Metaphysik

Objektive Realität

„Um die Natur beherrschen zu können, muss man ihr gehorchen.“

Realität, die externe Welt, existiert unabhängig vom menschlichen Bewusstsein, unabhängig von Wissen, Glauben, Gefühlen, Wünschen oder Ängsten irgendeines Beobachters. Das bedeutet A = A, Fakten sind Fakten, die Dinge sind, wie sie sind – und die Aufgabe des menschlichen Bewusstseins ist die Erkenntnis der Realität, nicht ihre Erschaffung oder Erfindung. Darum lehnt der Objektivismus jeglichen Glauben an Übernatürliches ab – und jede Behauptung, dass Individuen oder Gruppen ihre eigene Realität erschaffen könnten.

Grundbegriffe

Existierendes – etwas, das es gibt – existiert in bestimmten grundlegenden Kategorien, die nicht aufeinander reduziert werden können.

Die grundlegendste Kategorie sind Entitäten. Entitäten sind Existierendes, das es unabhängig von anderem Existierenden gibt. Ein Blatt Papier ist eine Entität. Ebenso ein Marienkäfer, ein Stein, ein Fernseher, ein Auto, ein Haus.

Es gibt auch Existierendes aus anderen Kategorien als die Entitäten: Attribute von Entitäten (Form, Größe, Farbe, Gewicht, etc.) und Beziehungen zwischen Entitäten (vor, hinter, größer, kleiner, etc.).

Übersicht

Existierendes: Kategorien.

Kategorien:

a) Entitäten,

b) Attribute (= Eigenschaften) von Entitäten,

c) Relationen (= Beziehungen) zwischen Entitäten.

Ein Attribut ist kein Bestandteil einer Entität, der unabhängig von dieser existieren könnte. Entitäten sind untrennbar mit ihren Attributen verbunden. Ein Autoreifen ist kein Attribut eines Autos. Ein Tischbein ist kein Attribut eines Tisches. Der Autoreifen und das Tischbein sind selbst Entitäten. Wir können ein Tischbein von einem Tisch entfernen und einen Reifen vom Auto. Wir können allerdings nicht die Form und Größe von einer Entität entfernen. Wir können nicht die Form oder die Farbe eines Tisches von ihm entfernen oder die Größe und das Gewicht von einem Auto. Darum sind Form, Größe, Farbe, Gewicht Attribute. Sie existieren wirklich, aber sie gehören untrennbar zu einer bestimmten Entität.

Natürlich können wir die Attribute verändern, beispielsweise einem Auto eine neue, grüne Lackierung verpassen. Aber die Attribute gehören stets zu Entitäten: Ein Auto hat eine Farbe, etwa die Farbe “grün”. “Grün” hat sich nicht selbst. Es gibt kein “grün” ohne etwas, das grün ist. Es gibt keine Größe ohne etwas, das eine Größe hat. Es gibt keine Form ohne etwas, das eine Form hat. Ein Ahornblatt hat eine grüne Farbe. Eine grüne Farbe im allgemeinen Sinne – also ohne eine bestimmte Entität, die grün wäre – existiert nicht.

Beziehungen existieren zwischen Entitäten. Ein Buch liegt auf dem Tisch, ein Rad ist am Auto angebracht und ein Reifen am Rad. Eine Katze steht vor meinem Haus, ein Hund liegt auf dem Nachbargrundstück und bellt sie an.

Handlungen und Geschehnisse haben eine eigene Identität. Handlungen und Geschehnisse gehören allerdings stets zu einer bestimmten Entität. Ein Sänger (Entität) singt (Handlung), er übt die Handlung des Singens aus. Ein Rad dreht sich, ihm ist das Geschehnis des Drehens zugeordnet. Das Drehen hat die Identität “kreisförmige Bewegung”.

Auch Elementarpartikel sind Entitäten. Sie haben Attribute, sie lösen Geschehnisse aus und sie stehen in bestimmten Beziehungen zu anderen Entitäten. Elementarpartikel sind also Entitäten mit einer bestimmten Identität.

Metaphysische Axiome

Immanuel Kant zählte einige der metaphysischen Axiome zu den „Kategorien“, die im menschlichen Geist eingebaut sind und dort die Wahrnehmung der Realität beeinflussen. Für Kant weicht die so wahrgenommene „phänomenale“ Welt von der eigentlichen Realität, der „noumenalen“ Realität ab, für die es aber keine Belege gebe. Für den Objektivismus gibt es nur eine Realität, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen und die wir mit unserem Verstand (manchmal falsch) interpretieren. Auch die Axiome beruhen auf Erfahrung und sind nicht im Geist eingebaut, so wie alles Wissen auf Erfahrung beruht. Nur sind die Axiome im Gegensatz zum übrigen Wissen unmittelbar erkennbar; entweder durch Beobachtung oder durch Introspektion („innere Beobachtung“):

Existenz: Die Existenz existiert.

Die Welt ist real; es gibt sie wirklich, unabhängig von unseren subjektiven Vorstellungen.

Identität: Die Dinge sind, wie sie sind.

Ein Ding ist, was es ist. A = A.

Etwas kann nicht zugleich A und Nicht-A sein.

Ein Ding muss entweder A oder Nicht-A sein.

Bewusstsein: Und du weißt es.

Die Welt ist mittels bewusster Wahrnehmung erfahrbar.

Jeder Versuch, diese drei Grundaxiome zu widerlegen, erfordert die implizite Akzeptanz aller drei Grundaxiome.

Man könnte auch noch die Kausalität und die Willensfreiheit zu den objektivistischen Axiomen zählen.

Zusammenfassung

Es gibt (Existenz) etwas (Identität), das mir bewusst ist (Bewusstsein) und es handelt seiner Natur gemäß (Kausalität).

Die Axiome im Detail

Ayn Rand über die metaphysischen Axiome:

“Ein axiomatisches Konzept ist die Identifikation einer grundlegenden Tatsache der Realität, die nicht analysiert, d.h. in andere Tatsachen oder Bestandteile aufgebrochen werden kann. Es ist in allen Tatsachen und in allem Wissen implizit.”

“Da sich axiomatische Konzepte auf Tatsachen der Realität beziehen und keine Angelegenheit des ‘Glaubens’ sind oder von der beliebigen Wahl des Menschen, gibt es eine Möglichkeit, um sich zu vergewissern, ob ein bestimmtes Konzept axiomatisch ist oder nicht: Man vergewissert sich, indem man die Tatsache beobachtet, dass man einem axiomatischen Konzept nicht ausweichen kann, dass es implizit in allem Wissen ist, dass es sogar bei jedem Versuch, es zu widerlegen, vorausgesetzt werden muss.”

“Es lohnt sich an dieser Stelle, festzustellen, was die Feinde der Vernunft zu wissen scheinen, aber ihre angeblichen Verteidiger noch nicht herausgefunden haben; nämlich die Tatsache, dass axiomatische Konzepte die Beschützer des menschlichen Verstandes sind und das Fundament der Vernunft – der Grundpfeiler, der Prüfstein und das Gütesiegel der Vernunft – und falls die Vernunft zerstört werden soll, so sind es axiomatische Konzepte, die zerstört werden müssen.”

1. Existenz

1. Die Existenz existiert. Mit anderen Worten: Es gibt etwas im Gegensatz zu nichts.

Alles, was war, was ist und was sein wird, ist im Existenzaxiom angelegt.

Was das ist, das es gibt, wird an dieser Stelle noch nicht definiert. Dieses Axiom besagt lediglich, dass etwas, das wir wahrnehmen, wirklich “da ist”, um von uns wahrgenommen zu werden.

“Nichts” ist stets relativ. Wenn “nichts” im Kühlschrank ist, dann bedeutet das, es ist nichts im Kühlschrank außer dem Raum, der Luft, den Fächern und wahrscheinlich allerlei Nahrungsmitteln, die du nicht essen möchtest. Es ist nicht wirklich “nichts” im Kühlschrank. Selbst das Vakuum im Weltall “ist etwas”, was auch immer es sein mag (dies wird von den Naturwissenschaftlern näher bestimmt).

2. Identität

Identität: Wenn etwas existiert (Existenzaxiom), dann existiert ETWAS (Identitätsaxiom). Etwas ist das, was es ist. Mit anderen Worten: Die Dinge sind etwas Bestimmtes – im Gegensatz zu etwas Nebulösem, nicht Definierbarem, ursachelos Wandelbarem.

Allgemein sagt man, dass jedes Etwas, jede Entität, eine spezifische Natur habe – womit die Natur einer Sache ein Attribut seiner Substanz wäre. Ein Mensch habe beispielsweise eine menschliche Natur. Laut dem Objektivismus ist ein Ding hingegen seine Natur. Der Mensch ist das, was seine Natur auszeichnet. Er ist die Summe seiner Eigenschaften, seiner Attribute.

Das Identitätsaxiom erkennt die Tatsache an, dass etwas, das existiert, dies auf eine bestimmte Art und Weise tut. Etwas zu sein, bedeutet, dass man etwas Spezifisches und Bestimmtes ist. Die Realität ist weder ungenau, noch widersprüchlich.

Wir glauben nicht, dass sich jemand in einen Hamster verwandeln oder einen Basilisken mit einem magischen Schwert erschlagen kann, weil wir vom Identitätsaxiom ausgehen: Ein Mensch ist ein Mensch und kein Hamster. Ein Schwert kann nicht aus dem Nichts erscheinen, wann immer es ein Gryffindor braucht. Eine Schlange kann nicht so groß wie ein Haus sein und mit einem menschenartigen Verständnis in der Schlangensprache “Parsel” sprechen.

Das Identitätsaxiom ist mehr oder weniger identisch mit dem „Satz der Identität“ von Gottfried Wilhelm Leibniz, der als Grundlage der Logik anerkannt wird; oder wurde – bevor sich die moderne, nebulöse, widersprüchliche Logik durchsetzte – siehe Fuzzylogik und nicht-klassische Logiken. Logik ist die Kunst der widerspruchsfreien Identifikation der Realität. Jede Logik, die nicht die Realität beschreibt, ist ein überflüssiges Hirngespinst, das die Vernunft zerstört.

Es ist möglich, das Identitätsaxiom mit den fundamentalen Logikgesetzen auszudrücken:

1. Satz der Identität: A ist A.

2. Satz vom Widerspruch: Etwas kann nicht zugleich A und Nicht-A sein.

3. Satz vom ausgeschlossenen Dritten: Etwas muss entweder A oder Nicht-A sein.

3. Bewusstsein

a) Was kommt zuerst?

Leonard Peikoff ordnet das Bewusstsein zwar nach der Existenz, aber vor der Identität ein. Dies ist allerdings eher eine epistemologische, denn eine metaphysische Annahme: Bevor wir wahrnehmen, dass etwas etwas Bestimmtes ist, stellen wir fest, dass wir überhaupt etwas wahrnehmen. Man könnte auch argumentieren, dass wir uns über die Identität des Bewusstseins erst im Klaren sein können, sobald wir uns über die Identität überhaupt im Klaren sind. Uns ist also erst klar, dass wir etwas Bestimmtes wahrnehmen, sobald wir realisieren, dass unser Bewusstsein eine bestimmte Natur hat – nämlich als das Vermögen, das, was existiert, wahrzunehmen. „Tatsächlich“, in der Realität, haben die Entitäten allerdings eine bestimmte Identität – ganz egal, ob sich dessen jemand bewusst ist oder nicht. Also widerspreche ich hier Peikoff und bleibe bei der „klassischen“ Hierarchie: Existenz, Identität, Bewusstsein.

Immanuel Kant war der Meinung, dass man das Bewusstsein in der philosophischen Hierarchie nicht nur vor der Identität einordnen solle, sondern vor der Existenz. Ohne dass es etwas geben müsste, seien wir uns “bewusst”. Aber worüber sind wir uns denn bewusst, wenn es nichts gibt oder wenn es nichts geben muss, was uns bewusst ist? Was ist eigentlich das Bewusstsein, wenn wir nichts voraussetzen müssen, über das wir uns bewusst sind? Descartes war derselben Meinung wie Kant, als er schrieb “Ich denke, also bin ich” – das bedeutet, dass unser Bewusstsein (“denke”) die Voraussetzung unserer Existenz sei (“bin ich”).

Objektivisten hingegen sagen: „Ich bin, also denke ich!“

Ayn Rand widersprach der idealistischen Auffassung: “Falls nichts existiert, dann kann es kein Bewusstsein geben. Ein Bewusstsein, dass sich über nichts als sich selbst bewusst ist, ist ein Widerspruch in sich: Bevor es sich selbst als Bewusstsein identifizieren konnte, musste es sich über etwas bewusst sein. Falls das, was du wahrzunehmen behauptest, nicht existiert, dann ist das, was du besitzt, kein Bewusstsein.”

Es gibt also kein Bewusstsein ohne etwas, das wir wahrnehmen. Auch unsere Träume, die Descartes als Gegenargument anführte, bestehen aus Gegenständen, die wir zuvor wahrgenommen haben. Verschiedene Personen, Objekte, Geräusche, die wir im Wachzustand bewusst mit unseren Sinnen wahrnehmen, werden in unseren Träumen verarbeitet; in der Regel auf unsinnige Weise. Wir träumen von Fahrstühlen, von Elefanten, von unserer Lieblingsmusik, aber wir träumen niemals vom “Bewusstsein”. Es ist unmöglich, sich das “Bewusstsein” als solches vorzustellen.

b) Was also ist das Bewusstsein?

“Das Bewusstsein ist das Vermögen, aufmerksam zu sein; das Vermögen, das wahrzunehmen, was existiert.“

Aufmerksamkeit ist kein passiver Zustand, sondern ein aktiver Vorgang. Auf den niederen Ebenen der Aufmerksamkeit ist ein komplexer neurologischer Vorgang notwendig, der den Menschen in die Lage versetzt, eine Sinnesempfindung zu erleben und Sinnesempfindungen in Wahrnehmungen zu integrieren; dieser Vorgang ist automatisch und unfreiwillig: Der Mensch ist sich über die Ergebnisse bewusst, aber nicht über den Vorgang selbst. Auf der höheren, begrifflichen Ebene ist der Vorgang psychologisch, bewusst und freiwillig. In jedem der Fälle wird die Aufmerksamkeit durch ständige Aktivität erzeugt und aufrechterhalten.

Jedes Bewusstseinsphänomen ist direkt oder indirekt vom eigenen Gewahrsein der externen Welt abgeleitet. Irgendein Objekt, das heißt irgendein Inhalt, hat einen Anteil an jeder Ebene des Gewahrseins. Extrospektion ist ein nach außen gerichteter Erkenntnisvorgang – ein Vorgang des Verstehens von irgendwelchen Gegenständen der externen Welt. Introspektion ist ein Erkenntnisvorgang, der nach Innen gerichtet ist – ein Vorgang des Erfassens der eigenen psychologischen Aktivitäten in Hinblick auf bestimmte Gegenstände der externen Welt, solche Aktivitäten wie Denken, Fühlen, in Erinnerungen schwelgen.

Eine Sinnesempfindung ist die einfachste, nicht reduzierbare Form des Gewahrseins. Sie wird erzeugt, indem ein Stimulus auf ein Sinnesorgan einwirkt – Licht auf die Netzhaut im Auge, Druck auf die Haut, Schallwellen auf das Trommelfell. Eine Wahrnehmung ist die interne Repräsentation des Gehirns von externen Entitäten – wenn wir ein rotes Auto sehen, dann ist das keine bloße Sinnesempfindung, sondern es ist eine Repräsentation (“Modell” wird das inzwischen von Bewusstseinsphilosophen genannt, aber es ist kein Modell, sondern die Wahrnehmung der Realität auf eine bestimmte Weise) von etwas, das es wirklich da draußen gibt. Bienen nehmen Blüten anders wahr (ultraviolett), als wir, aber das bedeutet nicht, dass das, was wir beide wahrnehmen, nicht existieren würde. Irgendwie muss man die Realität schließlich wahrnehmen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob eine bestimmte Art des Bewusstseins angeboren ist oder ob es beliebig geformt werden kann. Könnte das menschliche Bewusstsein auch dann noch funktionieren, wenn man es überzeugt, dass A = B ist? Oder dass 2 + 2 = 5 ist (dieses häufig gebrauchte Beispiel stammt übrigens aus George Orwells Dystopie 1984, in der es dazu dient, den Verstand der Hauptfigur Winston Smith zu zerstören und ihn zu einem gefügigen Sklaven des totalitären Staates zu machen)?

Ayn Rand schließt sich in dieser Hinsicht John Locke an:

“Das, was unser Verständnis mit allen Materialien des Denkens ausstattet, ist unsere Beobachtung entweder von externen wahrnehmbaren Objekten oder von internen Operationen unseres Geistes, die wir wahrnehmen und über die wir reflektieren.” (An Essay Concerning Human Understanding, Book II).

Rand war der Ansicht, dass unser Bewusstsein keineswegs wie Knetmasse geformt werden könne:

“Tatsache ist, dass das menschliche Bewusstsein eine bestimmte Natur mit bestimmten kognitiven Bedürfnissen besitzt, dass es nicht unendlich formbar ist und nicht wie ein Stück Kitt verdreht werden kann, um jedweden persönlichen Ausflüchten oder jeglichen öffentlichen “Konditionierungen” zu entsprechen.”

Mit den “Konditionierungen” bezieht sich Rand auf den Behavioristen und Sozialdesigner B.F. Skinner, zu dessen Kritikern sie gehörte. Skinner glaubte, das menschliche Verhalten sei auf Reiz-Reaktions-Schemata reduzierbar. Das Innenleben des Menschen sei im Grunde nur “verborgenes Verhalten”.

Tatsächlich ist das Innenleben weit mehr als verborgenes Verhalten und wir können es mittels Introspektion erforschen.

4. Kausalität

Kausalität ist das Prinzip, dass Entitäten ihrer Natur gemäß handeln. Sie ist kein Axiom, sondern eine beobachtbare, universelle Tatsache.

Handlungen gehören zur Identität der Entität, von der sie ausgehen. Eine Eule schuhut – die Handlung des Schuhuhens gehört zur Identität der Eule. Es zeichnet die Eule aus, dass sie unter bestimmten Umständen schuhut. Das Schuhuhen selbst hat auch eine Identität als Geräusch, das wie “schuhu” klingt, doch ist das Schuhuhen etwas, das Eulen zugeordnet ist.

Das Kausalitätsgesetz besagt, dass jede Handlung auf den zugrundeliegenden Attributen einer Entität beruht; wie auf ihrer Masse, ihrer materiellen Zusammensetzung und ihrer internen Struktur. Ein Rad (Entität) kann sich drehen, weil es so gefertigt wurde, dass es sich drehen kann. Es hängt an einer Achse (Relation), es ist rund (Attribut). Derweil ist ein Hamster so beschaffen, dass er in einem Rad herumlaufen und so das Rad zum Drehen bringen kann. Ein Hamster ist ein Säugetier, das Handlungen auslösen kann, zu denen das Laufen in einem Rad gehört. Das ist seine Identität – wobei sich natürlich noch viel mehr über die Identität eines Hamsters aussagen lässt.

Kausalität hat also etwas mit den Beziehungen zwischen der Natur von Entitäten und ihren Handlungen zu tun. Dies ist die Auffassung von Aristoteles. Das Gegenstück zu dieser Auffassung ist jene des skeptischen Philosophen David Hume, welcher der Meinung war, Kausalität habe etwas zu tun mit einer Beziehung zwischen Geschehnissen. Eine Billardkugel stößt eine andere Kugel an. Das Geschehnis des Anstoßens löse Hume zufolge das Geschehnis des Abprallens der anderen Kugel aus. Kausalität meint laut Hume also, dass Geschehnisse andere Geschehnisse auslösen. Er erklärte daraufhin die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung zu einer, die wir uns einbilden könnten und es sei nicht garantiert, dass Kausalität morgen noch gelte – dass die Sonne morgen noch aufgehe.

Der aristotelischen und objektivistischen Auffassung zufolge sind es allerdings die Entitäten, von denen Geschehnisse ausgehen. Nicht das Geschehnis – der Aufprall einer Kugel auf eine andere – tut etwas (Hume), sondern die Entitäten – die Billardkugeln – tun etwas (Aristoteles). Nicht der Aufprall ist die Ursache des Aufpralls, sondern die Kugeln sind die Ursache des Aufpralls. Die Billardkugeln reagieren darum auf ihre bestimmte Art auf Zusammenstöße mit anderen Kugeln, weil sie solide und kugelförmig sind (Attribute, die zur Identität der Kugeln gehören). Wenn hingegen flüssiges Wachs auf eine Billardkugel tropft, so stößt das Wachs die Kugel nicht auf eine andere, sondern das Wachs breitet sich auf der Oberfläche der Kugel aus und wird hart.

Ein Geschehnis (und eine Handlung) ist also kein kausaler Akteur, sondern eine Zeitspanne, innerhalb derer Entitäten handeln.

Geschehnisse sind die Auswirkungen von Entitäten und nicht die Auswirkungen von abstrakten Konzepten dieser Auswirkungen – wie die Naturgesetze. Die Naturgesetze tun nichts. Sie beschreiben lediglich die kausalen Eigenschaften von Entitäten. Die Entitäten selbst tun etwas. Wenn eine Billardkugel auf den Boden fällt, so ist es nicht das Gravitationsgesetz, das sie nach unten zieht, sondern es ist die Erdanziehungskraft, die Gravitation selbst.

Willensfreiheit

Willensfreiheit: Selbst-erzeugte Bewegung im Bereich der Kognition. Die Wahl zu denken oder nicht zu denken. Die freie Wahl ist eine Erscheinungsform der Kausalität.

Kausalität: Entitäten handeln ihrer Natur gemäß – und die Willensfreiheit gehört zur menschlichen Natur.

Determinismus: Alles ist von vorherigen Ursachen bestimmt. Der Objektivismus postuliert ein universelles Kausalitätsgesetz und lehnt den Determinismus ab.

Ein Determinist vertritt laut dem Determinismus automatisch den Determinismus. Andere wären determiniert, an die Willensfreiheit zu glauben. Laut dem Determinismus wäre kein Beweis möglich. Die Objektivität wäre aufgehoben.

Ohne Willensfreiheit wäre Ethik überflüssig. Wenn Menschen handeln, wie sie handeln müssen, dann müssen die Menschen alles blind akzeptieren, auch menschliches Denken und Handeln.

Das politische System, das auf deterministischer Grundlage beruht, ist die totalitäre Diktatur. Siehe Marxismus (Ökonomische Basis bestimmt den philosophischen Überbau) und Nationalsozialismus (Menschliche Persönlichkeit und Handlungen determiniert durch Rassenzugehörigkeit).

Siehe hierzu: Harry Binswanger: The Refutation of Determinism

Schlussfolgerung

Wir sind frei, die Willensfreiheit zu leugnen oder sie zu akzeptieren.

Introspektion ist eine legitime Erkenntnisquelle.

Axiom: Der Wille ist frei.

Vorrang der Existenz

1. Kein Schöpfer

Existenz benötigt kein Schöpfer-Bewusstsein (Gott).

Existenz kommt vor dem Bewusstsein. Etwas muss existieren, bevor es das, was existiert, bewusst wahrnehmen kann. Es ist logisch unmöglich, dass ein Bewusstsein die Existenz hervorbringt (das Gott die Welt geschaffen hat). Wissenschaftliche Erkenntnisse sind überflüssig, um diesen Sachverhalt aufzuzeigen.

Siehe auch: Die Existenz und der Urknall

2. Keine individuelle Magie

Gedanken (Bewusstsein) verändern nicht die Naturgesetze.

Zuerst sind die Naturgesetze da und bringen dann ein Bewusstsein hervor, das sie erkennen kann. Ein Bewusstsein bringt nicht die Naturgesetze hervor.

Die Existenz existiert unabhängig von einem individuellen Bewusstsein.

3. Keine kulturelle Magie

Die Existenz existiert unabhängig von den Vorstellungen von einer Gruppe von Menschen, unabhängig von einem „kulturellen Bewusstsein“.

Kulturen erschaffen nicht ihre eigene Realität.

Schlussfolgerung

Das metaphysisch Gegebene ist absolut. Seine Bestandteile sind ungeschaffen und ewig, seine Gesetze unverletzlich.

„Um die Natur zu beherrschen, muss man ihr gehorchen.“ (Francis Bacon)

Die Uniformität der Natur

Wenn Handlungen von der Natur der handelnden Entitäten bestimmt werden, so können wir von den Handlungen einer Entität auf die Handlungen jener mit derselben Natur schließen.

Dieselbe oder eine genau gleiche Entität wird also unter denselben Umständen auf dieselbe Art handeln.

Induktion, also die Folgerung allgemeiner Gesetze aus Einzelbeobachtungen, ist nur dann möglich, wenn alles, was hier bislang ausgeführt wurde, zutrifft. Wenn Entitäten nicht ihrer Natur gemäß handelten, so wären aus dem Verhalten einiger Entitäten einer bestimmten Art keine Schlussfolgerungen auf das Verhalten anderer Entitäten derselben Art möglich. Wir wüssten niemals, ob eine Billardkugel der identischen Form und mit dem identischen Gewicht wie eine andere Billardkugel sich ebenso verhalten würde wie diese oder wie etwas vollkommen anderes.

Wäre die Kausalität im Sinne des Objektivismus (und im Sinne von Aristoteles) inkorrekt, so könnte sich eine Billardkugel morgen ebenso verhalten wie ein Huhn. Eine Billardkugel könnte morgen vielleicht im Sand scharen und Eier legen. Laut Hume sei es lediglich unsere bisherige Erfahrung, dass sich die Dinge so verhalten, wie wir das kennen. Sie könnten sich Tags darauf ganz anders verhalten.

Induktion ist unentbehrlich für die Wissenschaften. Forscher können nicht jeden Tropfen Wasser auf dem Planeten auf die Frage überprüfen, bei welcher Temperatur er kocht, also wo sich der Siedepunkt von Wasser befindet. Sie überprüfen eine bestimmte Menge Wasser und dann schlussfolgern sie, dass Wasser das Attribut besitzt: Siedepunkt 100° Celcius bei einem bestimmten Atmosphärendruck, wie er auf dem Großteil des Erdballs vorherrscht. Mittels Induktion können wir schlussfolgern, dass Wasser generell unter denselben Umständen bei derselben Temperatur kocht. Ohne Induktion wüssten wir nur so viel wie ein Tier oder wie David Hume; nämlich ausschließlich das, was wir gerade beobachten.

Kausalität versus Determinismus

Der Determinismus geht davon aus, dass Geschehnisse aus anderen Geschehnissen hervorgehen und folgt daher Humes Auffassung. Einige Geschehnisse mögen in der Tat aus vorangehenden Bedingungen notwendig hervorgehen, aber andere tun das vielleicht nicht. Grundsätzlich gehen Geschehnisse nicht aus anderen Geschehnissen hervor, sondern sie gehen aus den Naturen der handelnden Entitäten hervor. Inwiefern Umweltfaktoren von Bedeutung sind, hängt von den Identitäten der jeweiligen Entitäten ab.

Beispielsweise ist von den Muskeln und der Haut der Dinosaurier nichts mehr übrig. Die Identitäten von Muskeln und Haut schließen keine Attribute ein, die zu einer Haltbarkeit führen würden, die mit der von Knochen vergleichbar wäre. Anders ausgedrückt verwesen Muskeln und Haut, während Knochen die Jahrtausende und Jahrmillionen besser überstehen – insbesondere wenn sie versteinern. Und dies liegt an ihrer jeweiligen Natur.

Billardkugeln bewegen sich auf eine Weise, die genau von den Aufschlägen auf sie abhängt. Der Impuls der auftreffenden Kugel wird erhalten und an die getroffene Kugel weitergeleitet (abzüglich Reibung, Luftwiderstand). Lebewesen können im Gegensatz zur unbelebten Natur selbst Handlungen auslösen. Ein Stein liegt nur herum, aber eine Pflanze wächst und nimmt Nährstoffe aus der Luft und aus dem Boden auf. Bei Tieren, die über ein Bewusstsein verfügen, kommt ihr Bewusstsein der Umgebung und ihr Bewusstsein ihrer Bedürfnisse hinzu. Menschen schließlich sind sich ihrer selbst und ihrer geistigen Vorgänge bewusst. Es gehört zu ihrer Natur, darüber reflektieren zu können, welche ihrer Bedürfnisse gegenüber anderen Vorrang haben und wie sie diese erfüllen können.

Menschliche Entscheidungen werden vom eigenen Willen ausgelöst, der eine Wahl zwischen verschiedenen Alternativen trifft. Menschen handeln somit ihrer Natur gemäß, wie alles andere seiner Natur gemäß handelt. Das Attribut “Willensfreiheit” gehört zur Identität des Menschen.

Idealismus versus Materialismus

1. Idealismus: Der Mystizismus des Geistes

Idealistische Denker wie Plato, Augustinus und Hegel hielten die Realität für eine spirituelle Dimension, die über die natürliche Welt hinausgeht und welche die natürliche Welt kontrolliert. Die natürliche Welt wird von idealistischen Denkern als mangelhaft und unwirklich angesehen.

2. Materialismus: Der Mystizismus des Muskels

Materialistische Denker wie Demokrit, Hobbes und Marx halten das menschliche Bewusstsein für eine Illusion. Heute wird es von Materialisten häufig als weitgehend vernachlässigbares Nebenprodukt des Gehirns /der natürlichen Selektion bezeichnet.

Der Materialismus impliziert, dass der Körper ohne Geist auskommt – Existenz ohne Bewusstsein.

Materialisten leugnen also metaphysische Axiome, was zu Selbstwidersprüchen führt. Woher weiß ich, dass die Existenz existiert, wenn ich sie nicht wahrnehme?

Materialisten sind ferner der Auffassung, das Bewusstsein sei unnatürlich, da es nicht durch Extrospektion erkennbar ist. Es hat keine Form, Farbe, keinen Geruch und kann nicht gewogen oder in ein Reagenzglas gesteckt werden. Man erkennt das Bewusstsein also nicht mit den Methoden der Naturwissenschaften.

Man könnte ebenso sagen, dass die Nase irreal ist, da man sie nicht durch Introspektion erkennen kann und da sie nicht über sich selbst nachdenken oder sich verlieben kann.

Wie der Idealismus den Körper leugnet, so leugnet der Materialismus den Geist. Wie der Idealismus die Extrospektion als Erkenntnismethode ablehnt, so lehnt der Materialismus die Introspektion ab.

3. Objektivismus

Objektivisten sind der Auffassung, dass Geist und Körper beide existieren – sie gehören gleichermaßen zur natürlichen Welt. Sowohl Extrospektion als auch Introspektion sind legitime Erkenntnismethoden.

Das Bewusstsein ist eine Eigenschaft (Attribut) bestimmter Lebensformen. Der Mensch hat ein „voluntaristisches Bewusstsein“, also Willensfreiheit.

Das Bewusstsein ist direkt durch Introspektion beobachtbar. Das bedeutet, man kann an sich selbst nachvollziehen, wie man bewusste Entscheidungen trifft, wie man denkt, wie die eigenen Gefühle entstehen und so weiter.

Die Funktion des Bewusstseins ist die Erkenntnis der Tatsachen der Realität zum Überleben. Zu den Tatsachen der Realität gehört die externe Welt, die wir mit unseren Sinnen beobachten – aber zu den Tatsachen der Realität gehört auch, wie es das Orakel von Delphi ausdrückte: Erkenne dich selbst.

Die Verlässlichkeit der Sinne

Bewusstsein ist das Vermögen, das, was existiert, wahrzunehmen – mit den Sinnesorganen. Das Bewusstseinsaxiom impliziert also verlässliche Sinne.

Funktionsweise der Wahrnehmung:

1. Ein Stimulus trifft auf ein Sinnesorgan (z.B. Licht auf das Auge) = Sinnesempfindung. Dieser Vorgang läuft automatisch ab.

2. Eine Sinnesempfindung wird bewusst = Wahrnehmung. Dieser Vorgang läuft ebenso automatisch ab.

3. Fokussieren des Bewusstseins. Dieser Vorgang ist die erste freie Entscheidung des Menschen.

Aufmerksamkeit, ein fokussiertes Bewusstsein, ist die Voraussetzung für das Denken.

Ein Beweis ist die Rückführung einer Idee zu den Sinnesdaten. Die Sinnesdaten selbst können nicht bewiesen, sondern müssen vorausgesetzt werden. Sind die Sinne nicht valide, so sind es auch nicht die daraus abgeleiteten Konzepte, mit denen die Validität der Sinne bestritten wird. Man muss also von der Verlässlichkeit der Sinne ausgehen beim Versuch, sie zu widerlegen.

„Wenn man eine Tomate wahrnimmt, so gibt es keine Beweise, dass sie existiert, abgesehen davon, dass man es wahrnimmt. (Leonard Peikoff)

Optische Illusionen widerlegen nicht die Verlässlichkeit der Sinne. Unsere Sinne leiten den vollen Kontext der physischen Realität an das Gehirn weiter. Ein Stock, der im Wasser gebogen aussieht, tut dies darum, weil Licht langsamer durch Wasser reist als durch Luft. Optische Illusionen spiegeln Tatsachen der Realität wider. Unsere Sinne haben eine bestimmte Identität, also fangen sie bestimmte Aspekte der Realität auf eine bestimmte Art und Weise ein. Sie haben aber keine Möglichkeit, unsere Wahrnehmung zu verfälschen. Die richtige Identifikation des Wahrgenommenen ist die Aufgabe des Bewusstseins. Hierfür ist Wissen notwendig, etwa das Wissen über die Unterschiede bei der Geschwindigkeit des Lichts.

Die Naturwissenschaften befassen sich mit der konzeptuellen Aufschlüsselung der Sinnesdaten. Wären unsere Sinne nicht verlässlich, würden sie  etwas anderes an unser Gehirn weiterleiten als die reale Welt. Unter diesen Bedingungen könnten die Naturwissenschaften keine verlässlichen Voraussagen machen (was sie bekanntlich aber können und die Sinne sind durchaus verlässlich).

Schlussfolgerung:

Axiom: Die Sinne sind verlässlich. (Nebenaspekt des Bewusstseinsaxioms)

Fazit

Die Realität ist ein Absolutum: Wir können die Naturgesetze nur erkennen (Wissenschaft) und sie für uns nutzen (Technologie), wir können sie nicht verändern, sie unterwerfen sich nicht unseren Wünschen (Magie).

Beiträge zur objektivistischen Metaphysik

Metaphysik bei Kant und Rand

Attila und der Schamane: Kritischer Blick auf die moderne Philosophie

Karl Popper: „Wir wissen nie genau, wovon wir reden“. Über das Verhältnis von Poppers „Kritischem Rationalismus“ zum Objektivismus

Lexikon

Determinismus: Die metaphysische Auffassung, dass alles, was im Universum geschieht – darunter jeder Gedanke, jedes Gefühl und jede Handlung des Menschen – von vorhergehenden Ursachen notwendig ausgelöst worden sei, sodass nichts jemals habe anders geschehen können, als es geschehen ist. Die Zukunft sei vorherbestimmt und unveränderlich. Demnach wäre jeder Aspekt des Lebens und des Charakters eines Menschen lediglich ein Produkt von Faktoren, die außerhalb seiner Kontrolle liegen. (vgl. Leonard Peikoffs Ausführungen).

An die Stelle des Determinismus setzt der Objektivismus die Kausalität: Entitäten handeln ihrer Natur gemäß – aber es gibt Entitäten, welche die Ursachen ihrer Handlungen aus einem Spektrum von möglichen Optionen selbst wählen können.

„Diktatur und Determinismus sind Folgesätze, die sich gegenseitig verstärken: Falls man Menschen versklaven möchte, so muss man ihr Vertrauen auf die Verlässlichkeit ihres eigenen Urteils und ihrer eigenen Entscheidungen zerstören – falls man glaubt, Vernunft und freier Wille wären machtlos, so muss man das Faustrecht akzeptieren.“ (Ayn Rand)

Geistes- und Naturwissenschaften: Die Philosophie der Naturwissenschaften beruht aktuell auf einem „methodischen Materialismus“, der nicht nur Übernatürliches ausschließt, sondern der zudem keine Zielgerichtetheit (Teleologie), noch ein voluntaristisches Bewusstsein anerkennt und stattdessen entweder von Determinismus oder Zufall ausgeht. Für die rein „materielle“ Welt, die Physik und Chemie beschreiben, gilt aber die Kausalität: Entitäten handeln ihrer Natur gemäß – nicht: Ein Geschehnis löst in einer unendlichen Kette stets ein anderes aus. Für das Leben gilt ebenso nicht der Determinismus, sondern die Kausalität. Lebewesen lösen selbst Handlungen aus und handeln zielgerichtet. Der Mensch handelt nicht nur zielgerichtet, sondern er kann seine Ziele zudem selbst bestimmen. Die gesamte Welt ist natürlich – aber nicht alles darin lässt sich auf Physik reduzieren. Weder Determinismus noch „Zufall“ sind geeignet, die Realität zu beschreiben.

Der Objektivismus vertritt somit einen „nicht-reduktionistischen Naturalismus“.

Die Biologie erkennt die Besonderheiten des Lebens im Unterschied zur unbelebten Natur an. Die Geisteswissenschaften erkennen die Besonderheiten des menschlichen Geistes im Unterschied zur unbelebten und zur übrigen belebten Natur an. Alle Disziplinen haben somit ihre Daseinsberechtigung. Die Übernahme der Geistes- durch die Naturwissenschaften, wie sie von Intellektuellen der „Third Culture“ gefordert wird, ist zum Scheitern verurteilt.

Religion: Objektivisten sind Atheisten. Sie sehen Gott als eine willkürliche Behauptung an, da keine validen empirischen oder logisch-konzeptuellen Argumente für seine Existenz angeboten werden. „Gott“ hat nichts mit der Welt zu tun, in der wir leben. Willkürliche Behauptungen verdienen aus objektivistischer Sicht keine weitere Beachtung. Zudem ist das Konzept eines persönlichen Gottes logisch widersprüchlich und somit unmöglich.