Ist Freiheit subjektiv oder objektiv begründet?

Vielleicht ist es nur subjektiv, aber ich halte den Subjektivismus für die verheerendste Form des Irrationalismus. Laut dem Subjektivismus bestimmt das menschliche Subjekt willkürlich, was als objektive Wahrheit zu gelten hat. Der Vater des modernen, offenen Subjektivismus war der deutsche Philosoph Immanuel Kant. Die religiösen Weltanschauungen früherer Zeiten waren de facto auch subjektivistisch, aber Christen wie Augustinus waren der Überzeugung, dass die Wahrheit in Gottes Geist zu verorten ist, der den Menschen erleuchten kann – und nicht direkt im Geist des Menschen. Bei Kant gibt es keine Möglichkeit mehr zu wissen, ob unsere subjektiven Ideen mit der Realität übereinstimmen. Christen hatten wenigstens die Bibel als „objektive“ Orientierung. Andererseits lässt sich auch argumentieren, dass Kant nichts weiter ist als das säkularisierte Christentum. Schließlich steht in der Bibel nicht wirklich die Wahrheit und ob jemand von Gottes Geist erleuchtet wurde oder nicht, dürfte eher eine subjektive Auffassung sein, die sich nicht überprüfen lässt. Immerhin war Kant ehrlicher – er gibt das philosophische Verbrechen offen zu und wird dafür bewundert. Weiterlesen