Epikur über den Determinismus

Ich habe viel Feedback über meinen kurzen Beitrag zum Determinismus erhalten. Das eigentliche Argument schien ein wenig unterzugehen, es ist dieses hier:

Der Determinimus leidet am „Selbstausschluss“ genannten Fehlschluss, er ist mit seinem eigenen Inhalt nicht kompatibel. Es ist ein Widerspruch zu behaupten, der Determinismus wäre korrekt, wenn er Dir keine Möglichkeit lässt, wahr oder falsch zu bestimmen.

An dieser Stelle möchte ich nur darauf hinweisen, dass der antike Philosoph Epikur auf genau dasselbe Problem mit dem Determinismus hingewiesen hat wie die Objektivisten, deren Argumentation ich im letzten Beitrag angeführt hatte.

„Wer sagt, alles geschehe mit Notwendigkeit, vermag demjenigen nichts vorzuhalten, der sagt, nicht alles geschehe mit Notwendigkeit. Denn ebendies, so behauptet er, geschehe mit Notwendigkeit.“ (Weisungen, 40)

Quelle: Epikur, Briefe – Sprüche – Werkfragmente. Herausgegeben von Hans-Wolfgang Krautz. Stuttgart 1982, S. 89.

Nun stimme ich wiederum Epikurs Position zur Willensfreiheit, eine Variante des materialistisch begründeten Indeterminismus (zufällige Bahnabweichungen der Seelenatome), nicht zu. Freiheit kann nicht auf Zufall beruhen. Wenigstens widerspreche ich mir dabei nicht selbst.

Der Determinismus widerlegt sich selbst

Tja, das war einfach. Aber der Vollständigkeit halber werde ich hier ein wichtiges Argument gegen den Determinismus erläutern, auf das ich noch keine gute Antwort gehört habe. Der Determinismus ist die Doktrin, laut der alles, was wir denken, tun, fühlen, glauben, entscheiden, etc. von Faktoren außerhalb unserer Kontrolle verursacht wird. Wir haben also in unserem ganzen Leben niemals eine Wahl.

Der Determinimus leidet am „Selbstausschluss“ genannten Fehlschluss, er ist mit seinem eigenen Inhalt nicht kompatibel.

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Rands Biologie ist nicht der große Fehler

Manche Leser haben leider den entscheidenden Fehler in der objektivistischen Metaethik falsch verstanden. Ich hätte „Biologie“ nicht in der Zwischenüberschrift zum Thema in „Ayn Rands Ethik ist falsch“ erwähnen sollen, aber die Erklärung in meinem eigentlichen Text ist korrekt.

Zwar hatte Rand falsche Vorstellungen über Biologie, aber ihr zentraler Fehler liegt nicht bei ihrer Unkenntnis der Evolution, sondern vielmehr bei der Art, wie sie von einem zu begrenzten Sein aufs Sollen geschlossen hat. Ich halte das Ableiten einer Ethik aus den Tatsachen der Realität für grundsätzlich möglich (und geboten und für die einzige Art, eine vernünftige Ethik zu begründen) und nicht zwangsweise für einen Fehlschluss – aber so, wie Rand das gemacht hat, war es leider ein Fehlschluss. Weiterlesen

Und Ethik ist trotzdem objektiv

Ich habe die Fehler von Ayn Rands Ethik differenziert dargestellt. Ich habe auch explizit klargemacht, was meiner Ansicht nach nicht aus ihren Fehlern folgt. Die meisten Repliken, die ich auf meine Beiträge über Rands fehlerhafte Ethik gelesen habe, waren vernünftig und auf ein besseres Verständnis ausgerichtet. Ich erhielt jedoch auch Zuschriften von Leuten, die offenbar nur darauf gewartet haben, dass wieder mal eine Ethik zusammenbricht, eine Welterklärung umkippt, damit sie endlich aufgeben und ihren beliebigen Launen folgen können. Da irren sie sich aber gewaltig. Weiterlesen

Ayn Rands Ethik ist falsch: Teil 2 über Kinder, Berufswahl und Pflichten

Sollten alle unsere Handlungen unserem Überleben dienen? Ayn Rands Ethik ist am persönlichen Überleben ausgerichtet, aber ich denke, das Leben hat mehr zu bieten. Wir tun gewiss viele Dinge, die unserem Überleben zuträglich oder dafür notwendig sind, wie Essen, Schlafen und auf unsere Gesundheit achten, doch es gibt auch viele bedeutende Werte im Leben wie gutes Essen (nicht unbedingt dasselbe wie nahrreiches Essen), Sex und Kinder haben, den Sonnenuntergang betrachten, die nicht oder nicht nur unserem Überleben dienen – ja, die unserem eigenen Überleben sogar schaden können (wie Kinder, die viele Ressourcen verschlingen).

Hier möchte ich nun an den ersten Teil anschließen und näher ausführen, warum Ayn Rands objektivistische Ethik falsch ist. Dabei teile ich Ari Armstrongs Analyse in „What’s Wrong With Ayn Rand’s Ethics„, ergänze sie aber um eigene Argumente und um weitere Aspekte. Ich nenne auch persönliche Beispiele, wie man sich mit Ayn Rands Ethik schaden kann. Mein wichtigster eigener Beitrag ist die Identifikation von Rands Ethik als das, was sie explizit am stärksten abgelehnt hat: Ayn Rands Ethik ist eine Pflichtethik. Weiterlesen

Ayn Rands Ethik ist falsch

Ayn Rands objektivistische Ethik ist in fundamentalen Bereichen fehlerhaft und insgesamt grundlegend falsch. Das habe ich nun dank eines neuen Buches des US-amerikanischen Denkers Ari Armstrong erkannt. Er war es, der mich vor vielen Jahren in den Objektivismus eingeführt hat und da ist es nur angemessen, dass er es ist, der mich nun wieder herausführt. Oder zumindest aus bestimmten Aspekten des Objektivismus.

Im Folgenden soll aufgezeigt werden, worin der Fehler besteht, welche Folgen er hat und wie eine mögliche Alternative zur objektivistischen Ethik aussehen könnte. Rands Gegner sollten sich dabei nicht zu früh freuen, denn jede vernünftige Ethik muss nach meinem Dafürhalten weiterhin objektiv sein. Ethik muss also logisch aus Tatsachen der Realität abgeleitet werden – leider ist Ayn Rand dies aber nicht vollumfänglich gelungen.

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