Warum der Islam nicht friedlich ist

In diesem Gastbeitrag für das Feuerbringer-Magazin geht Maximilian Gerber auf das Verhältnis des Islams zur Gewalt ein. Es geht um das relative Schweigen von moderaten Muslimen angesichts eines angeblichen „Missbrauchs“ der Religion durch Terroristen. Es geht auch um die Frage, wie der Westen mit der Herausforderung durch den Islam umgehen sollte.

Von Maximilian Gerber

Es gibt gemäßigte Muslime, aber keinen gemäßigten Islam. Der Islam ist eine religiös-politische Ideologie, die nach festen Regeln aufgebaut ist. Diese Regeln können unterschiedlich ausgelegt werden, aber der Kern bleibt.

Im Kern des Islams stehen der Koran und die Sunnah (die Handlungsweise des Propheten) aus den Hadithen und der Biographie Mohammeds, die als Das Leben des Propheten bekannt ist. Die Sunnah ist mindestens so wichtig wie der Koran, da Mohammed im Islam als der ideale Mensch gilt, den Muslime nachahmen sollen. Mohammed gilt als das perfekte Vorbild, wie man selbst als Muslim leben und wie man entscheiden soll.

Islam und Gewalt

Verglichen mit den Schriften des Judentums oder des Christentums ist es einfach, im Koran mehr oder weniger direkte Gewaltaufrufe zu finden, die sich nicht nur an bestimmte Personen oder Stämme richten, sondern an gläubige Muslime allgemein. Ein Beispiel lautet: „… tötet die Heiden, wo (immer) ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf!” (Sure 9. Vers 5). Fest steht, dass der Koran an mehr als nur einer Stelle direkt zur Gewalt aufruft. Das geschieht häufiger, als er zum friedlichen Miteinander aufruft.

„Seit Mohammed hat sich der Islam bis zum Ende des Osmanischen Reiches durch Kriege und Eroberungen ausgebreitet.“

Wenn man sich das Leben Mohammeds ansieht, an dem sich Muslime orientieren sollen, wird es noch deutlicher. Er hat zum Beispiel eines Tages einen ganzen Stamm enthaupten lassen. Mohammed war Feldherr in über einem Dutzend Schlachten und befahl, Abtrünnige vom Islam zu töten.

Das Christentum und der Islam lassen sich anhand der Geschichte der Ehebrecherin vergleichen. Sowohl Jesus als auch Mohammed wurden mit einer Frau konfrontiert, die die Ehe gebrochen hatte. Die Reaktion Jesu Christi: „Derjenige, der von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ (Johannes-Evangelium 8). Steinigung ist die biblische und koranische Strafe für Ehebruch. Jesus sprach sich jedoch dagegen aus, zumindest an dieser Stelle. Mohammeds Reaktion hingegen: „Steinigt sie!“ (Aus der Hadithensammlungen von Sahih Muslim, „The Correct Books of Muslim“, Buch 17, Nr. 4206).

Warum ist es aber so wichtig, was der Koran sagt? Das ist doch nur ein altes Buch. Und warum ist es wichtig, was ein Stammesfürst im siebten Jahrhundert so alles für Entscheidungen getroffen hat?

Ganz einfach. Die Ideologie namens Islam sagt, der Koran sei das direkt von Allah gegebene Wort. Man darf es nicht verändern und man darf es nicht interpretieren, auch wenn sich das in der Praxis schwer vermeiden lässt, weil der Koran beizeiten weniger klar formuliert ist, als Muslime dies offiziell glauben. Man darf den Koran eigentlich noch nicht einmal übersetzen. Wer wirklich den Koran lesen will, der muss arabisch lernen. Wenn also im Koran steht „… tötet die Heiden, wo (immer) ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf!“, dann ist das auch so gemeint. Unter diesem Aspekt wird auch verständlich, warum es in der iranischen Rechtsprechung als Fortschritt angesehen wird, dass Ehebrecherinnen nicht mehr gesteinigt werden, sondern eine andere Art der Hinrichtung zu wählen ist.

Ebenso verhält es sich mit Mohammed als Vorbild. Wer nach dem Islam leben will, der macht alles richtig, wenn er sich in jeder Situation fragt „was hätte der Prophet getan?“ Nur hat der Prophet wie ein Stammesfürst im siebten Jahrhundert gehandelt.

Es lohnt ein Blick auf die Entstehung des Islams und seine Ausbreitung. Im Gegensatz zum Christentum entstand der Islam nicht durch Verfolgung und Unterdrückung. Jedenfalls nicht durch Verfolgung und Unterdrückung der Araber. Im Gegenteil. Seit Mohammed hat sich vielmehr der Islam bis zum Ende des Osmanischen Reiches durch Kriege und Eroberungen ausgebreitet, Muslime haben andere verfolgt und unterdrückt.

Das Christentum hat sich bis ca. ins Jahr 400 n. Chr. im Untergrund der römischen Gesellschaft entwickelt und wurde im Anschluss eher durch Missionare als durch Eroberungen verbreitet. Der Islam wurde kaum durch Missionare verbreitet, sondern hauptsächlich durch Eroberungen. Das liegt auch daran, dass Politik und Religion im Islam nie getrennt waren. Im Christentum heißt es (Lukas 20:25): „So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ Das Christentum hat sich in unterschiedlichen Gesellschaften und Staatsformen einnisten können. Der Islam ist immer auch Staat und nie nur Religion. Im Christentum (vor der Reformation bzw. heute noch im katholischen) ist der oberste Herrscher der Papst. Dieser ist aber kein, oder zumindest kaum ein weltlicher Herrscher. Im Islam ist der oberste Herrscher der Kalif. Dieser ist Papst und Kaiser in einer Person, er soll die gesamte muslimische Gemeinschaft politisch und religiös führen. Der Kalif war über lange Zeit eine der bestimmenden Mächte auf dieser Welt, vor allem im Osmanischen Reich.

„Politik und Religion waren im Islam nie getrennt.“

Die zentrale Botschaft des Islams ist die Unterwerfung unter das Gesetz Allahs. Islam heißt übersetzt genau das, „Unterwerfung“. Die zentrale Botschaft des Christentums ist die Vergebung der Sünde, vor allem der Erbsünde durch das finale Opfer des Heilands Jesus Christus. Die zentrale Botschaft des Judentums ist der Vertrag des auserwählten Volkes mit Gott und die Erfüllung dieses Vertrages.

Keine der drei monotheistischen Weltreligionen eignet sich besonders gut als Religion des Friedens. Der Islam aber am wenigsten. Am nächsten kommt einer solchen Religion eine ganz andere, der Jainismus, der den Verzicht auf das Verletzen von Lebewesen als zentrale Botschaft enthält.

Eine friedliche Religion würde von ihren Anhängern erwarten, keine Kriege anzuzetteln und von der Tötung von Unschuldigen abzusehen und diese zu verurteilen. Wenn jemand im Namen dieser Religion des Friedens Krieg führt oder Unschuldige tötet, müssten sich alle anderen Gläubigen zutiefst empören und sich öffenlich von den Kriegstreibern in ihrer Mitte distanzieren.

Viele sagen, dass diejenigen, die mit dem Islam Gewalt begründen, diesen falsch auslegen. Sie legen ihn nicht falsch aus. Mit dem Islam lassen sich sehr gut Gewalttaten begründen. Mohammed hat sein ganzes Leben lang zur Gewalt gegriffen, um seine Ziele zu erreichen. Und er gilt im Islam als das große Vorbild, das Muslime nachahmen sollen.

Die Ideologie des Islams ist an nahezu jedem bewaffnetem Konflikt, der zur Zeit stattfindet, beteiligt. Die absolut meisten Terroranschläge der letzten 20-30 Jahre wurden mit der Ideologie des Islams begründet. Viele der heute existierenden Staaten, die die Rechte ihrer Bürger nicht achten, haben den Islam als Staatsideologie. Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam hat mit den Menschenrechten, wie wir sie verstehen, gar nichts zu tun. Vielmehr stellt sie den islamischen Glauben über alle anderen Erwägungen.

Das Verhalten moderater Muslime

Man kann einwenden, dass sich die meisten Muslime friedlich verhalten und man nicht alle 1,6 Milliarden Muslimen wegen ein paar gewaltbereiter Fanatiker verurteilen sollte. Es ist aber auch zu beachten, wie sich die friedlichen Muslime gegenüber den Gewaltbereiten verhalten.

„Viele der heute existierenden Staaten, die die Rechte ihrer Bürger nicht achten, haben den Islam als Staatsideologie.“

Man erinnere sich nur an die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands Posten oder den Film Innocence of Muslims. Beide führten zu weltweitem Aufruhr. Regierungen entschuldigten sich, Menschen starben und Massen von Muslimen strömten auf die Straßen. Der Grund dafür war, dass der Islam in seinen Grundsätzen beleidigt wurde. Wenn allerdings ein gläubiger Muslim einem Ungläubigen den Kopf abschneidet, dann beleidigt er damit nicht die fundamentalen Werte des Islams. Im Gegenteil. Er handelt im Einklang mit seiner Ideologie beziehungsweise Religion. Das mag uns und auch vielen Muslimen in der westlichen Welt nicht gefallen. Aber es ist so. Ebenso wie sich ein Christ im Einklang mit der Bibel verhält, wenn er seine Kinder schlägt, angebliche Hexen steinigt und die Sklaverei befürwortet, auch wenn diese Glaubenslehren in der westlichen Welt nicht mehr dominant sind.

Keine Ideologie sollte friedlich genannt werden, in deren zentraler Schrift das Enthaupten von Unschuldigen als richtig bezeichnet wird. Eine wirklich friedliche Ideologie lässt Gewalt nur zur Verteidigung zu und verdammt jegliche Form der Einleitung von Gewalt. Wenn der Islam eine Religion des Friedens oder auch nur eine friedliche Religion wäre, dann wären die Massen auch auf die Straße gegangen, wenn einem Unschuldigen im Namen einer solchen Religion der Kopf abgeschnitten wurde und nicht nur, wenn man den Propheten gezeichnet hat. Zumindest hätte man eine ähnlich bzw. größere Welle der Empörung weltweit erwartet.

Aber die einzige Empörung die es gab, waren einige wenige Muslime, die in westlichen Nationen auf die Straßen gingen. In Afrika, dem Nahen Osten und Asien gab es so gut wie keine Empörungen über die Taten von islamistischen Fanatikern. Je islamischer ein Staat, desto weniger Empörungen über die Taten und desto weniger Debatten, ob diese etwas mit dem Islam zu tun haben oder nicht. Man würde eher erwarten, dass es sich umgekehrt verhält, wenn der Islam wirklich eine friedliche Ideologie wäre. Je islamischer ein Staat, desto größer müsste doch die Entrüstung sein, dass der Islam von „einigen Fanatikern“ missbraucht wird – wenn er denn wirklich missbraucht wird. Und wenn man nun argumentiert, dass eine abweichende Meinung in islamischen Diktaturen nicht geäußert werden darf, mag man sich fragen, warum gerade dort, wo der Islam herrscht, offenbar die Gewalt gegen Ungläubige nicht verurteilt wird oder werden darf.

Zu freiheitlichen Prinzipien stehen

Man sollte nicht den Fehler von Rechten begehen, nun Muslime ausweisen oder keine Muslime in westlichen Ländern haben zu wollen. Sie verlassen häufig darum die islamische Welt, weil es ihnen dort nicht gefällt – und weil sie sich von unseren Werten und Freiheiten und Möglichkeiten angezogen fühlen. Man sollte vielmehr klar Stellung beziehen in diesem Wettstreit, einem Wettstreit der Ideen. Unsere Gesellschaft sollte auf dem Schutz des Lebens, der Freiheit und des Eigentums seiner Bürger fußen. In der öffentlichen Debatte sollten diejenigen verdammt werden, die Gewalt einleiten und nicht diejenigen, die Gebrauch von ihren Freiheiten machen. Jedesmal aber, wenn Muslime wegen einer Beleidigung des Islams auf die Straße gehen oder gar gewalttätig werden, steht einen Tag später ein Politiker vor dem Mikrofon und betont, dass die Beleidigung falsch war und man doch Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Muslime nehmen sollte. Nein. Muslime sollten Rücksicht auf die Grundprinzipien der freien Welt nehmen, wenn sie darin leben wollen.

„In der öffentlichen Debatte sollten diejenigen verdammt werden, die Gewalt einleiten und nicht diejenigen, die Gebrauch von ihren Freiheiten machen.“

Ein solches Verhalten seitens der entschuldigenden Politiker ist diskriminierend. Es ist schließlich selbstverständlich, dass wir von Christen, die sich von angeblichen Kunstwerken wie PissChrist beleidigt fühlen, keine Gewalt erwarten. Entrüstung, Leserbriefe, womöglich gar Demonstrationen – aber eben keine Gewalt. Wir gehen davon aus, dass Christen aufgeklärte Menschen sind, die begriffen haben, dass Gewalt kein legitimes Mittel zur Lösung von Konflikten ist. Scheinbar muss man aber auf Muslime speziell Rücksicht nehmen, da es sich bei ihnen, so scheint der Umgang zu unterstellen, um unaufgeklärte Wilde handeln soll, die sofort gewalttätig werden, wenn man Ihre Religion beleidigt. Das ist diskriminierend. Menschen werden aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit vom Staat bzw. der Gesellschaft anders behandelt.

Man sollte von Muslimen ebenso wie von jedem anderen Mitglied unserer Gesellschaft verlangen, dass es Gewalt nicht als legitimes Mittel zur Lösung von Konflikten betrachtet. Auch nicht, wenn man provoziert wird. Und egal, wer von wem provoziert wird. Es gibt keine Provokation, die es erlaubt, Gewalt anzuwenden. Aber genau das implizieren Staatsvertreter, wenn sie immer nur die Provokateure anprangern, statt einfach mal zu sagen: „In unserer Gesellschaft darf jeder sagen, was er möchte. Niemand, der sich dadurch beleidigt fühlt, darf deswegen Gewalt anwenden. Wenn jemand aber möchte, dass man gewaltsam gegen solche Leute vorgeht, so ist das nicht mir den Grundsätzen unserer Gesellschaft vereinbar!”

Zum Autor:

Maximilian Gerber ist Wirtschaftsingenieur. Mit dem Thema Islam beschäftigt er sich in steigender Intensität seit den Anschlägen vom 11.September 2001. Seit einigen Jahren beobachtet Gerber in den Medien eine sehr einseitige Darstellung des Islams als Religion des Friedens, die angeblich nichts mit den Abscheulichkeiten zu tun hat, die in ihrem Namen begangen werden. Mit diesem Text möchte er einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Leute anfangen, sich Fragen zu stellen und sich zu informieren.

Dieser Artikel wurde inzwischen auch in der Huffington Post veröffentlicht.

Siehe zum Thema auch: Hamed Abdel-Samad: „Mohammed war ein Massenmörder und ein kranker Tyrann“ (Die Welt)