Zeitalter der Waschweiber

Jean-Baptiste Siméon Chardin: Waschfrau (gemeinfrei)

Jean-Baptiste Siméon Chardin: Waschfrau (gemeinfrei)

Dieter Nuhr äußerte sich vor einer Weile über die “Shitstorms” in den sozialen Medien. Das sind Empörungswellen, die über Menschen hereinbrechen, die etwas Fragwürdiges sagen, die etwas Unbedachtes notieren, etwas bei bestimmten Leuten Unpopuläres, etwas, das eigentlich harmlos ist, aber missverstanden wird oder einfach nur irgendetwas, aus dem sich ein Skandal fabrizieren lässt. Der politische Diskurs nähert sich generell einem Troll-Kampf im Internet an. Weiterlesen

Die Erde ist wertlos ohne den Menschen

"Die Erde ist wertlos ohne den Menschen" (Denis Diderot, Bild von Andreas Müller für NovoArgumente)

“Die Erde ist wertlos ohne den Menschen” (Denis Diderot, Bild von Andreas Müller für NovoArgumente)

Heute sieht man das anders:

“Die Menschen haben sich wie ein Krebsgeschwür verbreitet. Wir sind die schlimmste Pest auf dem Angesicht der Erde.” (Ingrid Newkirk, Gründerin der Tierrechtsorganisation PETA)

“Das Leben einer Ameise und das meines Kindes sollte man gleich gewichten.” (Dr. Michael W. Fox, Vizepräsident der Humane Society der Vereinigten Staaten)

“Wir sind wie eine Heuschreckenplage, die alles verschlingt, was sie sieht und dann abkratzt.” (Sir David Attenborough, britischer Dokumentarfilmer)

Der Mensch ist “raubtierhaft und zerstörerisch”, es ist “nicht offenkundig, dass er weiterleben sollte” und sein Leben “ist nicht bedeutender als das eines Schleimpilzes.” (John Gray, Philosoph, bis 2008 Inhaber des Lehrstuhls für europäische Ideengeschichte an der London School of Economics)

Und darum habe ich dieses Magazin und mein gesamtes Schaffen der Aufklärung und dem Humanismus gewidmet. Ich möchte ideologisch nicht in unserer Zeit leben.

Radelsführer

(Ergänzung) So, jetzt ist Fahrrad fahren eine Ideologie. Die Frage, was als nächstes kommt, kann man sich ersparen, wissen wir doch, dass irgendeine beliebige andere, einst ideologiefreie, normale Tätigkeit bald ideologisiert wird und wir können unmöglich wissen, was als nächstes über uns hereinbricht. Es könnte das Laufen auf zwei Beinen sein, das Leute diskriminiert, die nur ein Bein haben oder lieber auf nur einem Bein humpeln. Es könnte alles sein. Es ist ein bisschen wie in Stalins Russland, als ständig neue willkürliche Gesetze eingeführt wurden und wer sich nicht daran hielt, wurde erschossen oder es ging nach Sibirien. Wenigstens habe ich auf jegliche Hitlervergleiche verzichtet. Weiterlesen

Der Geist der Aufklärung

Zu den Beiträgen, die ich seit dem Blog-Crash nicht retten konnte, gehört meine Sammlung von “Novo-Memen”, wie wir (die Redaktion von NovoArgumente) sie nennen. Das sind Bilder, die den Geist der Aufklärung und auch die Redaktionslinie von NovoArgumente auf den Punkt bringen sollen. Die grundlegenden Fotos stammen nicht von mir, aber ansonsten habe ich alles daran, inklusive der furchtbaren Ideen, selbst zu verantworten. Hier habe ich meine persönlichen Favoriten ausgewählt. Ich habe außerdem jeweils ein paar Worte dazu geschrieben.

Novo_Mem_Condorcet

Das vielleicht unpopulärste Mem. Es widerspricht dem Zeitgeist offenbar dermaßen stark, dass kaum jemand etwas damit anfangen kann. Es bringt außerdem meine eigene Lebensphilosophie am besten zum Ausdruck: Unablässige Selbstverbesserung. Es gruselt mich, dass es auf so wenig Gegenliebe stößt und ich frage mich, was die Leute mit ihrem Leben machen, wenn nicht die eigene Perfektionierung? Zugegeben habe ich das Ausschneiden des Kopfes nicht so toll hinbekommen, inzwischen verwende ich dafür eine virtuelle Schablone und keinen digitalen Zeichenstift mehr. Ich dachte, es wäre irgendwie originell, die Köpfe jeweils auf unterschiedliche Art auszuschneiden. Aber es sieht wohl eher einfach nicht so gut aus.

 

Novo_Mem_Zukunft

Die objektivistische Philosophie ist weniger zukunftsfixiert, sondern besagt, dass man das Beste aus seinem Leben im Hier und Heute (also während der ganzen Lebensszeit, nicht wörtlich nur Hier und Heute) machen soll. Novo möchte mit diesem Mem seine zukunftsoptimistische Haltung ausdrücken. Die Freiheit erlaubt es uns, das menschliche Leben durch neue Technik und wirtschaftliche Entwicklung immer weiter zu verbessern. Stimmt natürlich. Vielleicht habe ich es schon als Selbstverständlichkeit zu den Akten gelegt, obwohl unsere Zeit pessimistisch und technikfeindlich ist und es wohl für viele andere Menschen keineswegs selbstverständlich ist.

 

Novo_Mem_Reid_groß

Dieses Mem hat große Zustimmung erfahren. Ich habe es gestaltet, weil mir die Evolutionsbiologen und Neurowissenschaftler und gewisse Philosophen extrem auf die Nerven gehen, die sich für besonders schlau und gebildet und anderen überlegen erachten, weil sie die Willensfreiheit leugnen. Vielleicht sind sie gar nicht so toll, wie sie glauben. Und vielleicht ist die Leugnung der Willensfreiheit nicht die einzige Position, die von Aufklärungsphilosophen vertreten wurde.

 

Novo_Mem_Weg_frei

Man wünscht seinen Kindern das Beste, dass sie ein schönes Leben haben und ihre Ziele erreichen. Man darf ihnen dabei keine Hindernisse in den Weg bauen. Jeder Mensch muss frei sein, dass er seinen eigenen Weg gehen kann.

 

Novo_Mem_Mensch_im_Zentrum

Der Mensch steht heute nicht mehr im Zentrum von Ethik und Politik. Stattdessen ist es die ungenutzte und unberührte Natur, die vielen wichtiger erscheint. Für Novo und andere traditionelle Humanisten steht der Mensch weiterhin im Zentrum. Mir persönlich gefallen die romantische Kulisse und der heldenhafte Mensch in der Mitte, der erfolgreich einen Gipfel erklommen hat.

 

Novo_Mem_Fortschritt

Den Fortschritt abzulehnen ist im Grunde absurd, denn wenn etwas schlecht ist, ist es kein Fortschritt. Fortschritt ist ist ein Begriff mit einer positiven Denotation, nicht nur Konnotation. Trotzdem bekommen es heute viele Menschen gebacken, den Fortschritt abzulehnen, vor allem den technischen Fortschritt wie Gentechnik und Atomkraft. Zwei der drei erfolgreichsten Filme bislang, Avatar und Jurassic World, sind dezidiert fortschrittsfeindlich.

 

Novo_Mem_Locke

Können wir alles wissen? Das ist gar nicht so wichtig. Wir können alles wissen, was wir zum Leben brauchen. Die Vernunft genügt für alle unsere Zwecke. Meiner eigenen Meinung nach ist sie sogar unbegrenzt und wir können alles in Erfahrung bringen.

 

Novo_Mem_Zeitgeist

Bei Novo gibt es in Zukunft keine Kinderzeichnungen wie diese mehr, sondern nur noch ernsthafte Fotos. Aber wer sagt das jetzt dem Mädchen auf dem Bild?

 

Novo_Mem_Inländer

Da wussten einige Leute nicht, was sie mit dem Mem anfangen sollen. Will da jemand Ausländer aus Lebkuchen backen? Ist das ein rassistisches Kitschbild? Tatsächlich stammt es von einem schwarzen Amerikaner, der seine Familie aus Lebkuchen nachgebacken hat. Ich finde das total sympathisch und nett. Den Spruch habe ich mir in einem Anflug von Marketing-Texter-Syndrom ausgedacht.

 

Novo_Mem_Freiheit

Das treibt einem doch die Tränen in die Augen, oder? Wäre auch besser so, dafür war eine gute Portion Fotobearbeitung nötig. Ich finde, das Bild drückt den Freiheitsgedanken rührend aus.

 

Novo_Mem_Jefferson

Das Mem hat neben der universellen Aussage auch einen persönlichen Hintergrund. Als ich mich dem Liberalismus zuwandte, verlor ich praktisch sofort alle Freunde. Der ausschlaggebende Faktor war offenbar meine Idee, die Infrastruktur zu privatisieren. Da entblößen sich Leute als linksliberale Kultisten, die man seit zehn Jahren kennt und niemals dafür gehalten hätte. Ein guter Freundschaftstest: Tut einfach mal so, als wärt ihr liberal geworden und seht, wer übrig bleibt.

 

Novo_Mem_Paine

Der Kampf zwischen Freiheit und Unterdrückung ist auf psychologischer Ebene vielleicht ein Kampf zwischen dem Willen zu Leben und der Furcht vor dem Leben. Steht jedenfalls in den Green-Lantern-Comics.

Aus der Asche

Phoenix-Fabelwesen

Phönix-Darstellung in Friedrich Justin Bertuchs Bilderbuch (Gemeinfrei)

Das Feuerbringer-Magazin ist wieder da.

Es ist weiterhin über feuerbringer-magazin.de erreichbar, das zur neuen URL feuerbringer.wordpress.com führt.

Warum war es wochenlang verschwunden? Ich hatte immer wieder Probleme wegen Hackerangriffen auf das Magazin. Ironischerweise ist das Feuerbringer-Magazin am Ende durch ein fehlerhaftes Plugin zerstört worden, als ich mit genügend Sicherheitsmaßnahmen die Angriffe in den Griff bekommen hatte. Ich konnte es selbst durch ein Umschreiben diverser Codezeilen nicht mehr retten.

Was ihr hier lest, ist eigentlich mein alter Blog, den ich mit einer Backup-Datei um neue Inhalte ergänzt habe. Außerdem habe ich das Design auf den neuesten Stand gebracht und die wichtigsten Links angepasst.

Das neue Feuerbringer-Magazin liegt nicht auf meinem eigenen Server, er ist also nicht selbst “gehostet”. Dadurch erspare ich mir hoffentlich die ganzen Scherereien mit inkompatiblen Plugins und Hackerangriffen. Als Sicherheitsmaßnahme habe ich den Kommentarbereich abgestellt. Der war seit Jahren das Haupteinfallstor für Hacker und hatte mir zuvor schon einmal den Blog zerstört. Damals konnte ich ihn noch einmal retten, aber nur in Zusammenarbeit mit dem Host, der diesmal nur bedingt eine Hilfe war.

Wenn ihr euch fragt, warum ich mit Fachbegriffen aus dem Webdesign um mich werfe, kann ich nur sagen, dass ich mich das seit Jahren auch frage. Ich weiß inzwischen als Autor, als Ersteller von Inhalten zu viel über das Thema. Leider ist das Internet ein äußerst gefährlicher Ort für Leute, die sich nicht sehr genau mit Webdesign und sogar Programmieren auskennen, sofern sie eine Seite vollständig selbst in der Hand haben möchten. Ich verzichte auf die Privilegien und begnüge mich nun mit einem üblichen WordPress-Blog. Ihr werdet den Unterschied kaum bemerken. Abgesehen von Werbung, die WordPress hier manchmal einblendet.

Ansonsten möchte ich in Zukunft verstärkt auf meine Philosophie-Seminare setzen und deren Besucher mit informativen Materialien versorgen. Ich habe mir ein paar schöne exklusive Dinge ausgedacht, also bleibe man nunmehr gespannt. Ob ich es im August noch schaffe mit dem nächsten Seminar, weiß ich nicht, weil leider der große Crash des Magazins dazwischenkam. Aber lange dauert es nicht mehr.

Die armen Indianer

Kommentar auf Facebook über die Tafel in der Freiheitsstatue, die Immigranten willkommen heißt (“Gebt mir eure Müden, eure Armen, Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren…”):

ich frage mich einfach, ob die geknechteten massen, die da herbeiströmten um frei atmen zu können, dies auch gekonnt hätten, ohne dafür ein anderes volk zu knechten und auszulöschen.

Meine Antwort:

Ich weiß nicht, welches Volk zu meinst – die amerikanischen Ureinwohner bestanden wie die afrikanischen Sklaven aus verschiedenen Stämmen, das ist kein “Volk” (eine typisch deutsche Idee). Wie bei primitiven Gesellschaften üblich kannten diese Stämme keine individuellen Rechte, die erst die “bösen amerikanischen Imperialisten” etabliert haben. Rechte, die den individuellen Bürger etwa davor schützen, dem Sonnengott geopfert, als Sklave verkauft (die schwarzen Sklaven wurden größtenteils von den afrikanischen Stammeshäuptlingen an die Engländer verkauft) oder an den Marterpfahl gehängt zu werden oder in einem der unendlichen, unzähligen Stammeskriege zwischen den edlen Wilden umzukommen.

Abgesehen von fortschrittlichen politischen Institutionen, die zu Freiheit und Wohlstand beitrugen, brachten die europäischen Einwanderer moderne Technologie, Medizin und Landwirtschaft, schließlich die Industrialisierung mit. Wo zuvor die Ureinwohner nur im Schnitt um die 30 Jahre alt wurden und eine für uns unbegreiflich hohe Kindersterblichkeit hatten, werden sie nun so alt wie alle anderen und können Unternehmen gründen, wie andere Amerikaner in modernen Unternehmen arbeiten, am Wohlstand teilhaben.

Schließlich waren es die Amerikaner und die Engländer, die die Sklaverei abgeschafft haben, während sie anderswo (etwa in der islamischen Welt und in Stammeskulturen) weiter existierte und teilweise weiter existiert. All diese Dinge müsste man ebenso erwähnen, wenn man von amerikanischen Vergehen gegen Ureinwohner und Sklaven spricht.