Ich habe die Transsubstantiation verstanden

Verwandeln sich Brot und Wein beim Abendmahl wirklich in den Körper beziehungsweise in das Blut von Jesus Christus?

Nun, offensichtlich nicht, werden meine atheistischen Leser sagen. Und ich stimme ihnen zu, dass es mit der „Transsubstantiation“, wie der katholisch-theologische Fachbegriff heißt, nicht weit her ist.

Allerdings habe ich bislang falsch verstanden, was die Verwandlung von Brot und Wein in Körper und Blut von Jesus aus der Sicht der Gläubigen bedeutet. Und möchte man sich eine Meinung darüber bilden, ob man etwas glaubt oder nicht, so muss man erst verstehen, was es ist, was man da glauben soll.

Wie es aussieht, glauben Katholiken und auch sonstige Christen keineswegs, dass sich an der physisch-chemisch-biologischen Beschaffenheit von Brot und Wein bei der Eucharistie irgendetwas ändert. Das heißt, was sie da verzehren, ist aus christlicher Sicht kein menschlicher Körper und kein menschliches Blut in irgendeinem materiellen Sinne.

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Jeder Mensch ist „systemrelevant“

Der zurzeit häufig genutzte Begriff „systemrelevant“ ist unmenschlich. Wir sollten auf ihn verzichten. Dieser kollektivistische Begriff ist der Politik der Exklusion zuzuordnen. Es ist ein Unwort, vielleicht das Unwort des Jahres 2020.

Jeder Mensch ist „systemrelevant“. In unserer aktuellen Krise gibt es lediglich bestimmte Berufsgruppen, die für die Bewältigung und Überwindung der Krise besonders wichtig sind. Darunter Ärzte, Pfleger und jene, die in der Produktion und dem Verkauf von Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs tätig sind.

Solche Berufe sind besonders wichtig in unserer außergewöhnlichen Notfallsituation. Sie sind insofern vielleicht „pandemierelevant“, „notfallrelevant“ oder „katastrophenrelevant“.

Doch ohne den Rest der Menschen in Deutschland und auch in anderen Ländern ließen sich diese „systemrelevanten“ Berufe nicht dauerhaft finanzieren. Könnte es eine Gesellschaft geben, in der nur Menschen wie Ärzte, Krankenschwestern, Bäcker arbeiten würden? Natürlich nicht. Die Bürger müssen erst einmal das Geld erwirtschaften, um ihr tägliches Brot und Epidemiologen bezahlen zu können. Und auch jene, die nicht arbeiten können, gehören zu unserer Gemeinschaft, zu unseren Familien, zu unserem „System“.

Wir hängen alle mit drin, wir leben alle zusammen in einer Gemeinschaft. Es ist eben gerade nicht die Zeit, Menschen gegeneinander auszuspielen, indem man einige als „systemrelevant“ und andere als verzichtbar hinstellt.

Wie die Aufklärung uns verführen kann

Ich sehe mich schon seit gut 15 Jahren als Intellektueller im Dienste der Aufklärung. Erst während meines Journalismusstudiums war mir bitter klargeworden, dass niemand außerhalb meiner Filterblase weiß, was das eigentlich ist. Und dass kaum jemand sonst sich in dieser Rolle sieht.

Hier gehe ich der Frage auf den Grund, welchen Auftrag jene haben, die sich in der Tradition der Aufklärung verorten. Und reflektiere über die Vorteile und die Schattenseiten, die das radikale aufklärerische Denken in meinem Leben hatte.

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Schafft sich der Liberalismus selbst ab?

„Warum der Liberalismus gescheitert ist“ von Patrick J. Deneen ist eine unbedingt ernstzunehmende Kritik am Liberalismus. Mit „Liberalismus“ ist hier die Ideologie gemeint, die seit mehreren hundert Jahren den Westen prägt: Die der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Befreiung des Individuums. Wie Deneen ausführt, hat diese Ideologie eine innere Logik, die zur Selbstabschaffung des Liberalismus führe.

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Das Recht, zu urteilen

Ich bin ein Mensch mit starken Überzeugungen. Einst war ich als „Taliban der Aufklärung“ (Michael Schmidt-Salomon) bekannt. Meine Überzeugungen finden teilweise großen Anklang, teilweise stoßen sie auf heftige Ablehnung. So weit, so gut. Leider wird mir oftmals streitig gemacht, diese Überzeugungen offen vertreten oder sie auch nur in meinem Kopf beherbergen zu dürfen. Es heißt, ich würde anderen ihr Leben vorschreiben wollen.

Das möchte ich nicht – und habe es nie behauptet, im Gegenteil. Ich fordere keine Gesetze, die Rechte und Freiheiten meiner Mitbürger einschränken. Hier ist das, was ich tun möchte: Ich möchte zu einem Mann, der seine Frau betrügt (oder umgekehrt) sagen dürfen: Ich finde, dass sich Partner treu sein sollten und daher verurteile ich Dein Verhalten. Ich möchte zu jemandem, der sich täglich betrinkt sagen dürfen: Ich denke, das ist weder gut für Dich noch andere, und ich verurteile Dein Verhalten. Das ist alles. Wenn sie es trotzdem machen, ist es ihre Sache. Aber es ist meine Sache, sie zu be- und verurteilen, wenn ich das möchte.

Verhängnisvollerweise verstehen viele Menschen den Unterschied zwischen Ethik und Politik nicht. Oder den Unterschied zwischen der Beurteilung einer Ethik und dem Verbot, eine Ethik zu leben. Darum liefere ich in diesem Beitrag eine präzise und differenzierte Erklärung, warum jeder Bürger jeden anderen als unmoralisch oder als guter Mensch beurteilen darf.

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„Kritik der vegetarischen Ethik“ von Klaus Alfs ist das wichtigste Buch zur Tierethik

Das Buch „Kritik der vegetarischen Ethik“ des ausgebildeten Landwirts und Diplom-Sozialwissenschaftlers Klaus Alfs ist ein neues Standardwerk zur Tierethik. Mit anderen Worten muss es jeder lesen, der sich mit Tierethik befassen möchte, und es reiht sich neben Peter Singers „Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere“ und Tom Regans „Case for Animal Rights“ ein. Im Unterschied zu diesen Klassikern argumentiert Alfs gegen übersteigerten Tierschutz beziehungsweise Tierrechte und gegen den Vegetarismus.

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