Jeder Mensch ist „systemrelevant“

Der zurzeit häufig genutzte Begriff „systemrelevant“ ist unmenschlich. Wir sollten auf ihn verzichten. Dieser kollektivistische Begriff ist der Politik der Exklusion zuzuordnen. Es ist ein Unwort, vielleicht das Unwort des Jahres 2020.

Jeder Mensch ist „systemrelevant“. In unserer aktuellen Krise gibt es lediglich bestimmte Berufsgruppen, die für die Bewältigung und Überwindung der Krise besonders wichtig sind. Darunter Ärzte, Pfleger und jene, die in der Produktion und dem Verkauf von Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs tätig sind.

Solche Berufe sind besonders wichtig in unserer außergewöhnlichen Notfallsituation. Sie sind insofern vielleicht „pandemierelevant“, „notfallrelevant“ oder „katastrophenrelevant“.

Doch ohne den Rest der Menschen in Deutschland und auch in anderen Ländern ließen sich diese „systemrelevanten“ Berufe nicht dauerhaft finanzieren. Könnte es eine Gesellschaft geben, in der nur Menschen wie Ärzte, Krankenschwestern, Bäcker arbeiten würden? Natürlich nicht. Die Bürger müssen erst einmal das Geld erwirtschaften, um ihr tägliches Brot und Epidemiologen bezahlen zu können. Und auch jene, die nicht arbeiten können, gehören zu unserer Gemeinschaft, zu unseren Familien, zu unserem „System“.

Wir hängen alle mit drin, wir leben alle zusammen in einer Gemeinschaft. Es ist eben gerade nicht die Zeit, Menschen gegeneinander auszuspielen, indem man einige als „systemrelevant“ und andere als verzichtbar hinstellt.

Wie die Aufklärung uns verführen kann

Ich sehe mich schon seit gut 15 Jahren als Intellektueller im Dienste der Aufklärung. Erst während meines Journalismusstudiums war mir bitter klargeworden, dass niemand außerhalb meiner Filterblase weiß, was das eigentlich ist. Und dass kaum jemand sonst sich in dieser Rolle sieht.

Hier gehe ich der Frage auf den Grund, welchen Auftrag jene haben, die sich in der Tradition der Aufklärung verorten. Und reflektiere über die Vorteile und die Schattenseiten, die das radikale aufklärerische Denken in meinem Leben hatte.

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Schafft sich der Liberalismus selbst ab?

„Warum der Liberalismus gescheitert ist“ von Patrick J. Deneen ist eine unbedingt ernstzunehmende Kritik am Liberalismus. Mit „Liberalismus“ ist hier die Ideologie gemeint, die seit mehreren hundert Jahren den Westen prägt: Die der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Befreiung des Individuums. Wie Deneen ausführt, hat diese Ideologie eine innere Logik, die zur Selbstabschaffung des Liberalismus führe.

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Das Recht, zu urteilen

Ich bin ein Mensch mit starken Überzeugungen. Einst war ich als „Taliban der Aufklärung“ (Michael Schmidt-Salomon) bekannt. Meine Überzeugungen finden teilweise großen Anklang, teilweise stoßen sie auf heftige Ablehnung. So weit, so gut. Leider wird mir oftmals streitig gemacht, diese Überzeugungen offen vertreten oder sie auch nur in meinem Kopf beherbergen zu dürfen. Es heißt, ich würde anderen ihr Leben vorschreiben wollen.

Das möchte ich nicht – und habe es nie behauptet, im Gegenteil. Ich fordere keine Gesetze, die Rechte und Freiheiten meiner Mitbürger einschränken. Hier ist das, was ich tun möchte: Ich möchte zu einem Mann, der seine Frau betrügt (oder umgekehrt) sagen dürfen: Ich finde, dass sich Partner treu sein sollten und daher verurteile ich Dein Verhalten. Ich möchte zu jemandem, der sich täglich betrinkt sagen dürfen: Ich denke, das ist weder gut für Dich noch andere, und ich verurteile Dein Verhalten. Das ist alles. Wenn sie es trotzdem machen, ist es ihre Sache. Aber es ist meine Sache, sie zu be- und verurteilen, wenn ich das möchte.

Verhängnisvollerweise verstehen viele Menschen den Unterschied zwischen Ethik und Politik nicht. Oder den Unterschied zwischen der Beurteilung einer Ethik und dem Verbot, eine Ethik zu leben. Darum liefere ich in diesem Beitrag eine präzise und differenzierte Erklärung, warum jeder Bürger jeden anderen als unmoralisch oder als guter Mensch beurteilen darf.

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„Kritik der vegetarischen Ethik“ von Klaus Alfs ist das wichtigste Buch zur Tierethik

Das Buch „Kritik der vegetarischen Ethik“ des ausgebildeten Landwirts und Diplom-Sozialwissenschaftlers Klaus Alfs ist ein neues Standardwerk zur Tierethik. Mit anderen Worten muss es jeder lesen, der sich mit Tierethik befassen möchte, und es reiht sich neben Peter Singers „Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere“ und Tom Regans „Case for Animal Rights“ ein. Im Unterschied zu diesen Klassikern argumentiert Alfs gegen übersteigerten Tierschutz beziehungsweise Tierrechte und gegen den Vegetarismus.

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Engel und Dämonen sind willkürliche Ideen

Nun habe ich viel Lob gefunden für die Verteidigung der Vernunft durch thomistische Katholiken. Allerdings lässt sich der christliche Glaube nicht überzeugend und teils gar nicht mit der Vernunft begründen, wie auch das „Handbook of Christian Apologetics“ des katholischen Philosophen Peter Kreeft für mich aufzeigt.

Im Gegenteil ist unter anderem seine Verteidigung der realen Existenz von Engeln und Dämonen willkürlich. Während es für die Existenz eines Gottes ein bis zwei Argumente gibt, über die es sich näher nachzudenken lohnt, auch wenn sie mich nicht überzeugen, sieht es für andere Aspekte des Christentums weniger rosig aus. Weiterlesen

Wenn ein Christ die Vernunft erklären muss

Ich lese gerade das „Handbook of Christian Apologetics“ des thomistisch-katholischen Philosophen Peter Kreeft. Also ein Buch für Katholiken, die ihren Glauben argumentativ verteidigen möchten. Die Argumente für Gottes Existenz und den christlichen Glauben darin überzeugen mich nicht, ich bleibe also weiterhin Atheist. Da ich jedoch auch in einer aristotelischen Tradition stehe, bin ich bei den Ausführungen über die Vernunft und bei der Kritik an modernen und postmodernen Philosophien oft einer Meinung mit Kreeft.

Wenn er etwas „Häresie“ nennt, denke ich mir daher gar nicht so selten: Hm, er hat Recht, dieser Unsinn ist wirklich Häresie. Kreeft glaubt wie Thomas von Aquin, dass der christliche Glaube und die Vernunft vereinbar sein müssen. Er hat eine sehr hohe Meinung von der Vernunft als eine Art von Gottesgeschenk an den Menschen. Hier möchte ich einige besonders schöne Passagen aus dem Buch über die Vernunft und den Unsinn, den unsere Kultur heute stattdessen so treibt, zitieren und kommentieren. Weiterlesen

Sollte man mit Nazis reden?

Man sollte generell mit den Menschen reden. Vor allem mit denen, die eine andere Weltanschauung haben. Im Dialog lernt man einerseits, seine Argumente zu schärfen und seine eigenen Überzeugungen zu hinterfragen, andererseits lernt man Verständnis für die Überzeugungen anderer.

Ich bin jemand, der schon mit allen möglichen Leuten online und offline geredet hat und auch jemand, der sehr genau weiß, wie es ist, ausgegrenzt zu werden. Wie es ist, wenn sich jemand weigert, mit einem zu reden. Und sogar, wie es ist, wenn fast niemand im eigenen sozialen Umfeld mit einem redet.

Die Einstellung der Kommunikation ist eine extreme Maßnahme. Nicht mit jemandem zu sprechen bedeutet, dass man dieser Person den sozialen Tod wünscht. Es ist eine Maßnahme, die gerechtfertigt und genau bedacht sein muss.

Ich bin mir allerdings mit Michael Blume, Landesbeauftragter gegen Antisemitismus von Baden-Württemberg, einig, dass es bestimmte Leute gibt, mit denen man tatsächlich nicht reden sollte. Weiterlesen

Feuerbringer rettet die Demokratie

Und zwar im Alleingang! Aber ihr dürft gerne mitmachen.

Ich hatte ein kleines Gespräch mit „Hartes Geld“ auf Twitter, der jüngst deutschlandweite Berühmtheit (oder Berüchtigtheit) erlangte. Der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses Brandner (AfD) retweetete nämlich einen seiner Tweets mit Bezug zum Anschlag in Halle, der als antisemitisch empfunden wurde. Ich glaube zwar nicht, dass er antisemitisch gemeint war (Ergänzung: Der Tweet! Der Anschlag war natürlich antisemitisch motiviert!), allerdings habe ich trotzdem keine hohe Meinung von diesem oder den anderen Tweets von „Hartes Geld“. Wir kommen beide aus einer libertären Tradition und das war die Grundlage unserer Unterhaltung. Ich fragte mich, wie er vom Libertarismus dort landen konnte, wo er jetzt ist.

Zum ersten Mal ist außerdem das Unglaubliche geschehen: Ich konnte eine lange philosophische Debatte auf hohem Niveau mit jemandem auf Twitter führen. Obendrein ging es um Epistemologie, eines der schwierigsten Teilgebiete der Philosophie. Und niemand hat irgendwen „Hitler“ genannt.

Ferner habe ich mich mit der Uni Hamburg wegen des Umgangs mit Bernd Lucke angelegt, mit dem Bundesumweltministerium wegen dessen Aufforderung in Richtung Schweiz, die Atomkraftwerke stillzulegen und bei meinem Streit mit Ungleichheits-Feministen steht es ungefähr 90:1 gegen mich (habe ihn also gewonnen, da die Gegenseite nicht diskutiert, sondern nur auf Buttons klickt). Ich sollte noch mal darauf hinweisen, dass ich mit „Feministen“ keine Leute meine, die gleiche Rechte für Frauen fordern. Frauen sollen natürlich gleiche Rechte haben und die haben sie auch. Ein Problem habe ich vielmehr mit Privilegien, die moderne Feministen inzwischen fordern.

Ich war zudem mit Susanne Baumstark, einer Bloggerin und Leserin meines Blogs, bei der Debatte „Haltung zeigen oder selber denken?“ zwischen Matthias Politycki und Dr. Carsten Brosda. Die fand ich super und schreibe hier ein paar Zeilen dazu.

Es gibt übrigens eine weitere Möglichkeit, mich in freier Wildbahn anzutreffen. Und mir ganz persönlich alles über die Tamponsteuer zu erzählen. Oder wie sehr Lucke es verdient habe, von der Antifa und seinen Studenten angeschrien und geschubst zu werden. Weiterlesen

Wie der Wille frei sein kann

Wie kann es so etwas wie Willensfreiheit geben? Schließlich leben wir in einem von Naturgesetzen beherrschten, kausalen Universum. Einige Neurowissenschaftler gehen davon aus, dass die Willensfreiheit eine Illusion ist und unsere Entscheidungen vielmehr von deterministischen Prozessen bestimmt werden. Viele Evolutionsbiologen erkennen nicht, wie so etwas wie der freie Wille evolviert sein könnte – allenfalls als Nebenprodukt der natürlichen Selektion räumen ihm manche eine Rolle ein.

Im Folgenden möchte ich erläutern, was der freie Wille aus der Sicht von Ayn Rands objektivistischer Philosophie ist, wie er in ein kausales Universum passt und warum er von der natürlichen Selektion als prägendes Merkmal des Menschen zur Weitergabe bestimmt wurde. Weiterlesen

Geht ihnen nicht auf den Leim

Libertäre treten für die individuellen Rechte aller Bürger ein und möchten die Staatsmacht auf wenige legitime Funktionen begrenzen, konkret Polizei, Militär und Gerichtswesen. Sie befürworten eine freizügige Einwanderungspolitik bis hin zu offenen Grenzen. Die Freiheit des Individuums hat für sie den höchsten Stellenwert. Doch wenn ich mir einige Leute auf Twitter ansehe, die sich als libertär, als Befürworter der Österreichischen Schule oder als Objektivisten (Anhänger von Ayn Rand) bezeichnen, sind ihre Beiträge nicht von denen reaktionärer AfDler zu unterscheiden.

Da wird jedes neue Verbrechen durch Einwanderer oder Flüchtlinge retweetet und gegen Immigration agitiert, als würden Libertäre auf einmal die Grenzen dichtmachen und nicht etwa den Wohlfahrtsstaat abschaffen und die Grenzen (mehr oder weniger) öffnen wollen. Bekanntlich sind einige Libertäre sogar offen AfD-Mitglieder. Das geht auf die Gründungszeit der AfD unter Bernd Lucke zurück, als die AfD von manchen noch als liberale Alternative zur FDP verstanden wurde. Aber das ist sie heute nicht mehr. Sowas von gar nicht mehr. Also was tut ihr noch in dieser Partei?

Ich werde keine Namen nennen und meinetwegen kann man dies daher als Strohmann-Beitrag ansehen. Die Betroffenen und ihre Follower werden wissen, wer gemeint ist. Ich habe darüber nachgedacht, wie das so gekommen sein könnte.

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Wertevermittlung

Du bist böse,

wenn Du ein Mann bist

weiß und alt

wenn Du ein Mensch bist

CO2 produziert

wenn Du existierst.

***

Du bist böse,

wenn Du Heimat magst

Ordnung brauchst

an Gott glaubst

Hitler.

***

Du bist böse,

wenn Du Frauen verführst,

sie berührst,

sie nicht verführst,

sie nicht berührst

Frauenfeind.

***

Du bist böse,

wenn Du aus einem Plastikstrohalm schlürfst

in der Hand die Plastiktüte

Plastikmensch

Fahr SUV

Und fliege.

***

Du bist gut,

wenn Du all das tust und bist

Dir wird vergeben

kannst in Ruhe leben

wähl die Grünen

Schnee von gestern.