Sieg Heil, Naturschutz?

In der deutschen Politik wird gerade wieder die Frage diskutiert, ob wir mehr Reichskrafttürme bauen sollten oder ob wir auf Kohle setzen müssen. „Reichskrafttürme“ war der Begriff, den die Mitbegründer der modernen grünen Bewegung für Windkrafträder gebrauchten.

Die Warnung vor dem menschengemachten Klimawandel hat ihren Ursprung ebenso bei den bodenständigen Ökologen: Ein Österreicher namens Günther Schwab malte in seinem Roman „Der Tanz mit dem Teufel“ eben diesen an die Wand, als er darin vor der Klimaerwärmung warnte. Günther Schwab bekam das Ehrenzeichen in Gold des österreichischen Naturschutzbundes, zuvor hatte er es bereits bis zum SA-Sturmführer gebracht.

Diese Zusammenhänge sind ein offenes Geheimnis, so schreibe laut einem Artikel von Michael Miersch und David Harnasch Jürgen Trittin in einem Artikel auf seiner Website, der Naturschutz sei „in mehrfacher Beziehung anschlussfähig an das Ideologienkonglomerat der Nazis“ gewesen.

In dem Artikel von Miersch und Harnasch erfährt man zudem: Alwin Seifert war ab 1940 „Reichslandschaftsanwalt“ für die Nazis, wo die Umgestaltung der deutschen „Lebensräume im Osten“ zu seinen Tätigkeiten gehörte. 1958-63 war er Bundesleiter des „Bund Naturschutz“. Er verfasste das Buch „Gärtner – Ackern, ohne Gift“, noch immer ein Bestseller und laut Amazon „eine Bibel der ökologischen Bewegung“.

Zwischen übersteigerter Naturliebe und Menschenhass scheint durchaus ein Zusammenhang zu bestehen. Dieser hat viel zu tun mit der Idee der „Reinheit“, weshalb die Nazis auch erklärten, das Judentum und die Natur wären unvereinbar.

Quelle: David Harnasch / Michael Miersch: Braune Flecken auf grünen Idealen. Focus 14/2012. Danke an Rolf Degen für den Hinweis!

Falls jemand noch nicht entzückt und mitgerissen sein sollte ob dieser differenzierten Analysen, so möge er raten, woher die folgenden Zitate stammen:

Fröhliches Zitateraten

„Der Mensch ist Teil der Natur“

(Man erinnere sich an meinen Vortrag in Leipzig, als ich darauf hinwies, dass der Mensch laut dem radikalen Ökologismus die Natur nicht beherrschen, sondern sich der Natur unterordnen soll.)

„Eine verfehlte Wirtschaftspolitik ließ Ökonomie und Ökologie in einen unnötigen Gegensatz geraten“

(Tatsächlich gibt es nur in kapitalistischen Ländern effektiven Umweltschutz; man vergleiche die verheerende Naturzerstörung seitens der Sowjetunion und Saddam Hussein im Irak. Wieder wird ein Gegensatz konstruiert zwischen einem freien, fairen und friedlichen Austausch der Menschen – dem Kapitalismus – und ihren kollektiven Interessen, in diesem Fall der Ökologie.)

„Bei der Produktion sind bestmögliche ökologische Herstellungsbedingungen zu beachten.“

(Im freien Markt würden die Konsumenten entscheiden, ob ihnen eine „ökologische“ Produktion den Mehrpreis wert ist oder nicht.)

„Der Staat hat regionale Vermarktung und Preisentwicklung im Sinne einer das Einkommen und die Existenzgrundlagen der Landwirte sichernden Entwicklung zu beachten.“

(Vgl. die europäische Agrarförderung. Der Kapitalismus steht für den freien Handel und richtet sich gegen Protektionismus der „eigenen“ Märkte eines Staates oder einer Region.)

„In Deutschland dürfen Lebensmittel nur gentechnikfrei hergestellt und angeboten werden. In Deutschland selbst muß jeglicher Gentechnikanbau unterbleiben.“

(Gentechnik ist nichts anderes als eine effektivere, genauere und sichere Methode der Züchtung, die wir schon seit Jahrtausenden betreiben und aus einer Zivilisation nicht wegzudenken ist.)

„Als Kulturnation lehnen wir aus ethischen Gründen die Erteilung von Patenten auf menschliches, tierisches und pflanzliches Erbgut ab. Jegliches natürliche Leben darf weder als Ganzes noch in Teilen privatisiert oder der Allgemeinheit vorenthalten werden.“

(Erneut sehen wir die Konstruktion eines Unterschieds zwischen individuellen und kollektiven Interessen. Genpatente würden tatsächlich die Forschung befördern und die Entwicklung von Medizin, darunter vielleicht Heilmittel gegen Aids und Krebs, erheblich beschleunigen. Die „Allgemeinheit“ würde von dieser Forschung von individuellen Erfindern enorm profitieren.)

„Zum Schutz der Natur zählen auch der Schutz des Tieres und der Erhalt der Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt“

(Wer bestimmt, welche Art zu erhalten ist und wer finanziert das? Im Kapitalismus setzen sich individuelle Menschen freiwilig für den Artenschutz ein.)

„Tiere sind keine Wegwerfware, sondern Lebewesen mit Empfindungen.“

(Erinnert sich jemand an die weinenden Kühe, über die Michael Schmidt-Salomon in seiner neuen Streitschrift Keine Macht den Doofen! schreibt?)

„Deshalb sind Tierversuche nur bei äußerster Notwendigkeit, für medizinische Zwecke, in begrenzter Zahl zu gestatten.“

(Dergleichen sagt jedenfalls Peter Singer. Meiner Einschätzung nach – und jener der Deutschen Forschungsgemeinschaft – haben Tierversuche zur Entwicklung zahlreicher Impfstoffe und weiterer Medikamente geführt, die unser Leben verlängert und es sicherer gemacht haben. Sie sind unverzichtbar, wenn uns am Wohl des Menschen mehr gelegen ist als am Wohl des Tieres. Zitat DFG: „Tierversuche sind eine wesentliche Vorraussetzung für den Fortschritt in der biologischen und medizinischen Grundlagenforschung und bilden damit die Basis für die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien zum Wohle von Mensch und Tier.“)

„Die industrielle Massentierhaltung ist abzulehnen.“

(Ob die industrielle Massentierhaltung abzulehnen ist, entscheiden die Konsumenten. Tiere haben keine Rechte, also hat der Staat kein Recht, die Massentierhaltung zu ihren Gunsten einzuschränken.)

Quelle der Zitate: Aktuelles Parteiprogramm der NPD

Literatur

http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=terrrott-21&o=3&p=8&l=as1&asins=1873176732&ref=qf_sp_asin_til&fc1=000000&IS2=1&lt1=_blank&m=amazon&lc1=971919&bc1=000000&bg1=F2E2C1&f=ifr

3 Kommentare zu “Sieg Heil, Naturschutz?

  1. geheim sagt:

    So einfach ist das ganze dann auch wieder nicht: Der Nationalsozialismus ist vieles, aber eben kein geschlossenes ideologisches Gebäude und der Naturschutz war immer zweiltrangig etwa hinter der Aufrüstung.
    Ich empfehle einen Blick in den Sammelband „How green were the Nazis?“ von Thomas Zeller. Ein Interview zum Thema findest du hier:

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36507/1.html

    Zitat:

    • derautor sagt:

      „Spätestens ab 1936 stehen die Zeichen klar auf Militarisierung und Vorbereitung auf einen Angriffskrieg. Die frühen naturschützerischen Impulse werden manchmal buchstäblich vom Militär überrollt.“ Also war der Naturschutz nicht immer schon zweitrangig hinter der Aufrüstung.

      Wie auch immer, Thomas Zeller versucht, linke von rechten Umweltbewegungen zu trennen und betont, dass die 80er Umweltbewegung, die zu den Grünen führte, eher links beeinflusst gewesen wäre, während vor den Nazis konservative Umweltgruppen vorherrschten. Laut objektivistischer Sichtweise unterscheiden sich die beiden Sozialismen aber weniger, als sie sich ähneln, also ist das für mich essenziell ein- und derselbe Quatsch.

      Welche Version des irrationalen, kollektivistischen Utopismus nun früher für den radikalen, staatlichen Naturschutz verantwortlich war, ist eher historischer Zufall. Ideenhistorisch ist es schon interessanter, dass der staatliche Naturschutz eine sozialistische Idee war – andererseits nicht gerade überraschend -, von welcher Variante auch immer – von beiden zu unterschiedlichen Zeiten, wie man gesehen hat.

  2. “Zunächst muss daher allgemein erkannt und anerkannt werden, dass bei den gegenwärtigen Geldordnungen ein grundlegender und gravierender Fehler vorliegt, der die gesamte Gesellschaft destabilisieren wird”: http://www.deweles.de/files/mathematik.pdf

    Dr. Jürgen Kremer, Prof. für Wirtschaftsmathematik

    Wenn das Geld selbst fehlerhaft ist, gibt es keine wie auch immer geartete Finanz- oder Wirtschaftspolitik, um einen sich selbst beschleunigenden Zusammenbruch des Geldkeislaufs (Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes) zu verhindern. Diese “banalste Selbstverständlichkeit” (Zitat: Silvio Gesell) seit Jahrtausenden nicht begriffen zu haben, ist eine “Leistung”, die der “hohen Politik” so schnell keine andere Disziplin nachmachen kann: http://www.deweles.de/files/untergang.pdf

    Doch wer will sich schon gern überflüssig machen:

    “Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.”

    Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

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