Ursachen“ unserer Gefühle festzustellen.
  • Introspektion hilft uns außerdem dabei, Rationalisierung zu vermeiden.

Quelle: Ayn Rand: Philosophical Detection. In: Philosophy, Who Needs It?

Hume und Rand über Gefühle

Ich möchte kurz stichpunktartig auf die Frage eingehen, wie der schottische Aufklärungsphilosoph David Hume und die US-amerikanische Philosophin Ayn Rand die Rolle von Gefühlen (bzw. „Emotionen“ oder „Leidenschaften“) gesehen haben.

David Hume:

  • Gefühle entstehen von Natur aus.
  • Sie werden durch Existierendes oder Eingebildetes in der Außenwelt ausgelöst.
  • Die Vernunft dient der Identifizierung des kausalen Verhältnisses zwischen unseren Gefühlen und dem, was sie auslöst.
  • Die Vernunft dient außerdem dazu, angemessene Mittel für die Erreichung unserer Ziele zu wählen.
  • Unsere Ziele werden letztlich durch die Empfindungen von Leid und Lust bestimmt, die sich bei unserer Interaktion mit Existierendem in der Außenwelt als bestimmte Gefühle manifestieren.
  • Gefühle sind letztlich Ursachen, keine Folgen.
  • Die Vernunft ist ein Sklave der Gefühle.

Quelle:

David Hume, A Treatise of Human Nature; Book 2, Part 3, Section 3: (“Of the influencing motives of the will”)

Ayn Rand:

  • Gefühle sind Einschätzungen davon, was den Werten eines Menschen förderlich ist oder was diese bedroht.
  • Gefühle hängen von den Werten eines Menschen ab, die wiederum aus seinen Prämissen hervorgehen, die er bewusst oder unbewusst, explizit oder implizit vertreten kann.
  • Gefühle sind also Folgen, keine Ursachen.
  • Die Vernunft dient vor allem dazu, die Realität zu identifizieren und Werte zu wählen, die unserem Überleben als Menschen dienen.
  • Die Vernunft kann also durch die rationale Wahl von Prämissen und Werten indirekt die Gefühle bestimmen.
  • Ein Mensch kann sich dazu entscheiden, die Vernunft zu einem Sklaven seiner Gefühle zu degradieren, indem er seine Werte und letztlich Prämissen nicht bewusst und rational wählt. Er kann aber auch eine andere Entscheidung treffen.

Quelle:

Ayn Rand: The Objectivist Ethics, Playboy Interview

Gedanken über dieses und jenes

Ja, ich existiere noch. Und das, obwohl ich die letzten Wochen nicht viele Artikel über Philosophie und Politik geschrieben habe. Existiert ein Mensch in unserer Aufmerksamkeitsökonomie weiterhin, wenn er sich längere Zeit nicht mehr zu Wort meldet? Zum Glück bin ich kein Konstruktivist. Wie auch immer, ich habe einige faszinierende Gedanken zu verschiedenen Themen im Angebot, die ich in einem einzigen Blogeintrag unterbringen möchte. In diesem hier.

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