Epistemologie

Vernunft

„Man kann nicht gleichzeitig den Kuchen essen und ihn behalten.“

Die menschliche Vernunft ist vollständig dazu in der Lage, die Tatsachen der Realität zu erkennen. Vernunft, das konzeptuelle Vermögen, dient dazu, die durch die Sinne gewonnenen Materialien zu identifizieren und sie begrifflich in unser übriges Wissen zu integrieren. “Logik” heißt die Kunst der widerspruchsfreien Identifikation dieser Materialien. Die Vernunft ist die einzige Möglichkeit für den Menschen, Wissen zu erhalten.

Darum lehnt der Objektivismus die Mystik (jegliche Akzeptanz von Glauben oder Gefühlen als Erkenntnismethode) ab und er lehnt ebenso den Skeptizismus (die Behauptung, dass Sicherheit oder Wissen unmöglich seien) ab.

Differenzierung und Integration

Wissen: Begriffliche Integration von Tatsachen, basierend auf Wahrnehmung oder auf einem Denkprozess, der auf Wahrnehmung zurückgeführt werden kann.

Denken: Der Vorgang des Denkens ist der Vorgang, Identität zu definieren und kausale Verbindungen zu erkennen.

Begriffsbildung: Ein Begriff ist eine Integration von Einheiten auf Grundlage gemeinsamer Eigenschaften und Unterschiede zu anderen Einheiten.

Beispiel: Tische werden von anderen Objekten durch die Eigenschaft „Form“ unterschieden. Tische haben eine gemeinsame Form: Eine flache, ebene Oberfläche und eine Stütze / Stützen – im Unterschied zu anderen Objekten.

Der Gemeinsame Begriffliche Nenner

Der Gemeinsame Begriffliche Nenner (GBN) zweier oder mehrerer Entitäten ist die vergleichbare, gemeinsame Eigenschaft dieser Entitäten.

Beispiel: Tische und Stühle haben die vergleichbare, gemeinsame Eigenschaft der „Form“. Tische und rote Objekte haben die nicht vergleichbaren Eigenschaften von „Form“ und „Farbe“. Tische und Stühle kann man unter dem Begriff „Möbelstücke“ zusammenfassen – weil sie eine vergleichbare Eigenschaft (ihre Form) gemein haben.

Der GBN der Form erlaubt eine Differenzierung zwischen Stühlen und Tischen und eine Integrierung aller Tische zu einem einzelnen Begriff: „Tisch“.

Die Definition

Definition: Eine Definition ist eine Aussage, welche die Natur der Einheiten identifiziert, die zu einem Begriff zusammengefasst sind.

Beispiel: Ein Tisch ist ein Möbelstück, das aus einer flachen, ebenen Oberfläche und einer Stütze/Stützen besteht, das dazu dient, andere, kleinere Objekte zu stützen.

Eine Definition benennt essentielle Eigenschaften. Nicht alle Eigenschaften – die aber trotzdem vorhanden sind!

Beispiel: Der Mensch ist das rationale Tier. Der Mensch ist auch das Tier mit einem Daumen, aber das ist nicht essenziell!

Einheitenökonomie

Definition: Einheitenökonomie bedeutet, eine große Menge an Informationen auf eine minimale Anzahl von Einheiten zu reduzieren. Dazu dient die Begriffsbildung.

„Krähen-Epistemologie“: Der Mensch kann nur etwa 7 Einheiten direkt wahrnehmen, dann werden es „viele“, „eine Menge“, „unzählige“, etc.

Beispiel: „Früchte“ (nicht direkt wahrnehmbare Menge an Früchten) > „Apfel“ (könnte jeder mögliche Apfel sein von Milliarden von Äpfeln)

Schlussfolgerung: Der Mensch kann eine unbegrenzte Menge an Wissen erwerben!

Kontext und Hierarchie

Logik: Die Kunst der widerspruchsfreien Identifikation der Realität.

Kontext: Bestimmt die Beziehung eines Gegenstands zur Realität, also seine Bedeutung und korrekte Verwendung. Kontext muss immer genannt werden. Aussagen ohne Kontext ungültig, da ihre Verbindung zur Realität gekappt wurde. Gewissheit ist kontextuell!

Hierarchie: Wissen ist hierarchisch. Sinnesempfindung > Wahrnehmung > konkretere Begriffe > abstraktere Begriffe > Aussagen (Induktion) > Schlussfolgerungen aus bekanntem Wissen (Deduktion) > Reduktion (dasselbe umgekehrt)

Rands Skalpell: Benennen Sie Ihre Prämissen (oder bestenfalls ihre nicht reduzierbaren Axiome)

Theorie-Praxis-Dichotomie: Wird vom Objektivismus durch Überbrücken von Begriffen und Wahrnehmungen aufgelöst.

Schlussfolgerung: Theorie ist praktisch.

Vernunft und Gefühl

Vernunft: Die Fähigkeit, das von den menschlichen Sinnen gelieferte Material zu identifizieren und zu integrieren.

Emotion: Bewusstseinszustand, der durch Wahrnehmung, Identifikation, Bewertung und Reaktion ausgelöst wird. Identifikation und Bewertung häufig unbewusst.

Emotionen resultieren aus Bewertungen eines Objekts als gut oder schlecht.

Emotionen sind unbewusste Einschätzungen dessen, was die Werte eines Menschen befördert und was sie bedroht. Sie werden entweder bewusst als Ergebnis rationaler Integration von Erfahrungen erzeugt oder durch Zufall, wenn Menschen einfach Ideen akzeptieren, die sie irgendwo hören; vgl. hierzu Ayn Rands Ausführungen.

Wer also feststellt: “Vernunft ist nicht alles!” und verweist damit auf Gefühle, der sagt eigentlich aus: Ich möchte meinen Verstand nicht gebrauchen, um einzuschätzen, was meine Werte befördert und was ihnen schadet. Ich möchte mittels Zufall irgendwo Ideen aus meiner Kultur aufsaugen, die für mich entscheiden sollen, was ich zu fühlen habe. Es ist die Frage einer Person, die zu faul ist, selbstbestimmt zu denken und somit die Frage einer unaufgeklärten Person (siehe Kant).

Konflikt: Erfordert Identifizierung und Analyse der eigenen Gedanken > widerspruchsfreie Integration.

Vernunft kommt vor Emotion (Vorrang der Existenz vor dem Bewusstsein!).

Schlussfolgerung: Emotionen sind das Resultat von Ideen. Vernunft im Denken und Handeln führt zu emotionalem Wohlbefinden.

Das Willkürliche

1. Wer eine positive Behauptung aufstellt (z.B. es gibt den Yeti, Bigfoot, Gott, Marsmenschen), der muss sie beweisen.

2. Man sollte nie versuchen, eine negative Behauptung zu beweisen („Beweisen Sie, dass es keinen Gott gibt“).

> Eine Behauptung sollte auf Fakten beruhen, nicht auf der Abwesenheit von Fakten.

3. Eine willkürliche Behauptung ist eine, für die es keine Beweise gibt, weder auf Wahrnehmungs- noch auf begrifflicher (deduktiver) Ebene. Man kann also nicht beurteilen, ob sie mit der Realität übereinstimmt (wahr) oder ihr widerspricht (falsch).

> Willkürliche Behauptungen ohne Erwägung oder Diskussion abweisen! Sich damit zu befassen zerstört die Vernunft.

Schlussfolgerung: Willkürliche Behauptungen sind keiner Beachtung würdig.

Siehe auch: Attila und der Schamane. Eine objektivistische Philosophiegeschichte

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