Der große Kunstschwindel des 20. Jahrhunderts (2)

von Frederick Ross, Art Renewal Center

Übersetzung: Andreas Müller, M.A. für das Feuerbringer-Magazin

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Siehe auch: Was ist das ARC?

Was ist nur falsch daran, derivativ zu sein?

Dies ist eine der Kernüberzeugungen des Modernismus, die durch selbst-evidente logische Analyse gründlich bezwungen werden muss. Niemand kann irgendetwas von Wert erreichen, falls er tatsächlich nicht derivativ vorgeht. Nur, indem wir die Errungenschaften der Vergangenheit zu beherrschen lernen und sie dann ergänzen, können wir noch weiter gehen. Auf jedem anderen Gebiet wird diese Wahrheit anerkannt. Ohne das Wissen der Vergangenheit sind wir zu ewiger Primitivität verurteilt.

Und was den Vergleich unserer Werke mit jenen der alten Meister angeht – genau diesen sollten wir anstreben. Falls wir Dinge von großem Wert und von wahrer Meisterschaft erreichen möchten, dann müssen wir große Meister auch im nächsten Jahrtausend aufkeimen lassen und nähren. Bouguereau war sich wie seine Zeitgenossen durchaus darüber im Klaren, dass man sein Werk auf dem Altar vergangener Errungenschaften mit anderen vergleichen würde. Eben weil sie die Techniken der Vergangenheit gemeistert hatten, auf ihnen aufbauten und sie einer Lawine neuer Gegenstände und Ideen der Aufklärung öffneten, haben sie das großartigste halbe Jahrhundert der Malerei in der Kunstgeschichte erschaffen.

Frank Dicksee (1853-1928): La Belle Dame Sans Merci. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

Frank Dicksee (1853-1928): La Belle Dame Sans Merci. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

Das Wort „derivativ“ stammt von dem Wort „derivatio“ oder „von etwas abgeleitet sein“, nicht „kopieren“. Bouguereau, Lord Leighton, Alma-Tadema, Gérôme, Vibert, Burne-Jones, etc. haben nicht für ihre Kunst von früheren Zeitaltern kopiert, sondern mit Sicherheit von früheren Schulen abgeleitet. Viele der Methoden, wie man die Fähigkeiten des Zeichnens, des Modellierens, der Perspektive, der Komposition, der Beschaffung und der Vorbereitung von Farbstoffen, der Leinwandvorbereitung, der Auftragung von Farbe lernt, wurden vor ihnen entwickelt.

Man könnte sagen, dass Michelangelo eine Ableitung von Donatello ist, der seinen David schon Jahrzehnte zuvor aus dem Stein geschlagen hatte. Leonardo und Raphael waren Ableitungen von Giotto und Rogier van der Weyden. Alle der niederländischen Künstler des 17. Jahrhunderts bauten auf den Durchbrüchen der Hochrenaissance auf, die wiederum auf den Erfolgen der Frührenaissance aufbaute. Im antiken Griechenland hat Praxiteles bestimmt viel Technik und Wissen von den Bildhauern abgeleitet, die während der Jahrhunderte vor ihm tätig waren.

Uns interessiert heute nur, dass er es am besten getan hat. Und wenn wir über die grundlegenden Kriterien und Parameter der akademischen Tradition sprechen, die sich zwischen dem 14. bis zum 19. Jahrhundert entwickelte, so stehen Bouguereau, Lord Leighton und Alma-Tadema niemandem nach.

Hätten Bach, Beethoven und Mozart ihre Meisterwerke komponieren können, wenn niemand zuvor Tonleitern und Quintenzirkel entdeckt hätte? Bedeutet dies, dass jene musikalischen Giganten auch nichts weiter als derivativ waren? Tatsächlich gibt es sämtliche große Literatur nur wegen der Existenz der höheren Sprache. Diese umgedrehte Denkweise würde Dostojewski, Balzac, Tschechow, Shakespeare, die Bronté-Schwestern, Steinbeck, Sallinger und Toni Morrison auch nur als derivativ erscheinen lassen. Wenn man darüber nachdenkt, so sind dies exakte Analogien. Die traditionell-humanistischen Akademischen Meister des 19. Jahrhunderts waren in nichts mehr oder weniger derivativ, als alle anderen Künstler aller vorangegangenen Epochen.

„Unser 20. Jahrhundert war eine Epoche, die das Bizarre, das Neuartige und das Empörende als Selbstzweck feierte.“

Derivativ zu sein ist bedeutet etwas vollkommen anderes als das Kopieren. Kopieren kann selbst wertvoll sein, aber nur für instruktive Zwecke. Offensichtlich ist ein kopiertes Werk keine originäre Kunst. Aber modernistische Ideologen haben sämtliche realistische Kunst unehrlich als „derivativ“ abgetan, als wäre dies dasselbe wie Kopieren.

Wir können diese Humanistischen Meister nicht mit irgendeiner Berechtigung auf dem Altar der modernen Kunst opfern. Die moderne Kunsttheorie betrachtet Kunst auf eine vollkommen andere und, wie wir sehen werden, auf eine falsche Art. Ich möchte hier kurz betonen, dass ich den Impressionismus nicht zum Modernismus zähle. Der Impressionismus wurzelt noch immer fest in menschlichen Werten mit dem Ziel, Werke von großer Schönheit zu erschaffen. Der Modernismus beginnt mit den Post-Impressionisten und dauert bis heute an. Mit der Ausnahme von Van Gogh wurde es zur Intention des künstlerischen Strebens, die Grenzen dessen, was man Kunst nennen könnte, zu erweitern und das Brechen von Maßstäben und von Konventionen als solche zu feiern.

Auch wenn man davon ausgeht, dass Bouguereau Renoir und Monet nicht mochte und dass Renoir Bouguereau nicht mochte, so ist dies kaum eine Anklage gegen die Kunst von irgendeinem von ihnen. Rembrandt hasste Rubens und Michelangelo verabscheute Leonardo. Es ist eine alte Geschichte – ein Genie ist oft intolerant gegenüber anderen Genies mit einer etwas anderen Ausrichtung. Auch wenn man so viel zugestehen kann, so entspricht es nicht den Tatsachen, dass Bouguereau von allen Impressionisten gehasst wurde. Tatsächlich näherte sich ein Journalist auf der Pariser Weltausstellung am Neujahrsabend des Jahres 1900 Degas und Monet, die sich miteinander unterhielten. Er fragte sie, wer ihrer Meinung nach als größter Künstler des 19. Jahrhunderts im Jahr 2000 angesehen werden würde. Nach einer kurzen Debatte einigten sich beide auf einen Mann: William Bouguereau.

Es gibt allerdings noch einen weiteren Grund, warum der Akademische Realismus oder der Traditionelle Humanismus zurückkommt. Er hat etwas mit der weit verbreiteten Neubewertung der ideologischen Grundlagen und des theoretischen Rahmens des Modernismus und des Post-Modernismus zu tun.

John Singer Sargent (1856-1925): Carnation, Lily, Lily, Rose. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

John Singer Sargent (1856-1925): Carnation, Lily, Lily, Rose. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

Unser 20. Jahrhundert war eine Epoche, die das Bizarre, das Neuartige und das Empörende als Selbstzweck feierte. Das entscheidende Kriterium für das Großartige besteht laut dem Modernismus darin: „Wurde es schon einmal getan?“, „Ist es vollkommen originell, ohne Ableitung von irgendwelchen früheren Kunstschulen?“, „Empört es?“, „Erweitert es die Definition dessen, was Kunst genannt werden kann?“ Ich stelle heute die These auf: Wenn alles Kunst ist, dann ist nichts Kunst. Wenn ich einen Tisch einen Stuhl nenne, habe ich dann die Definition des Wortes „Tisch“ erweitert? Würde mich das zu einem Genie machen? Wenn ich einen Hut ein Hemd nenne, habe ich dann die Definition von „Hut“ erweitert? Wenn ich einen Nagel einen Hammer nenne, habe ich dann die Definition des Wortes „Nagel“ erweitert? Bin ich nun ein Genie? Wenn ich quietschende Autoreifen als große Musik bezeichne, habe ich dann die Definition von Musik erweitert?

Oder habe ich tatsächlich Menschen betrogen, die Tische, Hüte, Nägel und Musik kaufen wollten und die stattdessen Stühle, Hemden, Hämmer und Kopfschmerzen bekommen haben?

Modernisten haben die Definition von Kunst keineswegs erweitert. Was sie getan haben, ist dieses: Sie haben versucht, die Kunst zu zerstören, sie haben Symbole erschaffen, welche diese Zerstörung darstellen und dann haben sie diese Symbole als das Ding bezeichnet, das sie zerstört haben, d.h. als Kunstwerke. Ein Urinal oder eine leere Leinwand, die an die Wand eines Museums gehängt wurden, sind besonders präzise Beispiele dafür. Das sind keine Kunstwerke, sondern Symbole des Sieges der Hunnen, die die Bollwerke und Foren unserer Kultur geplündert haben. Das ist so, als würde man sagen, dass das Forum Romanum heute eine viel größere Architektur im Vergleich zu damals darstellt, als all die Gebäude und Straßen unversehrt waren.

„Degas würde der kurzen Pose entschieden widersprechen.“

Nun zu diesen 5-Minuten-Posen, die in den wenigen beneidenswerten Zeichenseminaren so populär geworden sind, die in den Kunstfakultäten der meisten Universitäten heute angeboten werden. Kennen Sie die? Diese „Fünf-Minuten-Studie“ soll dem Künstler beibringen, einen schnellen Eindruck der Figur zu bekommen. Den Studenten wird erzählt, dass der erste Impuls irgendwie frischer und ehrlicher wäre. Tatsächlich ist es ein gekünsteltes und lähmendes Konzept. Wie kann ein Student nur fortgeschrittene Zeichenfähigkeiten ohne die langen Posen entwickeln, die es ihm ermöglichen, seine Fehler zu suchen und sie zu finden und dann seine Methoden zu perfektionieren, mit denen er die richtigen Linien trifft? Lassen Sie mich als Unterstützung für diese Kommentare Edgar Degas zitieren, eine der Ikonen des Impressionismus und der modernistischen Ideologie.

Edgar Degas wird von Ives Gammell in seinem Buch „The Shop Talk of Edgar Degas“ auf Seite 22 wie folgt zitiert:

„Ich habe stets versucht, meine Kollegen auf dem Weg der Zeichenkunst nach neuen Kombinationen suchen zu lassen, was ich für ein fruchtbareres Gebiet halte als jenes der Farbe. Aber sie wollten nicht auf mich hören und haben die andere Richtung eingeschlagen.“

Und anderen gegenüber wird er folgendermaßen zitiert: „Ich bin ein Farbenkünstler mit Linie.“

Dann sagt Gammell:

„Zu Degas Zeit war der Erwerb dieses unverzichtbaren Talents (Zeichnen) selbstverständlich und er wurde als grundlegender Teil der frühen Ausbildung des Malers angesehen. Wenn er seine Formen gezeichnet hatte, überarbeitete er sie gründlich, bis er ihnen das Höchstmaß an Bedeutung verliehen hatte.“

Degas sagte:

„Fertige eine Zeichnung an. Tue es noch einmal. Ziehe sie nach. Fang noch einmal an und ziehe sie noch einmal nach. […] Du musst denselben Gegenstand zehnmal überarbeiten, hundertmal. In der Kunst darf nichts nach Zufall aussehen, nicht einmal für einen Augenblick.“

Das klingt nach einem direkten Widerspruch zu den Behauptungen des Großteils der aktuellen Lehrmeinung, laut der der erste, unmittelbare Eindruck einer Form von höchstem Wert und von höchster Wichtigkeit sei. Die aktuelle Lehrmeinung neigt zur Auffassung: Wenn man seine Linie überarbeiten muss, dann mangelt es ihr an Wahrheit und Aufrichtigkeit. Dieser Lehrmeinung mangelt es jedenfalls an Qualität und Klarheit. Nur die talentiertesten Künstler, die eine halbe Lebenszeit mit der Entwicklung ihrer Zeichenfertigkeiten verbracht hatten, konnten beim ersten Versuch die richtige Linie treffen. Degas würde der kurzen Pose entschieden widersprechen.

Edgar Degas (1834-1917): Dance Class. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

Edgar Degas (1834-1917): Dance Class. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

Für ihn war es am wichtigsten, dass der Künstler die richtige Linie findet, die das Gefühl oder die Form, die er sich wünschte, am besten ausdrückt – und nicht, wie schnell oder automatisch er sie erreicht. Das ist eine zentrale Aussage, weil sie den Mythos der modernen Lehrmeinung untergräbt, laut der die Geste mit dem ersten Strich eingefangen werden muss, um großartig zu sein. Wenn Studenten ihre Linien nie perfektionieren, dann können sie niemals das Talent erwerben, die „richtige“ Linie zu erkennen, wenn sie sich zeigt.

Auf Seite 23 sagte Degas: „Sobald ich eine Linie habe, halte ich mich an ihr fest, ich lasse sie nicht wieder los.“

Modernen Künstlern erzählt man, dass sie etwas vollkommen Originelles erschaffen müssten. Nichts an dem, was sie tun, darf jemals in irgendeiner Form schon einmal dagewesen sein, oder sie riskieren, „derivativ“ genannt zu werden. Wie vollkommen absurd.

Sie wurden in dem Glauben indoktriniert, dass schlecht = gut. Jedes Kriterium, aus dem irgendein Maßstab für Qualität und Herausragendes abgeleitet werden kann, wurde ihnen als unangemessen präsentiert, weil es „die Ausdrucksfreiheit einschränkt“.

  1. Es kann keine Story geben, denn dann muss man in den „engen Grenzen“ der Erzählung bleiben.
  2. Es kann keine Illusion geben, denn dann wird man von der Notwendigkeit „angekettet“, wieder einen Eindruck von drei Dimensionen erzeugen zu müssen.
  3. Es kann kein Zeichnen geben, denn das kann den Künstler auf Menschen oder Dinge aus der realen Welt als Gegenstände einschränken.
  4. Sie wollen die „Fußeisen“ des Modellierens, der Perspektive oder des Gegenstandes jeglicher Art entfernen.
  5. Es kann gewiss keinen Versuch geben, die obigen Parameter mit der Komposition, der Farbe und Tonalität zu harmonisieren, dann das würde einen darauf „beschränken“, alles zusammen wirken zu lassen.

Im Gegenteil wurde ihnen vom Modernismus eingetrichtert, dass nur jene Werke, die Grenzen durchbrechen, Maßstäbe ignorieren und kein Interesse an Talent oder Technik zeigen, wirklich „originell“ oder „inspiriert“ sein können.

„Modernismus ist Kunst über Kunst. All die großen Kunstwerke der Geschichte sind hingegen Kunst über das Leben.“

Tatsächlich hat die Originalität der Methoden Vorrang gegenüber allem anderen. Falls etwas schon einmal getan wurde oder auf irgendeine Art von etwas abgeleitet ist, was vorher getan wurde, dann verliert es dadurch proportional zu den Ähnlichkeiten an Wert. In so einem „Spiegelland“ [Anspielung an „Alice im Spiegelland“, der Fortsetzung zu „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll; Anm. des Übers.] würde sich jeder Möchtegern-„Künstler“ in der unhaltbaren Lage wiederfinden, eine vollkommen neue Kunstform erschaffen zu müssen, um als relevant angesehen zu werden.

Die blanke, offenkundige Wahrheit lautet, dass nichts einschließender, einengender, festbindender und ankettender sein könnte als die unmöglichen Grenzen des Modernismus und Postmodernismus, die jedem angehenden Künstler jedes Werkzeug (inklusive Ausbildung) nehmen, das ihm die Fähigkeit verleihen könnte, große Kunstwerke zu erschaffen. Die einfache Wahrheit lautet, dass jeder einzelne von uns in der Lage ist, sich etwas auszudenken, dass noch nie zuvor getan wurde. Aber ist es darum die Sache wert, es zu tun und wird es dadurch zu einem genialen Werk?

Zum Beispiel:

  1. Ich könnte (mit genügend Geld) vorsichtig ein altes, ausgebombtes Mietshaus in der Bronx ausgraben und es zu einer Marmorplatte transportieren lassen, die dafür im Central Park gebaut wurde. Grenze das Bauwerk mit einem Seil ab, richte Scheinwerfer darauf, gib ihm einen Namen und denk dir mit genügend Glanz und Gloria zwanzig Gründe aus, warum es ein schlicht brillanter Kommentar über das Leben in der Innenstadt ist.
  2. Ich könnte die Eingeweide verschiedener Tiere kochen und sie dann in Klarsichthülle konservieren. Ich könnte sie mit ähnlich konservierten Körperteilen von Kadavern an ein Mobile hängen und Kritiker behaupten lassen, dass es sich dabei um den größten künstlerischen Kommentar über die Gräuel des Krieges seit „Guernica“ handelt.
  3. Ich könnte in die Wände, Decken und Böden eines kleinen Raumes Stücke von Neonlichtern, Teile von kaputten Maschinen und Motoren und zerbrochene Stücke von Baumaterialien wie Ziegelsteine, Balken und ausgebrannte Holzklötze einbetten. Dann könnte ich dazwischen Millionen Nägel, Schrauben und Schraubenmuttern kleben. Schließlich könnte ich schlaue Autoren und Kritiker darauf hinweisen lassen, dass dieser Raum (den man im „Museum of Modern Art“ oder im Guggenheim installieren könnte) der wesentliche Kommentar über die Auswirkungen des industriellen Zeitalters auf die menschliche Psyche ist.

Nun, um mir diese drei Ideen auszudenken, habe ich drei Minuten gebraucht. Mein Gott! Das muss bedeuten, dass ich drei Genies in einem bin. Bei dieser Geschwindigkeit könnte ich mir in nur ein bis zwei Wochen mehr brillante Ideen für den Modernismus ausdenken als alle modernistischen Genies zusammengenommen.

Peder Severin Kroyer (Peder Severin Krøyer) (1851-1909): Tarde de verano en la playa. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

Peder Severin Kroyer (Peder Severin Krøyer) (1851-1909): Tarde de verano en la playa. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

Wirklich interessant ist überhaupt nicht ihre Kunst, sondern was sie über die Natur unserer Spezies aussagt – dass so viele scheinbar intelligente Menschen der zungenverdrehenden, verschnörkelten Unlogik der modernistischen Rhetorik auf den Leim gingen. Offensichtlich ist es für manche Menschen wichtiger, sich als Teil einer elitären In-Group zu fühlen, die mit der besonderen Fähigkeit gesegnet ist, Genialität wahrzunehmen, wo die meisten Menschen nichts sehen und sich fürchten, dies zu sagen. Da die meisten Menschen nicht viel über hohe Kunst wissen, noch sich ihr hingegeben haben, so konnte der Großteil der Menschheit erfolgreich zum Schweigen gebracht werden und fühlt sich jetzt dumm, weil er es nicht versteht. Sie konnten ihre Fiktion unter dem Deckmantel der geballten Macht ihrer Referenzen verbreiten, indem sie erfolgreich die Kontrolle über die Institutionen der höheren Bildung und der größten Museen der Welt errungen haben. Der Durchschnittsmensch wagt es nicht, an die Realität zu glauben, die ihm seine eigenen Sinne offenbaren, da ihm eine scheinbar überwältigende Zahl von Menschen im Establishment des 20. Jahrhunderts gegenübersteht, die autoritär diktiert, was große Kunst ist und was er sehen sollte.

Moderne und postmoderne Kunst ist nihilistisch und anti-menschlich. Sie entwürdigt die Menschheit mit ihren Hoffnungen, Träumen, Leidenschaften und der realen Welt, in der sie lebt. Alle Bezüge auf irgendwelche dieser Dinge sind in den Hallen der modernistischen Ideologie untersagt, welche von sich behaupten, die Maßstäbe dafür, was Kunst ist, zu bewahren. Wir sehen, dass ihre geheiligten Hallen nur eine leere Hülle sind, eine leerstehende, verlassene Gruft, die ihre Verehrer vom Leben und von der Menschheit ausschließt und dabei die Menschheit ihrer Würde beraubt. Am Ende langweilt sie die überwältigende Mehrheit ihres Möchtegern-Publikums, das nichts entdeckt, womit es eine Beziehung aufbauen könnte.

Es wurde aufregend und „avant-garde“ genannt, aber die traurige Wahrheit lautet, dass es unglaublich eintönig und monoton ist. Ob man nun Plastikstücke aneinander klebt oder Glasscherben, ob man nun Alteisen oder Federhaufen zusammenstellt. Ob man kleine Farbklumpen aufs Papier tropfen lässt oder ob man dicke, ungleichmäßige schwarze Striche hineindrückt. Ob man Papierberge anhäuft oder die Freiheitsstatue einpackt. Der Effekt ist immer derselbe: Bedeutungslose Primitivität. Modernismus ist Kunst über Kunst. Sie fragt immer wieder bis zum Erbrechen die Frage: Was ist Kunst? Was ist Kunst? Sie glauben, dass nur die Dinge, welche die Grenzen der Kunst erweitern, gut sind; alles andere ist schlecht. Es ist Kunst über Kunst. All die großen Kunstwerke der Geschichte sind hingegen Kunst über das Leben.

„Wenn Sie sich die Zeit nehmen, den abstrakten Expressionismus, Minimalismus, Chromatische Abstraktion, Pop-Art, etc. zu verstehen, dann werden Sie einen schlauen Schwindel entdecken, der von einer gerissenen Bande von PR-Experten veranstaltet wird, die eine großartige Taktik entwickelt haben, um Millionen zu scheffeln.“

Natürlich ist das nicht das erste Mal, dass betrügerische Ideen die Weltanschauungen ganzer Kulturen und Zivilisationen verschlungen haben. In vielen der vergangenen Weltanschauungen wurde der Irrsinn mit den strengsten Strafen für jene durchgesetzt, die es wagten, sich dagegen auszusprechen. Wenigstens leben wir in einer Zeit und an einem Ort, wo es möglich ist, sich gegen diesen völligen Schwindel auszusprechen, der gegenüber der größten Epoche der künstlerischen Errungenschaften der Geschichte verbrochen wurde. Drei Viertel des 20. Jahrhunderts werden als Brachland des Irrsinns in die Kunstgeschichte eingehen – ein alptraumhaftes Echozeichen auf dem langen Weg der Entwicklung der menschlichen Logik und Vernunft, aus dem wir jetzt gerade erst erwachen.

Die Künstler des 19. Jahrhunderts brachten einen tief empfundenen Respekt für die Menschheit und menschliche Gefühle zum Ausdruck; einen Respekt für unseren Geist, unsere Seelen und unsere Vernunft und eine Liebe für das Schöne, die Anmut und wahre Vortrefflichkeit und Errungenschaft. BouguereauLord LeightonWaterhouseBurne-Jones und die anderen Giganten des 19. Jahrhunderts versuchten das, was an unserer Spezies gut und anständig ist, zu veranschaulichen. Ihre Errungenschaften sind wesentliche Höhepunkte von Jahrhunderten menschlicher Bemühungen um die und Entwicklungen in der Malerei. Sie sind die vielleicht größten Maler, welche die Geschichte jemals hervorgebracht hat. Auf Bouguereau trifft dies ganz besonders zu. Wie passend und auf traurige Weise offensichtlich, dass er von jenen als Oberschurke charakterisiert werden sollte, die zerstören wollen, statt aufzubauen – die das Chaos zelebrierten und die dem Künstler jegliche Fähigkeit nahmen, die er brauchte, um irgendetwas zu porträtieren.

Wenn sich ein intelligenter Mensch die Zeit nimmt, fortgeschrittene Mathematik und Physik, Computerwissenschaften oder Biogenetik zu verstehen, dann gibt es da etwas zu verstehen. Wenn Sie sich die Zeit nehmen, den abstrakten Expressionismus, Minimalismus, Chromatische Abstraktion, Pop-Art, etc. zu verstehen, dann werden Sie einen ausgefuchsten Schwindel entdecken, der von einer gerissenen Bande von PR-Experten veranstaltet wird, die eine großartige Taktik entwickelt haben, um Millionen zu scheffeln.

Die zugrundeliegende Philosophie ist vollkommen wertlos und läuft auf nichts weiter als einen Missbrauch der Sprache hinaus, der hinreichend komplex ist, um in den falschen Händen fast alles zu rechtfertigen. Wenn man ihre Ausführungen liest, was einen Rothko oder einen De Kooning oder ein Gemälde von Jackson Pollock großartig macht, dann stößt man auf ein Mysterium, das in ein Paradoxon eingebettet ist, das in ein Dilemma mündet. Konfrontiert mit verschlungenen Rhythmen unlogischen, chaotischen Denkens, das gewöhnlich von Individuen mit ausufernden Referenzen neben ihrem Namen geäußert wird, weicht der durchschnittliche Zuhörer für gewöhnlich kleinlaut zurück, weil ihm das Selbstvertrauen in sein Kunstverständnis ebenso fehlt, wie er von seiner Unfähigkeit, das alles zu verstehen, eingeschüchtert wird. Oder sie schützen sich selbst, indem sie vorgeben, alles gänzlich zu verstehen, sodass sie sich auch als Teil der Auserwählten fühlen dürfen. Der Effekt der „Prestige-Einflüsterung“ hat noch nie so klar beobachtet werden können. Viele von uns haben es bereits unzählige Male zuvor gesagt, aber es muss offenbar immer wieder gesagt werden.

DER KAISER IST NACKT!

Nur weil andere Fachgebiete vom Laien schwer zu verstehen sind, rechtfertigt das überhaupt nicht die Unverständlichkeit, den Irrsinn und die Falschheit des Großteils der modernen Kunst.

Möchten wir wirklich die Werke von Jackson Pollock, Mark Rothko und Willem de Kooning als Stellvertreter für das Beste, das die Menschheit hervorbringen kann, akzeptieren? Sie sind ein Schwindel. Und die Öffentlichkeit wurde viel zu lange der Farce des Modernismus ausgesetzt, welche die Museen und Institutionen der Zivilisation eingenommen hat und sie besetzt hält.

Wenn Sie in diesem Jahrhundert ein Musiker sind und Sie etwas in Ihrem Leben bewegt, dann können Sie ein mitreißendes Lied darüber schreiben. Sind Sie wegen Aids schockiert, angewidert vom Rassismus, empört wegen Regierungskorruption, ermutigt durch Beispiele menschlicher Freundlichkeit, erheitert wegen einer schönen Landschaft oder bezaubert von den Feinheiten menschlicher Beziehungen, dann können Sie schöne Möglichkeiten finden, dies auszudrücken, sofern Sie Ihr Medium beherrschen und eine Dichterseele besitzen. Wenn Sie ein Dichter oder ein Autor sind, dann können Sie innerhalb der Konventionen der Sprache unzählige Möglichkeiten finden, Ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken und Sie können sogar versuchen, die Menschen, die Ihre Arbeit lesen oder sie sich anhören, zum Handeln zu bewegen. Sie können Ihre Arbeit nutzen, um die Auffassungen der Menschen zu verändern und sogar die Welt.

Falls Sie jedoch ein moderner oder postmoderner Künstler sein sollten, dann wurde Ihnen jede denkbare Methode genommen, diese Gefühle und Ideen auszudrücken. Geschichten erzählen, Zeichnen, Illusion, Perspektive, Modellierung und die harmonische Verbindung von diesen mit Farbe, Ton und Gestaltung sind Ihnen untersagt. Gar nichts aus der realen Welt oder selbst aus Ihren Träumen ist erlaubt. Im späten 19. Jahrhundert wurde zunehmend erkannt, dass die größten Künstler keineswegs Verteidiger der Alten Ordnung waren, sondern dass man sie sich besser als liberale Aktivisten vorstellen kann, die sich sowohl für den Fortschritt unserer Kultur engagierten wie für die Behebung der Fehler unserer Gesellschaft. Sie haben unsere Herzen und unsere Gefühle angesprochen. Sie brachten zum Ausdruck: Das Gute und das Schlechte – die Schönheit des Lebens und das Leid der Obdachlosen – das Erbauliche an der Natur und die Herabwürdigung der Ausgestoßenen der Gesellschaft – die wunderbaren Himmelshöhen und die rauchenden Höllenfeuer. Die Gesamtheit der Ängste, Gefühle, Errungenschaften, Probleme, Geschichte, Literatur, Religion und Ambitionen waren fruchtbare Gegenstände, die man wählen konnte. Ein offenes Buch, dem man Gegenstände für die Komposition und für das Malen entnehmen konnte – und im Hintergrund eine Ausbildungstradition und ein institutionelles Netzwerk, um die größten künstlerischen Talente der Zeit zu finden, sie zu pflegen und zur Blüte reifen zu lassen.

Heute…

Die Rettung dieses reichhaltigen künstlerischen Erbes vor seiner beinahe vollkommenen Zerstörung war und bleibt eine monumentale Aufgabe, die eine Handvoll lebender Künstler übernommen hat. Über die letzten sechs Jahrzehnte haben sie und viele, die nun fort sind, händeringend, aber erfolgreich jenes Erbe für unsere Kinder und zukünftige Generationen geschützt, es erhalten und fortgesetzt.

Nach Jahrzehnten voller Spott und Nichtbeachtung hat sich die Lage endlich geändert. Während der letzten 20 Jahre hat sich eine enorme Wende ereignet in der Wahrnehmung des Realismus des 19. Jahrhunderts und begleitend des zeitgenössischen Realismus seitens Historikern, Museen, Galerien und Sammlern. In den letzten zehn Jahren hat sich das Schicksal dieser Künstler schnell zum Guten gekehrt und viele von ihnen erzielen ein solides Einkommen, wobei manche sogar für ein oder zwei Jahre ausgebucht sind.

Allan Banks, der aktuelle Präsident der „American Society of Classical Realism“, malte das Porträt des Kongressabgeordneten Hamilton Fish, Richard Whitney aus New Hampshire malte John Sununu und Jim Childs aus New York City malte die Kinder von Donald Trump. Stephen Gjertsen und Allan Banks wurden beide auf den Titelseiten des „American Artist Magazine“ abgebildet und waren die Gegenstände von Leitartikeln. Unser Maler Virgil Elliott wurde mit Leitartikeln über Technik im Magazin „Portrait Signature“ gewürdigt. Von Küste zu Küste wurden zahlreiche Museumsausstellungen mit ihren Werken eröffnet. Eine Vielzahl von Büchern und Artikeln wurde über sie geschrieben. Dutzende haben zahllose Auszeichnungen und Ehrentitel erhalten, während sie vor 25 Jahren nicht einmal zu den Wettbewerben zugelassen worden wären. Und ihre Werke sind in den Sammlungen von Dutzenden Museen überall im Land vertreten.

Lord Frederick Leighton (1830-1896): Winding the Skein. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

Lord Frederick Leighton (1830-1896): Winding the Skein. Mit freundlicher Genehmigung des ARC.

Die Kunstwelt benötigt eine lebendige, blühende, dynamische Künstlergemeinschaft, die jene 500 Jahre Wissen und Tradition würdigt, mit deren Hilfe wieder angemessene Maßstäbe und Sorgfalt in unseren Kunstschulen und Institutionen der künstlerischen Bildung etabliert werden können. Das ARC fördert eine wachsende Zahl von Ateliers, die nach dem Modell vorheriger Jahrhunderte modelliert wurden. Unser Ziel lautet, neue Generationen großartiger Kunst und Künstler hervorzubringen.

Die Traditionellen und Klassischen Realisten sehen keinen Widerspruch darin, den Impressionismus und die Akademische Kunst im selben Atemzug zu würdigen. Tatsächlich schließen sich die beiden Stile nicht gegenseitig aus. Die großen Meisterwerke von morgen werden universelle Themen oder zeitgenössische Gegenstände darstellen, indem sie impressionistische Techniken mit einer soliden Grundlage im Zeichnen, Modellieren, in der Komposition und Perspektive verbinden; die richtige Verbindung wird vom Künstler und dem spezifischen Thema, das behandelt wird, bestimmt.

Am Ende wird die Geschichte diese Künstler als das unverzichtbare Bindeglied zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert verstehen. Sie sind mutig gegen den Strom geschwommen. Es ist ein großes Privileg, dass ich gebeten wurde, dabei behilflich zu sein, diese essenzielle kulturelle Wende zurück zur Vernunft und vorwärts zu neuen und großartigeren Stufen der künstlerischen Errungenschaften des Menschen anzuführen.

Ich bitte alle, die mit der Bedeutung unserer Mission übereinstimmen, jetzt dem Art Renewal Center beizutreten. Mit einer aktiven und wachsenden Mitgliedschaft haben wir einen echten Einfluss und können wirklich etwas bewirken. Erneut muss die große Kunst lebender Meister in Weltklasse-Museen ausgestellt werden und ein talentiertes Kind muss in der Lage sein, ausgebildete, kluge und erfahrene Experten an unseren Schulen und Universitäten zu finden, von denen es ein solides Fundament auf Grundlage echten Wissens und echter Ausbildung erhalten kann – anstatt, dass man es unaufrichtig ermahnt, hinauszugehen und „sein eigenes Ding zu machen“.

Zum ersten Teil…

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