Ist Freiheit subjektiv oder objektiv begründet?

Vielleicht ist es nur subjektiv, aber ich halte den Subjektivismus für die verheerendste Form des Irrationalismus. Laut dem Subjektivismus bestimmt das menschliche Subjekt willkürlich, was als objektive Wahrheit zu gelten hat. Der Vater des modernen, offenen Subjektivismus war der deutsche Philosoph Immanuel Kant. Die religiösen Weltanschauungen früherer Zeiten waren de facto auch subjektivistisch, aber Christen wie Augustinus waren der Überzeugung, dass die Wahrheit in Gottes Geist zu verorten ist, der den Menschen erleuchten kann – und nicht direkt im Geist des Menschen. Bei Kant gibt es keine Möglichkeit mehr zu wissen, ob unsere subjektiven Ideen mit der Realität übereinstimmen. Christen hatten wenigstens die Bibel als „objektive“ Orientierung. Andererseits lässt sich auch argumentieren, dass Kant nichts weiter ist als das säkularisierte Christentum. Schließlich steht in der Bibel nicht wirklich die Wahrheit und ob jemand von Gottes Geist erleuchtet wurde oder nicht, dürfte eher eine subjektive Auffassung sein, die sich nicht überprüfen lässt. Immerhin war Kant ehrlicher – er gibt das philosophische Verbrechen offen zu und wird dafür bewundert. Weiterlesen „Ist Freiheit subjektiv oder objektiv begründet?“

Was ist mit den ertrinkenden Goldfischen?

Der Kapitalismus ist ein System, das auf der Anerkennung individueller Rechte, einschließlich Eigentumsrechte, beruht, in dem die einzige Funktion der Regierung darin besteht, individuelle Rechte zu schützen, das heißt, Menschen vor jenen zu schützen, die den Gebrauch physischer Gewalt initiieren.

https://feuerbringer.wordpress.com/philosophie/politik/

Schön – aber was ist mit den folgenden angeblichen Eigenschaften des Kapitalismus, fragt Wilfried Müller in einer Replik auf meinen Artikel Was hätte nach dem Sozialismus geschehen müssen?Weiterlesen „Was ist mit den ertrinkenden Goldfischen?“

Lob des Massenelends

SPD-Werbeplakat in Würzburg (Foto: Andreas Müller)
„Papst Franziskus, seine Kapitalismuskritik und die SPD“. SPD-Werbeplakat in Würzburg (Foto: Andreas Müller)

Schlaues Werbeplakat. Es vereint den beliebten neuen Papst mit der beliebten alten Kapitalismuskritik und der SPD. Für mich klingt der Spruch wie, „Papst Franziskus, sein Lob des Massenelends & die SPD“. Wenn man bedenkt, dass der Kapitalismus jeder Gesellschaft, die ihn einführte, einen massiven Wohlstandszuwachs bescherte und dass es gerade die Ablehnung des Kapitalismus ist, die Gesellschaften verarmen lässt, steht im Grunde bereits Selbiges auf dem Plakat.

Bevor andere Menschen die Welt so wahrnehmen wie ich, werden sich Tiger in Kaffeetassen tummeln. Wobei, man weiß ja nie…

Ein Tiger in meinem Kaffee (Foto: Andreas Müller)
Ein Tiger in meinem Kaffee (Foto: Andreas Müller)

Kapitalismus: Gesundheit und sozial Schwache

Ich wurde schon von mehreren Lesern gebeten, die Themen „Gesundheitsfürsorge“ und „sozial Schwache“ in Bezug auf den Laissez-faire-Kapitalismus zu behandeln. Die objektivistische Literatur zum Thema ist an die amerikanische Situation angepasst. Die Prinzipien lassen sich zwar übertragen, aber für einen detaillierten Artikel müsste ich ein Expertenwissen über das deutsche Gesundheitssystem mein Eigen nennen können und da stoße ich an meine Grenzen. Stattdessen möchte ich einige Gedanken und Literaturtipps präsentieren, um die grundsätzlichen Ideen und Zusammenhänge aufzuzeigen.

Wie, so lautet die Frage, wäre im Laissez-faire-Kapitalismus für Geringverdiener und Kranke gesorgt? Weiterlesen „Kapitalismus: Gesundheit und sozial Schwache“

Luigi kommt deine Steuern holen

Das Gesetz der großen Zahl: Je mehr Sweater ich designe, desto mehr gehe ich den Lesern auf die Nerven. Trotzdem brauchen auch Liberale Kleidung, wenigstens einige von uns. Manche Leute sind immer schwer empört, dass ich mich ausgerechnet als „radikaler Kapitalist“ erdreiste, auf meinem eigenen Blog Schleichwerbung für meinen eigenen Online-Shop zu machen – obwohl das überhaupt nicht meinem öffentlichen Auftrag entspricht! Kapitalisten sollten von allen Menschen nicht irgendwas verkaufen wollen!

Vielleicht verwechseln die Empörten diesen privaten Blog mit einem öffentlich-rechtlichen journalistischen Magazin und meinen Auftrag als Privat-Blogger (?) mit dem Auftrag eines dem Gemeinwesen verpflichteten, Schleichwerbe-befreiten, aus öffentlich-rechtlichen Gebühren finanzierten Journalisten (ich wäre im Übrigen erstaunt, wenn ihr selbst einen davon findet). Hier ist der Unterschied: Journalisten werden für ihre Arbeit entschädigt. Ich als Blogger überhaupt nicht. Klar? Gut. Das müsste man doch selbst als Religionslehrer kapieren.

Trotz der Schuld, die ich erneut auf mich lade, habe ich noch ein paar Nachzügler im Angebot, mit denen der ein oder andere womöglich seine Umwelt erfreuen mag – oder die ihn einfach nur so sehr amüsieren wie mich. Neu dabei ist zum Beispiel die Gender-Studies-Kollektion. Der politische Hintergrund: http://www.feuerbringer-magazin.de/philosophie/politik

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Widerlegt das Gefangenendilemma den Egoismus?

Peter Singer: Eine Darwinistische LinkeIn seinem Buch A Darwinian Left: Politics, Evolution, and Cooperation nutzt der Philosoph Peter Singer die Evolutionsbiologie, um ein Konzept für eine moderne politische Linke auszuarbeiten. Als Vertreter einer altruistischen Ethik führt Singer in diesem Buch das Gefangenendilemma, ein Modell aus der Spieltheorie (mathematische Ökonomie), als Beweis an, dass sich die egoistische Ethik selbst widerlege. Er schreibt:

„[Das Gefangenendilemma] zeigt, dass das Ergebnis rationaler, eigeninteressierter Entscheidungen von zwei oder mehr Individuen sie alle schlechter stellen kann, als wenn sie nicht ihr kurzzeitiges Eigeninteresse angestrebt hätten. Die individuelle Verfolgung des Eigeninteresses kann kollektiv selbstzerstörerisch sein.“ (S. 48)

Wie sie formuliert ist, würde ich dieser Aussage zustimmen. In der Tat führt das Handeln im kurzfristigen Eigeninteresse weder zum eigenen Wohl noch zum Wohl irgendeiner Gruppe. Das sieht die objektivistische Ethik ebenso. Im Grunde wüsste ich gerne, welcher Moralphilosoph das anders sieht oder jemals anders gesehen hat.

Möglicherweise hat es in der sensualistischen Strömung der Aufklärung, den frühen Verteidigern des „Kapitalismus“ manche gegeben, die in eine solche Richtung gegangen sind. Unter den Anarchokapitalisten scheinen sich auch noch einige zu finden, die das so ähnlich sehen. Aber diese Ideen sind philosophisch so gut wie bedeutungslos und wenn Menschen im kurzfristigen, subjektiven, gefühlsgesteuerten Eigeninteresse handeln, dann meistens doch eher, weil sie keine Prinzipien haben, und nicht, weil sie einer bestimmten Philosophie folgen (außer vielleicht einer solchen, die sagt, es wäre gut, keine Prinzipien zu haben, wie etwa der Pragmatismus).

Immerhin ist das noch weit entfernt vom wohl absurdesten Argument gegen den rationalen Egoismus, das sich der berühmte zeitgenössische Philosoph Derek Parfit ausgedacht hat: Laut dem rationalen Egoismus sei es unvernünftig, für die eigene Rente vorzusorgen, weil es keinen Grund gebe, jetzt auf einen Vorteil zu verzichten, um dem zukünftigen Selbst einen Gefallen damit zu tun – weil das zukünftige Selbst eine andere Person sei als das jetzige Selbst. Einer anderen Person etwas Gutes zu tun und dafür selbst auf etwas zu verzichten, wäre eher altruistisch als im rationalen Eigeninteresse. Und die Leute fragen mich, was ich an moderner Philosophie auszusetzen habe!

Wirklich alle Versuche, an John Lockes Argumentation, was die menschliche Person auszeichne (Kontinuität über die Zeit, etc.), vorbei zu argumentieren, führen zu bizarren Albernheiten, bis hin zur Leugnung, dass etwas wie eine Person überhaupt existiere. Eine Idee, die gerade heute beliebt ist und  sicherlich auf die ganzen Nicht-Entitäten zutrifft, die sie vertreten.

Genug mit der Abschweifung und zurück zum Gefangenendilemma. Im Folgenden werde ich darlegen, wie das Dilemma lautet, was es bedeutet, wo es in der Praxis eine Rolle spielt („Tragedy of the Commons“) und warum es den Kapitalismus und die objektivistische Philosophie nicht betrifft.

Widerlegt das Gefangenendilemma den Egoismus?

Hier ist das Dilemma:

Das Gefangenendilemma sperrt den Verstand anderweitig vernünftiger Menschen hinter Gitter (morguefile.com)
Das Gefangenendilemma soll ein Argument für den Altruismus darstellen (morguefile.com)

Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Beide Gefangene werden in getrennten Räumen verhört und haben keine Möglichkeit, sich zu beraten bzw. ihr Verhalten abzustimmen. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt sechs Jahre. Wenn die Gefangenen sich entscheiden zu schweigen (Kooperation), werden beide wegen kleinerer Delikte zu je zwei Jahren Haft verurteilt. Gestehen jedoch beide die Tat (Defektion), erwartet beide eine Gefängnisstrafe, wegen der Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden jedoch nicht die Höchststrafe, sondern lediglich von vier Jahren. Gesteht nur einer (Defektion) und der andere schweigt (Kooperation), bekommt der erste als Kronzeuge eine symbolische einjährige Bewährungsstrafe und der andere bekommt die Höchststrafe von sechs Jahren.

In diesem Szenario würden beide Gefangene gestehen (Defektion), wenn sie eine möglichst geringe Haftstrafe anstreben. Sie bekommen dann vier Jahre Haft. Geringer wäre die Haftstrafe, wenn sich beide entscheiden würden zu schweigen (Kooperation). Das funktioniert nur, wenn es beide tun, sonst bekommt der eine Gefangene eine einjährige Bewährungsstrafe und der andere die Höchststrafe von sechs Jahren.

Das Gruppeninteresse weiche hier also vom Einzelinteresse der Individuen ab, sagen Ökonomen. Die Implikation ist, dass wir manchmal in unserem eigenen Interesse entgegen dem handeln sollten, was uns vernünftigerweise als unserem eigenen Interesse dienlich erscheint. Wir sollten etwas tun, von dem wir glauben müssen, dass es uns schadet, weil es uns tatsächlich nützt. Und das, was wir tun sollen, ist uns nach bestem Wissen und Gewissen selbst zu schaden, indem wir mit anderen kooperieren. Am Ende ist das auch für uns das Beste.

Was man damit nun als individueller Mensch anfangen soll, ist die Frage. In der Mischwirtschaft ist das Gefangenendilemma gelegentlich anzutreffen, im reinen Kapitalismus zumindest viel seltener.

Tragedy of the Commons: Das Dilemma in der Praxis

Die "Tragödie der Gemeingüter" (Implikation des Gefangenendilemmas) ist kapitalistischen Philosophen bekannt. Tibor Machan widmete dem Thema ein Buch.
Die „Tragödie der Gemeingüter“ (Implikation des Gefangenendilemmas) ist kapitalistischen Philosophen bekannt. Tibor Machan widmete dem Thema ein Buch.

Das Gefangenendilemma wird als Argument gegen das Handeln im rationalen Eigeninteresse angeführt. In der Praxis findet man es in abgewandelten Formen als Trittbrettfahrerproblem bei Gemeingütern vor. Das bedeutet, es bezieht sich gerade nicht auf den Kapitalismus, wo sich die Produktionsfaktoren in Privateigentum befinden. Vielmehr wurde das Trittbrettfahrerproblem häufig als einer der Gründe für das Scheitern des Sozialismus angeführt: Wenn jeder bekommt, was er benötigt, unabhängig davon, wie viel Arbeit er investiert, dann wird jeder möglichst wenig arbeiten und möglichst viel „benötigen“.

Nun gibt es auch innerhalb marktwirtschaftlich organisierter Gesellschaften Gemeingüter, darunter: Die natürliche Umwelt (eine „gesellschaftliche Ressource“).

Überfischung

Ein reales Beispiel für die Tragödie der Gemeingüter ist die Konkurrenz zwischen Fischern um die Fische im Meer. Der Grund für Überfischung besteht darin, dass das Meer als Gemeingut angesehen wird und wenn jeder Fischer im Eigeninteresse handelt, dann fischt er so viel, wie es geht, und zwar schneller als die anderen – bevor die Fische weg sind.

Das führt zur Überfischung der Ozeane. Die Fischer würden davon profitieren, wenn sie stattdessen kooperieren und sich absprechen würden, nur eine bestimmte Menge zu fischen, damit sich der Fischbestand erholen kann. Hier erkennt man auch einen Unterschied zum Gefangenendilemma: Den Fischern ist das Problem der Überfischung bekannt und sie könnten sich mit anderen Fischern absprechen. Die Gefangenen wissen hingegen nicht, was der andere Gefangene tut, sie können sich nicht absprechen und sie können daher nicht das beste Ergebnis durch Kooperation erreichen.

Da Fischer aber aus verschiedenen Ländern und von verschiedenen Orten kommen und für verschiedene Unternehmen arbeiten, ist das mit der Kooperation trotzdem nicht einfach. Außerdem: Was, wenn ein neuer Fischer dazukommt und sich nicht an die Fischquoten hält, auf die man sich mit dem Fischerkartell geeinigt hat? Schließlich gehören dem hypothetischen Fischerkartell nicht das Meer und nicht die Fische. Seine Mitglieder können also niemanden effektiv davon abhalten, doch mehr zu fischen, als abgesprochen wurde. Eben weil das Meer und die Fische Gemeingüter sind.

Also sollte man eben die Fische privatisieren.

Öffentliche Schulen

Wie kann man die Bildung in einer kapitalistischen Gesellschaft gestalten? Diesem Thema hat Machan einen Sammelband gewidmet.
Wie kann man die Bildung in einer kapitalistischen Gesellschaft gestalten? Diesem Thema hat Machan einen Sammelband gewidmet.

In unserer Gesellschaft ist mehr als nur die natürliche Umwelt Gemeingut, nämlich auch „öffentliche Güter“ wie öffentliche Bibliotheken, Schulen und die Infrastruktur. Um gesellschaftliche Ressourcen herrscht Konkurrenz – verschiedene Fischer wollen möglichst den anderen zuvorkommen – und um öffentliche Güter nicht oder nur bedingt.

Wie sich das Trittbrettfahrerproblem bei Gemeingütern („tragedy of the commons“) bei öffentlichen Schulen unter anderem auswirkt, habe ich meiner Schulzeit mit der Lehrkraft besprochen, die mit der Ausleihe der Schulbücher befasst war. Der Lehrer war frustriert und wütend, weil die Schüler keinen großen Anreiz hatten, auf die Bücher achtzugeben. Auch die Eltern haben sie nicht dazu angehalten, die Bücher sorgfältig zu behandeln. Und so gab es jedes Mal einen Kampf um halbwegs brauchbare, nicht vollgekritzelte Schulbücher. In Harry Potter und der Halbblutprinz gibt es eine witzige Szene, in der sich Ron und Harry um eine Ausgabe des Zaubertränke-Buches streiten, die sich um dasselbe Thema dreht:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=VmyCIY0mZsI[/tube]

Der Grund für die mangelnde Sorgfalt beim Umgang mit den Schulbüchern ist die Tatsache, dass die Schüler die Bücher umsonst bekommen, sie jedem gehören und sie wieder zurückgegeben werden müssen. Der individuelle Schüler interessiert sich nur für sich selbst und nicht für „nachfolgende Generationen“ von Schülern, wie uns Ökologen in einem anderen Zusammenhang ermahnen. Als Lösung für das Problem schlagen manche Strafen vor. Wer ein Buch zerstört, muss es bezahlen. Das Ergebnis davon war, dass jeder sein Buch gerade so sehr kaputt gemacht hat, dass es deutlich schlechter ausgesehen hat als vorher, aber auch so, dass er es noch nicht bezahlen musste.

Klar, nicht alle Menschen sind dermaßen beschränkt. Ich habe so gut wie nie in meine Schulbücher gekritzelt oder sie sorglos behandelt. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass genügend Menschen die Gelegenheit ergreifen werden, möglichst alles zu zerstören, was sie zerstören können, solange sie dafür keine negativen Folgen spüren.

Der Lehrer, mit dem ich über das Problem sprach, hatte seine Großzügigkeit hinter sich gelassen. Er forderte, dass die Eltern für die Schulbücher eine Leihgebühr bezahlen und wenn die Kinder das Buch beschädigen, dann den vollen Kaufpreis.

Ich fragte ihn, wie Eltern mit einem geringen Einkommen die Leihgebühr bezahlen sollten – und die ganzen anderen Gebühren, die er sich inzwischen für andere Schulbelange überlegt hatte; er war auch für die Lagerung der Schulmöbel zuständig. Er meinte, einkommensschwache Kinder könnten auch von privaten Stiftungen gefördert werden, gab aber zu, dass dies ein Problem darstellen könne. Tatsache ist jedoch: Wer sich Kinder nicht leisten kann, soll vernünftigerweise auf Kinder oder zu viele Kinder verzichten. Andere Eltern über die Umwege von Steuern für die Zerstörungslust der eigenen Kinder zahlen zu lassen, ist unethisch.

Die Wikipedia-Beispiele

Der Fischereiökonom Rognvaldur Hannesson befasst sich mit der Privatisierung der Meere
Der Fischereiökonom Rognvaldur Hannesson befasst sich mit der Privatisierung der Meere

Ich soll mir die Beispiele auf Wikipedia anschauen, wenn ich nicht glaube, dass es das Gefangenendilemma in der Realität so gibt, meinte der Volkswirt Ulrich Berger. Also habe ich das nunmehr getan. Hier meine Antworten (ähnliche Fälle ausgelassen):

1. Aufrüstung

Vereinbaren beispielsweise zwei Länder eine Rüstungskontrolle, so wird es immer individuell besser sein, heimlich doch aufzurüsten. Keines der Länder hält sich an sein Versprechen und beide sind durch die Aufrüstung schlechter gestellt (höheres Gefahrenpotential, höhere ökonomische Kosten), allerdings besser, als wenn nur der jeweils andere aufrüstete (Gefahr einer Aggression durch den anderen).

Eines der verfeindeten Länder ist nicht schlechter gestellt als das andere, wenn es erst einmal genügend aufgerüstet hat, um binnen einer Woche in der feindlichen Hauptstadt zu stehen. Irgendwann bringt die Aufrüstung keinen Mehrwert mehr („Gesetz des abnehmenden Ertrags“).

Die USA konnten die Sowjetunion mit Atombomben zerbröseln und umgekehrt. Ronald Reagan machte sich diesen weit verbreiteten Denkfehler, der von Wikipedia angeführt wird, dennoch zu Nutze und rüstete massiv auf, bis die Sowjetunion aufgrund ihrer ökonomischen Schwäche nicht mehr gleichziehen konnte und endgültig Pleite ging. Davon abgesehen hat dieses Beispiel eigentlich nichts mit dem Kapitalismus zu tun und nur innerhalb des Kapitalismus gilt die Harmonie der Interessen.

2. Politikverflechtungsfalle

Das Konzept der Politikverflechtungsfalle deutet darauf hin, dass in den gegebenen Verflechtungsstrukturen nicht nur eine Blockadesituation in Sachentscheidungen vorliegt, sondern dass auch institutionelle Änderungen unmöglich sind, die eine Entflechtung des Mehrebenensystems zur Folge hätten.

Das liegt daran, dass bei einer anstehenden Verfassungsänderung solche Akteure als potenzielle Vetospieler auftreten, die von der Verflechtung profitieren – im deutschen Föderalismus sind dies konkret die Landesregierungen. Die Politikverflechtungsfalle ist also nicht die Blockade durch Vetospieler in der täglichen Entscheidungsfindung, sondern die Unfähigkeit des politischen Systems, institutionelle Änderungen zur Auflösung dieser Blockaden herbeizuführen.

Ist die Blockadepolitik wirklich im aufgeklärten Eigeninteresse der Betroffenen? Nur, wenn man davon ausgeht, dass Länder und Bund zwei verfeindete Parteien sind, die sich gegenseitig ausbeuten wollen. Bei öffentlicher Finanzierung kommt so etwas heraus, aber eben nicht im Kapitalismus, der auch mit diesem Beispiel nichts zu tun hat.

 3. Kartelle

Auch in der Wirtschaft finden sich Beispiele für das Gefangenendilemma, etwa bei Absprachen in Kartellen oder Oligopolen: Zwei Unternehmen vereinbaren eine Outputquote (zum Beispiel bei der Ölförderung), aber individuell lohnt es sich, die eigene Quote gegenüber der vereinbarten zu erhöhen. Beide Unternehmen werden mehr produzieren. Das Kartell platzt. Die Unternehmen im Oligopol sind aufgrund der erhöhten Produktion gezwungen, die Preise zu senken, wodurch sich ihr Monopolgewinn schmälert.

Aus dem Szenario folgt, dass die Einhaltung von Verträgen im aufgeklärten Eigeninteresse der Marktakteure ist. Und das können sie sehr wohl vorher wissen und in der Tat sagt die objektivistische Philosophie nichts anderes.

 4. Erhöhung der Werbeausgaben

Konkurrieren mehrere Firmen auf einem Markt, erhöhen sich die Werbeausgaben immer weiter, da jeder die anderen ein wenig übertreffen möchte. Diese Theorie konnte 1971 in den USA bestätigt werden, als ein Gesetz zum Werbeverbot für Zigaretten im Fernsehen verabschiedet wurde. Es gab kaum Proteste aus den Reihen der Zigarettenhersteller. Das Gefangenendilemma, in das die Zigarettenindustrie geraten war, wurde durch dieses Gesetz gelöst.

Erneut: Gesetz des abnehmenden Ertrags. 

5. Betrug

Ein weiteres Beispiel ist ein Handelsreisender, der seine Kunden bei Vorkasse (gegebenenfalls ungedeckte Schecks) mit guter Ware (kleinerer Profit, aber langfristig sicher) oder gar keiner Ware (hoher kurzzeitiger Profit) beliefern kann. Händler mit schlechtem Ruf verschwinden in solchen Szenarien vom Markt, da keiner mit ihnen Geschäfte macht, und sie ihre Fixkosten nicht decken können. Hier führt „Tit for Tat“ zu einem Markt mit wenig „Betrug“. Ein bekanntes Beispiel nach diesem Muster ist die Funktionsweise des eBay-Bewertungsschemas: Händler, die trotz erhaltener Bezahlung die vereinbarte Ware nicht liefern, erhalten schlechte Bewertungen und verschwinden so vom Markt.

Also lohnt es sich nicht, Menschen zu betrügen. Erneut ein Beispiel, das vom Homo Oeconomicus ausgeht, der sich nicht an rationalen Prinzipien orientiert (wie es die objektivistische Ethik vorsieht), sondern am unmittelbaren Eigeninteresse. Er bekommt auf kurze Sicht mehr Geld und verschwindet auf lange Sicht vom Markt. Offensichtlich ist ein solches Verhalten nicht im aufgeklärten Eigeninteresse und ficht schon gar nicht die objektivistische Ethik oder den Kapitalismus an – im Gegenteil!

Fazit

Das Gefangenendilemma zeigt in einigen Fällen auf, dass das situationsabhängige Handeln im individuellen Eigeninteresse ohne Orientierung an allgemeinen Prinzipien und Tugenden im Ergebnis nicht wirklich den individuellen Nutzen maximiert.

Daran zweifelt die objektivistische Ethik nicht. Im Gegenteil hält sie das situationsabhängige Abwägen, was im Eigeninteresse ist und was nicht, für unmöglich und hat gerade darum allgemeine Handlungsrichtlinien entwickelt. Das Gefangenendilemma kann weder dem Kapitalismus, noch der objektivistischen Ethik etwas anhaben. Mir ist ferner kein Philosoph bekannt, der heutzutage eine dermaßen simple und geradezu alberne Variante des Egoismus befürwortet, wie sie das Modell des Homo Oeconomicus der neoklassischen Ökonomik zum Gegenstand hat.

Face to Face: Laissez-faire gegen Soziale Marktwirtschaft

Walter Eucken (1891-1950) gehörte zu den Begründern des Ordoliberalismus und der Freiburger Schule. Diese war eine Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft
Walter Eucken (1891-1950) gehörte zu den Begründern des Ordoliberalismus und der Freiburger Schule. Diese war eine Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft.

Die moderne Gesellschaft ist anonym und darum muss der Staat das Geld umverteilen. Findet der deutsche Sozialwissenschaftler Nils Goldschmidt. Somit wären wir bei „Warum der Staat in die Wirtschaft eingreifen muss, Teil 500 000 001“ angekommen.

Mal sehen, was man aus Sicht der objektivistischen Philosophie und des Laissez-faire-Kapitalismus gegen Goldschmidt und seinen sozial-marktwirtschaftlichen Ordoliberalismus anführen kann…

Der Ordoliberale Nils Goldschmidt verfasste den Essay: „Spielregeln der Gerechtigkeit oder warum gerechte Strukturen wichtig sind. Die ordnungsökonomische Sicht„, der mir seit einigen Wochen Kopfschmerzen bereitet. Es besteht kein Mangel an Sendungsbewusstsein seitens Goldschmidt, wenn man bedenkt, dass er kein einziges mögliches Gegenargument gegen seine Position anspricht und willkürliche Behauptungen als unanfechtbare Tatsachen darstellt. Nur, weil sie in unserer Gesellschaft weitgehend Konsens sind, als würde sie das relevant machen, wenn es um die Wahrheit geht.

Goldschmidt argumentiert, dass moderne Gesellschaften keine Gemeinschaften mehr seien. Er zeigt, dass die Marktwirtschaft dennoch großartig funktioniert: Ein Bäcker muss mich nicht persönlich kennen, um mir gute Brötchen zu verkaufen. Er muss nur an sein Eigeninteresse denken: Das Geld, das er für die Brötchen bekommt. Super, also wo ist jetzt das Problem? Keine Ahnung; aber auf jeden Fall fordert Goldschmidt am Ende des Essays ein Grundeinkommen und kostenlose Krippenplätze.

Mensch = Kollektivist

Angeblich kein Mensch: Robinson Crusoe
Angeblich kein Mensch: Robinson Crusoe

Da wir einander in einer modernen Gesellschaft nicht mehr von Angesicht zu Angesicht („face to face“) sehen, müsse das politische System die Strukturen festlegen, innerhalb derer wir handeln. Die Definition von Mensch laute schließlich, „ein Mitglied der Gesellschaft“ (S. 67) zu sein, was Robinson Crusoe schon mal disqualifiziert. Moral bedeute aus anthropologischer Sicht, „die Interessen des anderen zu den eigenen zu machen“ (ebenda), warum auch immer.

Moral entwickle sich mit der Sozialisation und Enkulturation. Allerdings sei ihre Reichweite auf kleine Gemeinschaften begrenzt und erfasse keine „unbekannten Dritten“ (ebd.). Wieso nicht? Angeblich, weil wir so evolviert seien. Zugleich sind wir nicht auf die natürliche Evolution begrenzt, sondern ein Kulturwesen, das Moral selbst lernt. Nur: Wenn wir Moral selbst lernen, warum sollten wir dann nur lernen können, dass wir uns ausschließlich gegenüber Menschen moralisch verhalten sollen, die wir persönlich kennen? Und warum waren Moral und Altruismus noch einmal dasselbe?

Moral = Altruismus

Was, wenn ich dir sagen würde, dass die Gesellschaft keine Person ist? (Quelle: Objectivism for Deep Thinkers)
„Was, wenn ich dir sagen würde, dass die Gesellschaft keine Person ist?“ (Quelle: Objectivism for Deep Thinkers)

Moral tauge „nicht als Regulator für eine moderne Gesellschaft“ (ebd.). Weil das so ist, bräuchten wir Gerechtigkeit als Maßstab für gesellschaftliche Strukturen (vgl. S. 68). Gerechtigkeit ist nämlich für Goldschmidt keine Tugend innerhalb der persönlichen Ethik (wie im Objektivismus), sondern etwas anderes als Ethik. So geht es nicht darum, dass ein Individuum gerecht ist, sondern eine Gesellschaft soll gerecht sein. Und gerecht heißt nicht gerecht im vernünftigen Sinne (jeder soll das erhalten, was er verdient), sondern gerecht im Sinne von „sozialer Gerechtigkeit“.

Weil es „plausibel“ (S. 71) erscheine (für wen? Für mich nicht), sollen wir uns darauf einigen – oder bereits einig sein – dass sich eine gerechte Gesellschaft durch Inklusion auszeichne: Allen Mitgliedern einer Gesellschaft soll die Möglichkeit gegeben werden, „vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein und ein dem Standard der Gesellschaft angemessenes Leben zu führen. Hierzu gehört ganz rudimentär die Befreiung von existenzieller Not sowie die Möglichkeit zu Bildung und Selbstbestimmung.“ (S. 72).

Hierzu soll die Realität durch politische Maßnahmen angepasst werden, was jedoch unmöglich ist. Beispielsweise wird ein geistig Behinderter oder dementer Alter einfach nicht auf dieselbe Weise wie andere Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, weil er nun einmal eine schwere Krankheit an, die ihm dies nicht ermöglicht. Egal, was die Politik dazu zu sagen hat.

Goldschmidt profitiert davon, dass er einfach den gesellschaftlichen Konsens wiederholt und insofern ist die kritische Distanz zu seiner Argumentation bei den meisten Menschen nicht sonderlich ausgeprägt. Es klingt eben „vernünftig“, was er schreibt, weil man es so oft hört. In einer Gesellschaft, in der jedes zweite Neugeborene von einer Brücke geworfen wird, könnte ein Intellektueller mit beliebigen Argumenten die Tötung jedes zweiten Neugeborenen verteidigen und es würde niemandem auffallen, egal, was für ein Schwachsinn es ist.

Das Recht auf Vererben

Franciso D'Anconia (links) aus Ayn Rands "Atlas Shrugged" verschleudert sein Geld als reicher Playboy (Behind the Scenes Foto von der Offiziellen Website des Films)
Francisco D’Anconia (links) aus Ayn Rands „Atlas Shrugged“ verschleudert sein Geld als reicher Playboy (Behind the Scenes Foto von der Offiziellen Website des zweiten Films)

Angeblich gehöre eine sogenannte „Startgerechtigkeit“ zur Leistungsgerechtigkeit (die vernünftige Gerechtigkeit). Demnach sollen Bildung und Vermögen anfänglich für jeden am besten gleich sein. Geboren werden ist ja noch keine Leistung. Damit wird die Leistungsgerechtigkeit für die Eltern allerdings ausgehebelt. Denn egal, wie viel sie arbeiten und sich bilden, um ihren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen, am Ende würde der Staat dafür sorgen, dass die liebe Mühe umsonst war. Es wäre schließlich ungerecht, wenn die Eltern die Möglichkeit bekämen, ihre Kinder besser zu bilden und ihnen mehr zu vererben als andere Eltern es mit ihren Kindern tun. Wenn schon kein Erwachsenenkommunismus, dann wenigstens einer für die Kinder.

Das Geld, das sich Eltern auf anständige, legale Weise erarbeiten, ist ihr Geld. Sie können damit tun, was sie möchten. Inklusive, es an ihre Kinder zu vererben. Das Recht auf Eigentum gehört zur Leistungsgerechtigkeit. Das Geld den Eltern zu nehmen, um einer „höheren“ Gerechtigkeit zu dienen, ist Raub. Ein Kind sollte keinen Anspruch auf ein Erbe haben (es sei denn, es kann noch nicht für sich selbst sorgen), aber die Eltern sollten das Recht haben, ihr Geld zu vererben.

Tatsächlich kann ein Kind reicher Eltern seinen „Startvorteil“ für Partys und Drogen hinaus werfen, während ein Kind armer Eltern sich in einer freien Gesellschaft bis zum Unternehmenschef oder Bundeskanzler hocharbeiten kann. Irgendwann ist das Startvorteils-Kind arm und das ungerecht benachteiligte Kind reich. Das geschieht in der Regel nicht, aber es ist in einer freien Gesellschaft möglich. Man muss nur die richtigen Entscheidungen treffen.

Die Armen und Kranken dieser Welt

Ich liebe dich zu Tode: Pathologischer Altruismus (peoplescube.com)
Ich liebe dich zu Tode: Pathologischer Altruismus (peoplescube.com)

Wenn man nichts Vernünftiges über Moral zu sagen hat, dann sollte man sich einfach für die Armen, für die Kranken und für die Kinder aussprechen. Gutmenschengesetz Nummer 1.

Kinder, Alte und Kranke können oft nur schwierig oder gar nicht ein regelmäßiges Einkommen erzielen, mit dem sie „inkludiert“ seien. Darum soll der Staat für sie sorgen. Soziale Ansprüche alias Wohlfahrtsrechte seien „eine Errungenschaft der Moderne“ (S. 74), schreibt Goldschmidt. Also brauchen wir ein Grundeinkommen. Zusätzlich sollen sich die Unternehmer sozial engagieren (Corporate Citizenship) und die Konsumenten als „moralische Konsumenten“ ebenfalls.

Ein eigenes Beispiel: C&A möchte angeblich zu 100% auf Biobaumwolle umsteigen. Ökonomisch betrachtet ist diese Entscheidung irrsinnig, weil keine angemessene Nachfrage für die teureren Kleidungsstücke aus  Biobaumwolle besteht. Damit macht sich das Unternehmen selbst kaputt und Arbeitsplätze gehen verloren. Ein zahlungsunfähiges Unternehmen kann sich nicht mehr sozial engagieren. Ein Unternehmen sorgt, sofern es ökonomisch leistungsfähig bleibt, durch seine bloße Tätigkeit als Unternehmen für den Lebensunterhalt seiner Mitarbeiter. Auch ohne zusätzliches Engagement sind Unternehmen bereits dadurch sozial, dass sie existieren.

Vernunft gegen blanke Willkür

Ayn Rand statt Unsinn
Ayn Rand versus Unsinn

Goldschmidts Ethik ist unsystematisch, prinzipienlos und beliebig. Wir werden wohl nie erfahren, warum ein Grundeinkommen und kostenlose Krippenplätze moralisch geboten sein sollen. Am Ende liegt der Fehler an Goldschmidts Akzeptanz des Altruismus als Ethik und des Kollektivismus als Menschenbild: Der Mensch sei nur Mensch als Teil der Gesellschaft. Und Moral bedeute, die Interessen anderer Menschen zu den eigenen zu machen.

Der Mensch zeichnet sich allerdings nicht dadurch aus, dass er ein Herdentier ist, sondern sein besonderes Merkmal ist sein Verstand. Wir können die Welt begrifflich erfassen und sie für unsere Zwecke formen, indem wir Werte erzeugen. Wir verstehen, wie die Natur funktioniert, wir erkunden und formulieren Naturgesetze. Auf deren Grundlage machen wir die Natur für uns nutzbar und wandeln sie in Werte um, die unserem Leben dienen. Denken ist ein individueller Vorgang, der auf einer freien Willensentscheidung beruht – einer Entscheidung, die jeder treffen kann.

Andere Menschen sind nur darum ethisch relevant, weil sie für uns persönlich Werte darstellen. Andere Menschen sind uns etwas wert, sie sind wertvoll für unser eigenes Leben. Das sind sie aber nur, soweit wir uns nicht für sie aufopfern, also soweit wir nicht das, was uns mehr wert ist, für das aufgeben, was uns weniger wert ist. Beispielsweise könnte uns ein iPod sehr wohl wichtiger sein, als einem hungernden Kind in Afrika ein weiteres Lebensjahr zu bescheren. Wenn es das nicht ist, so hat natürlich jeder das Recht, sein Geld dem hungernden Kind zu spenden. Oder man spendet dem Kind einen Teil und gibt den Rest für den iPod aus. (Wobei diese ganze Spenden-Sache die Armut in Afrika nicht beenden wird – sondern nur die Einführung einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung könnte das).

Die Grundlage der Ethik bleibt aber auf jeden Fall das eigene Leben. Nichts hat einen Wert unabhängig vom individuellen Menschen. Auch ein Armer, Kranker, Alter ist für sich selbst etwas wert und für jene, deren Leben er bereichert. Der Grund, warum wir auch Menschen, die wir nicht kennen, ethisch behandeln, ist jener, dass wir persönlich davon profitieren. Wenn ein Bäcker einem Fremden Brötchen verkauft, dann profitiert er von dessen Geld – egal, ob er ihn kennt. Wenn ich für eine Wohltätigkeitsorganisation spende, auch wenn ich die Empfänger nicht kenne (und dies tun sehr wohl viele Menschen, in den USA viele mehr als hier!), so tue ich das, weil ich nicht von einem Obdachlosen auf einen Leprakranken stolpern möchte und weil ich mir wünsche, von glücklichen Menschen umgeben zu sein. Das wünsche ich mir aber nicht bis zur Selbstaufgabe.

Wir müssen andere Menschen nicht „Face to Face“ kennen, um sie ethisch zu behandeln. Wir müssen nur eines verstehen: Ethisch ist das, was unserem eigenen Leben förderlich ist und auch andere Menschen ethisch zu behandeln, ist unserem eigenen Leben förderlich.

Der eigene Verstand, das menschliche Überlebensinstrument, funktioniert nur ohne Zwang. Man kann nicht zum Denken gezwungen werden. Man denkt, weil man davon profitiert. Individuelle Rechte schützen den Menschen vor jenen, die ihm ein funktionierendes Überlebensinstrument streitig machen wollen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen und kostenlose Krippenplätze erfordern, dass Menschen, die nicht davon profitieren und die das nicht wollen, vom Staat beraubt werden müssen, um für diese Dinge aufzukommen, die für sie keinen Wert haben. Darum sind Grundeinkommen und kostenlose Krippenplätze unmoralisch. Egal, was die Politik dazu sagt. Egal, was Anthropologen dazu sagen. Egal, was Ordoliberale dazu sagen.

Siehe auch: Die objektivistische Ethik

Goldschmidt, Nils: Spielregeln der Gerechtigkeit oder warum gerechte Strukturen wichtig sind. Die ordnungsökonomische Sicht (Roman Herzog Institut)

Und: Einführung in den Objektivismus

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