Wohlfeile Zeitenwende

Wir erleben eine „Zeitenwende“. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor. Im Kern geht es um die Frage, ob Macht das Recht brechen darf. Ob wir es Putin gestatten, die Uhren zurückzudrehen in die Zeit der Großmächte des 19. Jahrhunderts. Oder ob wir die Kraft aufbringen, Kriegstreibern wie Putin Grenzen zu setzen.

Olaf Scholz, Regierungserklärung vom 24. Februar 2022

Putin durfte vor dem Angriff auf die Ukraine viele Jahre lang das Recht brechen. Er hatte bereits die Krim annektiert, gezielt Zivilisten in Syrien getötet, Regimekritiker ermordet, die Pressefreiheit eingeschränkt. All das war für uns kein Anlass für irgendeine „Zeitenwende“. Und Chinas Unterbringung der Uiguren in Umerziehungslagern, die Verhaftung von Regimekritikern, die systematische Überwachung der Bevölkerung, die ständige Bedrohung Taiwans hat uns auch lange nicht interessiert, jedenfalls hat es keinerlei Folgen gezeitigt.

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„Stranger Things“: Splatter ist jetzt Familienunterhaltung

Die Netflix-Horrorserie „Stranger Things“ hat den Song „Running Up That Hill“ von Kate Bush wieder populär gemacht. Er erreichte 2022 bessere Chartplatzierungen als im Jahr der Erstveröffentlichung 1985. Auf YouTube sind unzählige Coverversionen aufgetaucht. In einem Video mit über 1,4 Millionen Aufrufen erzählt der Musiker und YouTuber Rick Beato, wie seine „Frau und Kinder“ die Serie ansahen und so auf den Song gestoßen waren. Was an alldem seltsam ist? Ihr erfahrt es gleich.

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Der Winter kommt

27.11.2014: 39 Prozent der Bundesbürger sind dafür, die Aufnahme der ukrainischen Halbinsel Krim in die Russische Föderation anzuerkennen. (Umfrage von Infratest dimap via t-online.de)

15.06.2022: „Nur 66 Prozent der Bundesbürger machen laut einer Umfrage des European Council on Foreign Relations (ECFR) Russland für den Ukraine-Krieg verantwortlich.“ (Umfrage des European Council on Foreign Relations via RND.de)

28.07.2022: 22 Prozent der Deutschen meint, dass Deutschland die Ukraine angesichts hoher Energiepreise nicht mehr unterstützen sollte. (ZDF Politbarometer)

Deutschland hat mit dem Diktator jahrzehntelang gehandelt, sich sogar von ihm abhängig gemacht. Wir wussten, wer er ist, dass er seine politischen Gegner ermorden lässt, Angriffskriege führt und Territorien annektiert. Wir haben es trotzdem getan. Jetzt bald bekommen wir die Rechnung für unseren Teufelspakt.

Die Frage ist nur, warum ich auch darunter leiden muss. Ich habe jahrzehntelang den wirtschaftlichen Boykott von Diktaturen bis hin zum Krieg gegen sie befürwortet. Ich meinte schon zur Zeit des Irakkriegs, dass Deutschland endlich seinen Nato-Beitrag zahlen muss. Es ist eine so simple Einsicht, dass Diktaturen schlecht sind. Diktaturen böse. Ganz einfach. Ausgerechnet Deutschland will es nicht begreifen.

Nun, dann erfrieren wir eben, wenn Gas und Strom ausgehen. Vielleicht begreift Deutschland es dann.

Jetzt sind die Leute verrückt über Abtreibung

Gestern waren die Leute mit hysterischem Kreischen bezüglich des Themas Transgender befasst, heute hyperventilieren sie über Abtreibung. Worum es bei Transgender überhaupt ging, weiß ich noch immer nicht genau. Die Forschung dazu ist sehr unterentwickelt. Keine Ahnung, woher andere Leute ihre Informationen beziehen, dass sie sich mit einer so vehementen Sicherheit dazu äußern.

Das Thema Abtreibung ist seit einigen Jahrtausenden Gegenstand philosophischer Betrachtungen. Leider interessieren die niemanden mehr. Wir haben einfach recht und sind moralisch überlegen mit der Liberalisierung von Abtreibung und die USA sind rückständig und auf dem Weg zurück ins „Mittelalter“. Damit ist nicht das real existierende historische Mittelalter gemeint, als die katholische Kirche die Abtreibung bis zu mehreren Wochen bis Monaten nach Empfängnis erlaubt hatte (ja, das stimmt).

Nein, offenbar geht es um ein mythologisches „Mittelalter“. Wir sind so fortschrittlich, dass wir nur noch in Mythen denken, während wir uns in unserer moralischen Überlegenheit sonnen beim hysterischen Herumkreischen.

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Der differenzierte Beitrag über Veganismus

Die Leute lesen Artikel wahnsinnig gerne selektiv. Im Falle meiner Twitter-Diskussion mit veganen Aktivisten so selektiv, dass ihre Wahrnehmung gar nichts mehr mit dem Inhalt meiner Artikel zu tun hatte. Dabei drücke ich mich eigentlich sehr klar aus. Aber wer mit wahnhaften Vorurteilen an meine Artikel herangeht, liest trotzdem Dinge hinein.

Hier also meine tatsächlichen Auffassungen über den Veganismus und „Missverständnisse“ aus mangelndem Textverständnis oder Böswilligkeit.

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Vom Neuen Atheismus zum Dialog

Graham Oppy, William Lane Craig, Cameron Bertuzzi (YouTube/Capturing Christianity)

Der Neue Atheismus hatte auch eine positive Konsequenz. Vor kurzem schrieb ich darüber, dass er zu einer antitheistischen Traditionslinie gehört, die allerlei Mythen über Religion verbreitet. Das stimmt auch und es ist mir einerseits ein wenig peinlich, dazu beigetragen zu haben. Andererseits hatte der Neue Atheismus kulturell auch einen positiven Effekt: Wir haben das Tabu zerstört, Religion öffentlich kritisieren zu dürfen. Nun befinden sich christliche Apologeten und atheistische Philosophen in einem öffentlichen Austausch auf höchstem Niveau.

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Veganismus ist anspruchsvoll

Versperrter Weg (Foto: Andreas Müller)

Mein Ausgangstweet zur jüngsten Veganer-Diskussion auf Twitter war eine Kritik an der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. Ich finde, sie überschätzt die für den Veganismus erforderliche Ernährungskompetenz der breiten Bevölkerung.

Als Reaktion darauf gab es neben allerlei Anekdoten und Beleidigungen seitens Veganern auch ein paar Links. Links zu Quellen, die allesamt meine Aussage bestätigen. Was kurios ist, aber ich mag ja Bestätigungen meiner Thesen.

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Die Stammeskrieg-Diskussionskultur

Libertäre haben auf Twitter auf meinen Beitrag gegen das „Untergrund“-Argument eingeschlagen. Sie wüteten ausschließlich gegen Thesen, die ich nie aufgestellt habe. Im Beitrag argumentiere ich weder für noch gegen ein Verbot von Drogen und Prostitution, sondern es geht einzig um das „Untergrund“-Argument. Tatsächlich hatte mir ein Kritiker sogar vorgeworfen, dass ich nur darüber rede und nicht sage, was er hören will. Pecht gehabt.

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