Pressefreiheit und Objektivität

Das weiß doch jedes Kind: Nur weil man unprofessionell arbeiten darf, sollte man es noch lange nicht tun. (Bild: gracey: JGS_mF_CurrentEvents.jpg. morguefile.com. Lizenz: M.)

Pressefreiheit heißt nicht das alle Objektiv berichten müssen. Es heißt das jeder berichten darf wie er will. Und das nicht gelogen wird.

Kommentar von Hobbes bei den ScienceBlogs zu meinem Beitrag Natürlich wird nicht objektiv über Pegida berichtet!

Die Freiheit, Restaurants zu betreiben, lieber Hobbes, heißt auch nicht, dass jedes Restaurant gutes Essen anbieten muss. Jeder darf Essen anbieten, wie er will. Solange die Gäste nicht gleich tot umfallen, nachdem sie es gegessen haben, darf man auch das ekelhafteste Zeug zusammenkochen. Weiterlesen „Pressefreiheit und Objektivität“

Der objektive Journalist

„Der Journalist ist nicht legitimiert, vermeintlich unvollendete Wahrheiten, die aus und in der gesellschaftlichen Kommunikation laut werden, zu vollenden; die seiner Meinung nach falschen Entscheidungen zu verbessern und zu korrigieren oder im Falle von Unstimmigkeiten zu dekretieren, welche Position die wirklich „wahre“ und welche andere die klar „falsche“ ist. Der Journalist ist nicht legitimiert, Regierungen weg- oder herbeizuschreiben oder sich sonstwie an die Stelle des Souveräns zu setzen. Auch ist der Journalist nicht etwa der Oberaufseher darüber, was man sagen darf und was man nicht sagen darf; er ist nicht der Wächter über den Mainstream der herrschenden Meinung, über Political Correctness oder über andere scheinbar konsentierte Sprach-, Kommunikations- und Schweigeregeln. All das ist Kommunikations-Sache der Gesellschaft sowie der Gruppen und Interessenten in ihr.“

(Hans Wagner: Das Fach-Stichwort: Objektivität im Journalismus. In: Objektivität im Journalismus. Hrsg. von Hans Wagner. Reihe ex libris kommunikation. Band 10. Nomos: 2012. S. 332)

Das sollte sich jeder Journalist einrahmen und an den Arbeitsplatz hängen. Publizisten (wie Blogger und Leute, die kommentierende Artikel schreiben – also Leute wie ich, in den meisten Medien zur Zeit) stellen ihre eigene Position dar. Journalisten stellen hingegen die Kommunikation der Gesellschaft auf öffentlich zugängliche, geordnete und verständliche Weise dar. Sie erschaffen sie nicht. Sie steuern sie nicht. Sie verändern sie nicht. Sie sind im Kernbereich ihrer Tätigkeit, in den berichtenden Formaten, nur Boten ohne eigene Agenda.

Ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum so viele Menschen vom Journalismus im Moment frustriert sind. Mit Sicherheit ist es der Hauptgrund, warum ich Zeitungen mit immer mehr subjektiven Beiträgen schon gar nicht mehr aufschlagen will. Weil sich Journalisten als Weltveränderer aufspielen, obwohl sie nur berichten sollen, was vorgefallen ist und was andere Leute sagen. Überall, wo man als „Journalist“ auftritt, sollte man objektiv sein. Und nicht darüber schwadronieren, dass das gar nicht möglich sei, wobei man damit meint, dass man lediglich keine Lust dazu hat und lieber missionieren, kontrollieren, mitmischen, sich wichtig machen will.