Warum die Rechte den Dschihad begünstigt

Wie Mark Humphrys ausführte, liefern Linke den Dschihadisten ideologische Schützenhilfe. Auch die Rechte bietet Dschihadisten Schützenhilfe, wie im Folgenden erläutert wird.

Mit „Rechten“ ist nicht jemand wie Mark Humphrys selbst gemeint, der zu 90 Prozent libertär und minimal wertkonservativ ist, sondern fremdenfeindliche Rechte und Konservative, die kollektivistisch oder gar biologistisch argumentieren. Es gibt folgende Probleme mit dem Verhältnis rechter Ideologie zum Islam und der Islamkritik:

  1. Einige Rechte sind der Meinung, sie wären „biologisch“ mit ihrem Land verwachsen. Daher sei das Land, in dem sie geboren wurden, ihr natürliches Eigentum. Dschihadisten sehen das nicht unbedingt so, ihr Eroberungsdrang ist meist ideologisch begründet. Der Islam soll verbreitet werden, um ein irdisches Paradies zu erschaffen und um den Zugriff zum jenseitigen Paradies mehr Menschen zu ermöglichen. Es gibt aber Ausnahmen wie die Palästinenser, die meinen, das Land gehöre ihnen, weil es dort einmal einige „palästinensische“ Stämme und Nomaden gab. (Dito gehört das Land nicht den Juden, nur weil es dort immer schon jüdische Siedlungen gab. Juden haben vielmehr einen Anspruch darauf, insoweit und insofern sie dort eine offene, freiheitliche Gesellschaft etablieren, was jedenfalls erheblich stärker der Fall ist, als es die meisten Palästinenser vorhaben).
  2. Einige Rechte missbrauchen die Islamkritik für ihre fremdenfeindlichen Zwecke. Es gibt leider eine ganze Menge Leute, die gar keine „Ausländer“ in Deutschland haben möchten. Sie missbrauchen die legitimen Aspekte der Islamkritik, um gegen Fremde allgemein zu argumentieren. Die eigentlichen Islamkritiker wie Ayaan Hirsi Ali oder Robert Spencer haben Schwierigkeiten, ihre Botschaften zu verbreiten, weil sie von vielen Boten vereinnahmt werden (und leider ist vor allem Spencer nicht immer vorsichtig genug, mit wem er sich einlässt).
  3. Einige Rechte sehen den Islam als entweder kulturell unveränderlich an oder gar als durch biologische Eigenschaften (wie eine geringere Durchschnittsintelligenz von Muslimen, die aus ihnen für manche beinahe eine andere Lebensform machen soll) begründet. Wie Craig Biddle erläutert, ist der Islam eine anti-humanistische Religion und politische Ideologie – der Islam selbst trennt nicht zwischen Privatleben und öffentlichem Leben, wie wir das im Westen tun. Es gibt viel legitime Kritik am Islam, von der zweifelhaften Frauenrolle, der ebenso zweifelhaften Männerrolle, dem verbesserungswürdigen Verhältnis zu Andersgläubigen, die Eroberungsgeschichten aus dem Leben des Propheten, an denen sich Muslime orientieren sollen, dem Aberglauben an Dschinns und sprechende Tiere, der Negation von Naturgesetzen, die zu wissenschaftlicher Stagnation führt, und so weiter. Die Islamkritik ist allerdings Kritik an bestimmten Ideen, die Menschen naturgemäß auch verändern, variieren und zu Gunsten besserer Ideen ablegen können. Muslime sind nicht von Natur aus anders als Menschen im Westen. Muslime sind genauso Menschen wie wir. Sie haben nur andere, schlechtere Ideen, als die meisten Leute im Westen, wobei sich diese Ideen aber verändern können.
  4. Einige Rechte betonen die Bedeutung einer Konkreta-gebundenen einheitlichen Kultur und gemeinsamen Traditionen. Zwar wünsche ich mir auch eine „einheitliche Kultur“, nämlich eine Weltkultur von Aufklärung und Humanismus, aber was Rechte unter einer einheitlichen Kultur verstehen, bezieht sich auf Konkreta. Darunter Dinge wie Sonntags zur Kirche gehen, „Grüß Gott“ und „Gesundheit“ sagen, Leuten die Hand schütteln, statt sich zu verneigen und statistisch mit der gleichen Zahl und Art von Leuten ins Bett steigen, wie man das in Deutschland aktuell tut. Solche Konkreta sind bedeutungslos. Es ist wichtig, dass Menschen an friedliche Kooperation zum gegenseitigen Vorteil glauben, an individuelle Freiheit, an Vernunft – was sie Samstags essen, ist egal. Die Philosophin Ayn Rand nannte solche Konkreta-gebundenen Menschen den „Missing-Link“ zwischen Mensch und Tier. Nichts für ungut.
  5. Einige Rechte glauben an gewaltsame ideologische Unterwerfung. Sie sind der Meinung, dass andere dasselbe glauben müssten wie sie selbst. Ein Beispiel sind die Neocons, die die islamische Welt mit militärischen Eroberungsfeldzügen zunächst besiegen und dann ideologisch demokratisieren möchten. Damit das niemand falsch versteht: Ich bin vollkommen überzeugt, dass die liberalen Rechtsstaaten im Westen den islamischen Diktaturen weit überlegen sind. Und ich fände es auch besser, wenn Muslime ihren Aberglauben aufgeben würden. Allerdings sollte man das nicht mit Gewalt erzwingen. Innerhalb Deutschlands müssen sich alle Bürger an dieselben Gesetze halten. Staaten haben kein Recht dazu, in anderen Staaten einzufallen und deren Bewohner zu konvertieren, egal zu welcher Ideologie. Man darf Menschen nur von besseren Ideen argumentativ überzeugen. Das Militär darf derweil nur zur Selbstverteidigung eingesetzt werden.

Damit begünstigen Rechte den Islamismus und den Dschihad, denn:

  1. Islamisten können Muslime überzeugender als Opfer von rassistischen Westlern darstellen, je mehr rassistische Leute es im Westen gibt.
  2. Islamisten stellen Muslime als Opfer westlicher Eroberungsfeldzüge dar, was besser funktioniert, je mehr Menschen im Westen Eroberungsfeldzüge befürworten (wobei m.E. weder der Afghanistaneinsatz noch der Irakeinsatz Eroberungsfeldzüge waren).
  3. Islamisten teilen die Welt in Gläubige und Ungläubige ein, wobei auch Rechte die Welt in „Leute wie wir“ und „Fremde“ einteilen. Diese Grenzen werden jeweils als absolut angesehen. Tatsächlich sind die Grenzen fließend.
  4. Auch der Islam ist, wie jede Religion, extrem Konkreta-gebunden. Dort gibt es, wie im traditionellen Christentum, konkrete Nahrungsvorschriften, Vorschriften, wie oft und wie man beten soll, Kleidungsvorschriften, Vorschriften über die Sitzordnung in Moscheen und so weiter. Auch säkulare Konservative hängen sich an Konkreta wie Umgangsformen und Höflichkeitsfloskeln auf. Nur primitive Menschen zwingen anderen Menschen solche konkreten Verhaltensweisen und Glaubenssätze auf. Rechte und Muslime sind sich über die Bedeutung von Konkreta einig. Für eine universelle, aufgeklärte Kultur sind vielmehr abstrakte Werte wie individuelle Freiheit entscheidend.
  5. Islamisten und Rechte halten die anderen für böse, obwohl sie beide selbst böse sind. Sie sind böse, weil sie anderen ihre Ideen mit persönlicher oder staatlicher Gewalt aufzwingen wollen.
  6. Islamisten und Reaktionäre bezweifeln beide den Universalismus, also universelle Werte und individuelle Rechte für alle Menschen wie Rechte auf Leben und Eigentum und individuelle Selbstbestimmung.
  7. Islamisten und Rechte halten den gewaltsamen Konflikt für unausweichlich und sie bieten keine ideologische Grundlage für eine friedliche Koexistenz der Menschen an.

Rechte und Islamisten passen also gut zusammen. Um dem Islamismus und Dschihadismus etwas entgegenzusetzen, muss man eine grundlegend andere, bessere, universelle Philosophie zu bieten haben.

Ergänzung: Es hängt ganz davon ab, was man „rechts“ nennt. Ich meine damit ausschließlich die oben beschriebenen Überzeugungen. Je nach Einteilung, Kultur und Zeit würde man mich als Laissez-faire-Kapitalist unter anderem als „linksliberal“, „radikal liberal“ oder „rechtslibertär“ einordnen – diese Begriffe sind leider sehr schwammig.

Siehe auch: Fjordman und seine Rassisten