Aus dem „Katechismus der Deutschen“

Ich möchte hier meine drei Lieblingskapitel aus Heinrich von Kleists „Katechismus der Deutschen“ aus dem Jahr 1809 zitieren. Kleist formuliert darin mächtige Gedanken, die zum Nachdenken anregen und die ich nicht vergessen kann, seit ich sie zum ersten Mal gelesen habe. Es geht um die Fragen: „Warum sollten wir unser Vaterland lieben“?, „Wie ist der zu bewerten, der zu grundlegenden Fragen keine Partei ergreift?“ und „Welches Opfer ist die Freiheit wert?“ Weiterlesen

Was die Willensfreiheit nicht ist

Die Willensfreiheit ist angeblich irgendein mystischer Unsinn wie Gott oder Unsterblichkeit. Diese drei Ideen wollte Immanuel Kant jedenfalls im selben Atemzug verteidigen, als hätten sie es gleichermaßen nötig. Heute haben sich vor allem viele Naturwissenschaftlicher von der Idee der Willensfreiheit abgewandt. Ich denke, sie irren sich damit, aber ich stimme ihnen insoweit zu, als bestimmte Ideen darüber, was die Willensfreiheit sein soll, unplausibel sind.

Ich denke, dass die Willensfreiheit nicht übernatürlich oder übernatürlichen Ursprungs ist, sie geht nicht auf Zufall zurück (Indeterminismus), sie ist nicht außerhalb der Kausalität verortet, sie ist keine Substanz und sie gilt auch nicht zugleich mit dem Determinismus („Kompatibilismus“). Was bleibt da überhaupt noch übrig? Das verrate ich im nächsten Beitrag zum Thema. Hier geht es erst einmal darum, was die Willensfreiheit alles nicht ist und warum. Weiterlesen

Der grüne Nervenzusammenbruch

Der Öko-Glaube der Deutschen hat als weltliche Religion den Nachteil, dass man nicht einmal darauf hoffen kann, erlöst zu werden oder in den Himmel zu kommen.

Zu meinem neuen Artikel bei Novo: Der grüne Nervenzusammenbruch

Ich meinte ja, dass ich mich nur noch im Zusammenhang mit kulturellen Analysen mit der Tagespolitik befassen würde und nicht mehr in Form von kurzen Kommentaren hier im Blog. Der neue Novo-Artikel ist ein Beispiel für eine kulturelle Analyse. Es geht darin nicht um die Kommentierung einzelner tagesaktueller Ereignisse (wie „Das Dieselverbot ist dumm“), sondern um eine Analyse der größeren Zusammenhänge. Viel Spaß mit Der grüne Nervenzusammenbruch.

Ayn Rands Ethik ist falsch: Teil 3 über individuelle Rechte

Wir sollten die Rechte unserer Mitbürger respektieren. Wir können demnach tun und lassen, was wir möchten, solange wir andere nicht in derselben Freiheit einschränken. Die US-amerikanische Philosophin Ayn Rand führt für diese radikal-liberale Position eigene, auf einer egoistischen Ethik beruhende Argumente an. Eine solche Achtung der individuellen Rechte anderer Menschen sei Rand zufolge in unserem eigenen Interesse.

Zwar nennt die Denkerin überzeugende, in der Regel kaum beachtete egoistische Gründe für die Achtung individueller Rechte, doch sie gelten nur innerhalb einer Gesellschaft, wo der Respekt für die Rechte anderer bereits konsequent durch Institutionen geschützt wird. Und das ist ein ernsthaftes Problem. Eine solche Gesellschaft existiert nämlich nicht. Weiterlesen

Epikur über den Determinismus

Ich habe viel Feedback über meinen kurzen Beitrag zum Determinismus erhalten. Das eigentliche Argument schien ein wenig unterzugehen, es ist dieses hier:

Der Determinimus leidet am „Selbstausschluss“ genannten Fehlschluss, er ist mit seinem eigenen Inhalt nicht kompatibel. Es ist ein Widerspruch zu behaupten, der Determinismus wäre korrekt, wenn er Dir keine Möglichkeit lässt, wahr oder falsch zu bestimmen.

An dieser Stelle möchte ich nur darauf hinweisen, dass der antike Philosoph Epikur auf genau dasselbe Problem mit dem Determinismus hingewiesen hat wie die Objektivisten, deren Argumentation ich im letzten Beitrag angeführt hatte.

„Wer sagt, alles geschehe mit Notwendigkeit, vermag demjenigen nichts vorzuhalten, der sagt, nicht alles geschehe mit Notwendigkeit. Denn ebendies, so behauptet er, geschehe mit Notwendigkeit.“ (Weisungen, 40)

Quelle: Epikur, Briefe – Sprüche – Werkfragmente. Herausgegeben von Hans-Wolfgang Krautz. Stuttgart 1982, S. 89.

Nun stimme ich wiederum Epikurs Position zur Willensfreiheit, eine Variante des materialistisch begründeten Indeterminismus (zufällige Bahnabweichungen der Seelenatome), nicht zu. Freiheit kann nicht auf Zufall beruhen. Wenigstens widerspreche ich mir dabei nicht selbst.