Der Konservatismus hat nichts mit dem Konservatismus zu tun

Blogger schon wieder? Was wollen sie diesmal? - "Fakten", "Objektivität", "Wahrheit" (Bild: Cox und Forkum, http://www.coxandforkum.com)

Mainstream-Medien: „Blogger schon wieder? Was wollen sie diesmal?“, „Das Übliche…“ – „Fakten“, „Objektivität“, „Wahrheit“ (Bild: Cox und Forkum, http://www.coxandforkum.com)

Der hiesige Kommentator Bernd ist der Auffassung, dass meine Kritik am „Konservatismus“ nichts mit dem wahren Konservatismus zu tun haben soll. Damit ähnelt er dem Islam, der ja auch nichts mit dem Islam zu tun haben soll. Konservative stehen also keineswegs für die Bewahrung des Alten, für die Erhaltung gewachsener Strukturen, für Traditionen und die Achtung von Autoritäten. Religiös sind sie wohl auch nicht so häufig. Bevor ich lese, für was Konservative bitte sonst stehen sollen, wenn nicht für das, möchte ich gerne ein paar Belege anführen. Dafür sollte zunächst einmal Wikipedia genügen – dort werden praktischerweise geeignete Quellen in den Fußnoten genannt.

Bernds Kommentar:

Um konservative Menschen kritisieren zu können, unterstellst du ihnen pauschal dämliche Ansichten, d. h., du baust einen Popanz auf, um dann darauf einprügeln zu können.
Natürlich gibt es so dämliche Konservative, aber das ist doch nicht das Charakteristikum des Konservativismus.

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Objektivisten gegen sich selbst

„Prüfet alles, das Gute behaltet!“ heißt es im ersten Thessalonicherbrief (Brief von Paulus in der Bibel). Da ich gestern nicht schlafen konnte, habe ich mal wieder stundenlang nach vernünftiger Kritik am Objektivismus – der Philosophie von Ayn Rand, die ich in Deutschland lehre – gesucht. Das Unterfangen passt gut zu meiner Recherche für das dritte Webinar über die objektivistische Epistemologie (das zweite ist leider auch noch nicht fertig). Und nach vernünftiger Kritik muss man leider lange suchen. Weiterlesen

Der neue Schwachsinn

Gegen Ende ihres Lebens sagte die Philosophin Ayn Rand, dass ihr philosophische Auseinandersetzungen keinen Spaß mehr machen – es gab niemanden mehr vom Format Kants, gegen den man argumentieren konnte, sondern nur noch Idioten. Die Zeit ist gekommen, sich an ihre weisen Worte zu erinnern.

Einhörner gibt es wirklich, sagt Markus Gabriel. Der Philosoph will, dass Denken mehr Spaß macht

Aber ausgerechnet die Welt, die gibt es laut Ihrer Philosophie des Neuen Realismus nicht.

Real ist, was real ist. Also Gedanken, Wünsche, Ideen, Träume …

Die menschliche Zivilisation ist eine Truman Show.

Oder ich bin gar nicht ich, sondern jemand anderes, der denkt, dass er Markus Gabriel sei. Vielleicht bin ich schizophren und habe den echten Markus Gabriel heute Morgen in den Keller gesperrt. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, zu zweifeln. Die Hypothese, dass ich in der Matrix lebe, ist willkürlich. Sie ist eine von unendlich vielen.

Die Zitate stammen aus einem Interview mit Markus Gabriel auf ZEIT Online. Laut Medienmeinung ist der Philosoph ein „Wunderkind“, ein „Shooting Star der Philosophie“ und allerlei andere, hoffentlich gut bezahlte Lobhudeleien. Kritische Rationalisten treibt die einhellige Zelebrierung dieses Irrsinns wahrscheinlich ebenso in die Verzweiflung wie Objektivisten und alle anderen Denker, die ihren Verstand noch nicht die Toilette runtergespült haben. Weiterlesen

Tipp: Objektivismus versus Sir Karl Popper

Ich habe eine ausführliche und sorgfältige Kritik an der Philosophie von Sir Karl Popper gelesen, die ich weiterempfehlen möchte:

http://www.libertarian.co.uk/lapubs/philn/philn037.pdf

(Der Nachfolge-Essay: http://www.libertarian.co.uk/lapubs/philn/philn065.htm)

Der Essay enthält leider anfangs ein schwaches Argument, nämlich dass Popper häufig „Ich glaube, dass…“ schreibt, obwohl er nicht „an den Glauben glaubt“, wie er bemerkt. Nun, hier sind unterschiedliche Konnotationen gemeint – der Begriff bedeutet einmal eine Meinungsäußerung und ein anderes Mal blinden Glauben. Man sollte sich von dieser einen Schwäche jedoch nicht ablenken lassen. Die Kritik ist insgesamt sehr aufschlussreich. Der Autor Nicholas Dykes zeigt auf, dass Popper trotz seiner anderslautenden Beteuerungen selbst zum Idealismus, Determinismus und Subjektivismus neigt und außerdem seinen eigenen Fallibilismus nie auf sich selbst anwendet (seine eigene Methode nie der kritischen Prüfung unterzieht). Weiterlesen

Wikipedia über das Ayn Rand Institute

Da die Wikipedia-Admins so gut wie nichts mit ihrer Tätigkeit verdienen, müssen sie das aus altruistischer Motivation tun. Allzu gut werden sie also nicht auf eine Philosophie zu sprechen sein, die den Altruismus ablehnt und den rationalen Egoismus verteidigt. Das dürfte ein Teil der Erklärung sein für den bizarren deutschen Wikipedia-Eintrag über das Ayn Rand Institute. Ein anderer Grund für den krassen Mangel an Objektivität bei diesem Eintrag dürfte schlicht die deutsche Kultur sein, die amerikanischen „Konservativen“ feindlich gegenübersteht und die keinerlei Verständnis davon entwickelt hat, was „Libertarismus“ eigentlich sein mag (und warum er nicht konservativ ist). Was der Bauer nicht kennt, das mag er nicht. Weiterlesen

Wünsche für meinen nächsten Vortrag?

(Ergänzung) Für meinen nächsten Vortrag ist ein näherer Blick auf die objektivistische Ethik vorgesehen. Der Vortrag würde an Warum Moral objektiv ist anschließen und die konkrete Ethik ergänzen. Bislang weiß der begeisterte Zuhörer im Grunde nur, dass er sich an rationalen Tugenden orientieren sollte – aber nicht an welchen, wodurch sich diese auszeichnen und wie man von diesen profitiert. Ich könnte aber auch ein anderes Thema vorziehen. Diesbezüglich interessieren mich eure Wünsche. Welches Thema findet ihr besonders interessant?

Ich würde auch mal wieder gerne vor einem Publikum sprechen. Beispielsweise die Argumentation gegen Tierrechte wird außerhalb der Fachliteratur nur selten vernommen. Alleine im Sinne der Ausgewogenheit müsste man eigentlich auch einen Denker einladen, der gegen Tierrechte argumentiert. Davon gibt es in Deutschland nicht unbedingt viele. Auf der anderen Seite haben die Deutschen meiner bisherigen Erfahrung nach kein Interesse an Ausgewogenheit und sie besprühen sich mit Weihwasser, wenn sie unorthodoxe Meinungen hören. Insofern biete ich an, zwei Liter Wasser segnen zu lassen und sie zum Vortrag mitzubringen. Außerdem ist dieses Vorträge-machen ein ganz schöner Aufwand und wenn ich vor Publikum spreche, bekomme ich wenigstens eine Brezel gratis. Ich möchte meine langjährigen Unterstützer zudem nicht ewig nerven und hoffe, mal ein paar neue zu finden. Schließlich habe ich mir die Haare schneiden lassen und sehe nun vorzeigbar aus. Ich bitte darum, dies zu würdigen.

Bei Interesse kann man mir gerne eine Mail schicken: feuerbringer(at)hotmail.de oder anrufen.

Die Vortragsvorschläge bitte in den Kommentarbereich oder auf Facebook.

Ergänzung: Ich befasse mich in meinen Vorträgen mit Philosophie. Das Thema sollte also etwas damit zu tun haben – oder mit Literaturgeschichte. Historische Themen sind ebenso geeignet, etwa „Der Beitrag von Thales von Milet zur Philosophie“. Der Ex-Muslim Cahit Kaya hat „Liberaler Humanismus“ vorgeschlagen. Dergleichen wäre ebenso möglich. Es kann auch um eine Anwendung der Philosophie auf aktuelle Themen gehen. Etwa: „Gibt es ein Recht auf einen Mindestlohn?“.

Was mich im Kontext von Vorträgen nicht interessiert sind Themen, die sich auf einer allzu konkreten Ebene aufhalten. Zum Beispiel: „Wer ist der beste Präsidentschaftskandidat für die EU-Kommission?“ Das ist mir viel zu einfach, viel zu Konkreta-gebunden, nur kurzfristig von Bedeutung.

Objektivismus und Krieg

Es gibt verschiedene, teils gegensätzliche Haltungen unter Objektivisten zum Thema „Krieg“. Der Grund dafür sind divergierende Aussagen von Ayn Rand. Es gibt die philosophierende Ayn Rand und es gibt die persönlich betroffene, ungeduldige Ayn Rand. Die persönlich betroffene Ayn Rand, die sich an ihre Zeit als Kind in Russland erinnerte und daran, was die Kommunisten mit ihrer Familie und ihren Bekannten angestellt hatten (vertrieben, enteignet oder erschossen), ließ sich zu verstörenden und blutdürstigen Aussagen hinreißen. Die philosophierende Ayn Rand hat Vernünftiges zum Thema beizutragen. Besser durchdacht ist jedoch die Position eines anderen Denkers.

(Hinweis: Dieser Beitrag befasst sich mit verstörenden ethischen Randthemen. Er ist nur Menschen mit starken Nerven zu empfehlen, die über schreckliche Dinge wie Krieg und Terrorismus rational nachdenken möchten.) Weiterlesen

Humanismus damals und heute

„Humanismus“ ist ein schillernder Begriff, der so freundlich klingt, dass sich fast jeder damit identifizieren möchte. Der historische Urquell des Humanismus ist die Epoche der Renaissance. Und wie sich nicht zuletzt bei der Lektüre von „Die Würde des Menschen“ von Giovanni Pico della Mirandola offenbart, hatten die Renaissance-Humanisten ein Menschenbild, das dem Menschbild vieler heutiger Humanisten diametral entgegengesetzt ist.

(Update: Generelle Entwicklungen des heutigen Humanismus herausgearbeitet) Weiterlesen

Happy Birthday, Ayn Rand!

Am heutigen 2. Februar vor 109 Jahren wurde Ayn Rand in St. Petersburg geboren. Damals trug sie noch den Namen Alisa Rosenbaum, aber dabei sollte es nicht bleiben. Aber weit wichtiger als die Annahme eines neuen Namens war die Entscheidung, ihr Leben nicht im Land ihrer Geburt zu führen, sondern in das Land zu gehen, dass ihr das Streben nach Glück ermöglichen konnte: die Vereinigten Staaten von Amerika.

Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte, von der wir auch heute noch profitieren, wenn wir in ihren Romanen schmökern, um große Helden kennen zu lernen und die Ideen, die sie antreiben.

Abtreibung ist ein Recht

Roger Köppel möchte Liberale im aktuellen Weltwoche-Editorial überzeugen, dass Abtreibung ihren Prinzipien widerspreche. Ich wurde als liberaler Denker von Stefan Millius darum gebeten, auf Herrn Köppels Argumente einzugehen und meine Position zur Abtreibung darzulegen. Das werde ich nunmehr tun. Eine Replik. Weiterlesen

Vorlesung: Die objektivistische Metaphysik (Video)

Nach dem Clip über die objektivistische Ästhetik ist nun der erste „echte“ Teil meiner Vorlesungsreihe über Ayn Rands Philosophie fertig:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=-9E75TSbpsQ[/tube]

Link zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=-9E75TSbpsQ

Ich empfehle „HD“-Auflösung, dann könnt ihr die Schrift besser lesen.

Fast 40 Minuten lang geht es um die grundlegende Beschaffenheit des Universums. Ist der Wille frei? Ist unser Leben vorherbestimmt? Gibt es einen Gott? Diese Fragen werden ebenso behandelt wie eher „technische“ Fragen, darunter „Ist Induktion möglich?“. Erstaunlicherweise wird ja selbst das bezweifelt. Wie ich im Video erkläre, hätte eine mangelnde Validität der induktiven Methode verhängnisvolle Auswirkungen auf die naturwissenschaftliche Forschung. Wobei Forscher nun umgekehrt sagen könnten, dass sie nun aber offensichtlich Recht haben und sich also die Philosophen irren müssen. Was ich im Grunde ebenfalls sage. Nur irren sich immerhin nicht alle Philosophen.

So könnt ihr mithelfen:

1. Wenn ihr das Video gut findet, dann bewertet es bitte mit „Daumen hoch“ und teilt es auf Facebook, Twitter und co.

2. Wenn ihr die Vorlesungsreihe unterstützen möchtet, könnt ihr mir via PayPal (terry_rotter(at)arcor.de) eine Spende schicken.

3. Ihr könnt euch einen guten Titel für die Reihe überlegen, falls euch „Ayn Rands Objektivismus“ nicht zusagen sollte.

Es handelt sich bei diesem und den kommenden Videos um die erste deutsche Vorlesungsreihe über den Objektivismus. Das muss man sich einmal vorstellen, wenn man bedenkt, wie viel Häme Mrs. Rand auch hierzulande hat einstecken müssen für ihre Ideen – die kaum jemand in Deutschland kennen oder beurteilen konnte, denn fast alle ihrer Bücher gibt es nur auf Englisch. Darunter ihr philosophisches Gesamtwerk (!) – nur einige Romane wurden übersetzt. Nun, als überzeugter Elitist bin ich der Aufassung, dass man etwas, das man kritisiert, zunächst kennen sollte.

Unter anderem aus diesem Grund investiere ich meine Zeit in diese Vorlesungen, die es alle natürlich gratis geben wird. Außerdem möchte ich der Nachwelt etwas Wertvolles hinterlassen. Und da ich mich bereits gegen eine Organspende entschieden habe (ich behalte sie, bis der Staat anerkennt, dass meine Organe mein Eigentum sind und ich sie darum verkaufen darf) – warum nicht einige Vorlesungen, die in Deutschland nur wenige Menschen überhaupt halten könnten (weil es kaum Objektivisten gibt, geschweige denn solche mit genügend Detailwissen)? Und die ich für sehr wichtig erachte, denn Deutschland könnte mehr Vernunft gebrauchen. Und eine Orientierung an rationalen Werten – im Unterschied zum reinen Pragmatismus, der viel weniger praktisch ist, als er glaubt.

Warum ich nicht libertär bin

Ich war kürzlich auf einem deutschen libertären Blog, dessen Namen ich leider vergessen habe. Der Autor empfiehlt dort viele der Bücher, die ich ebenfalls meinen Lesern ans Herz lege. Doch direkt daneben empfiehlt er außerdem ein libertäres Buch, das prinzipiell gegen Patent- und Urheberrechte argumentiert.

Aus diesem Anlass möchte ich einmal mehr erläutern, warum ich ernsthafte Probleme mit vielen „libertären“ Positionen habe und wie sich Objektivisten wie ich von anderen Libertären unterscheiden. Weiterlesen

Video: Was ist Kunst?

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=VQtgGASlvXk[/tube]

Ich arbeite an der ersten deutschen Vorlesungsreihe über die objektivistische Philosophie von Ayn Rand. Ich werde sie in Form von Videos unterschiedlicher Länge auf YouTube gratis zur Verfügung stellen. Die Vorlesungsreihe beruht auf Texten aus meinem Philosophiebereich, die ich verbessere und erweitere. Diese wiederum bauen auf den „offiziellen Texten“ rund um Ayn Rands Philosophie auf. Größtenteils von ihr selbst, teilweise von anderen Mitgliedern der Denkschule. Den Text zum aktuellen Video findet man unter Ästhetik.

Der Link zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=VQtgGASlvXk

Ich habe mich außerdem zu einigen Veränderungen im Feuerbringer-Magazin durchgerungen. Bislang habe ich immer abwechselnd oder gleichzeitig zwei Zielgruppen angesprochen: Rational denkende, in der Regel intellektuelle Menschen und die breite, interessierte Öffentlichkeit. Von nun an werde ich nur noch rationale Zeitgenossen ansprechen und die breite Öffentlichkeit so breit sein lassen, wie sie möchte. Weiterlesen

Anpasser und Roboter

In meiner Punk-Phase war ich gegen all diese „Anpasser“ voreingenommen, die sich an anderen orientieren, statt selbst zu denken. Jetzt bin ich nicht länger nur gegen sie voreingenommen. In der objektivistischen Philosophie heißen Anpasser „Second Hander“ und ihre Anpassung gilt als die bestimmte Form eines Denkfehlers, des Unvermögens, in Prinzipien zu denken. Jetzt verstehe ich endlich die Reaktionen vieler meiner Gesprächspartner, die mich so oft in den Wahnsinn getrieben haben mit ihren bizarren Antworten. Weiterlesen