Lektionen für respektvolle Männer

Reed Richards: „Wir haben deine albernen weiblichen Ausbrüche genossen, aber jetzt ist keine Zeit für solche Spielchen.“

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht. Aber überall, wo ich einer Frau ansichtig werde, prüfe ich zunächst kritisch, ob sie mich vergewaltigen möchte. Denn wenn sie das macht, habe ich praktisch keine Chance vor Gericht, dass sie dafür verurteilt wird. Die Gerichte sind nämlich von Agenten des feministischen Matriarchats besetzt. Es wäre daher wahrscheinlicher, dass ich verurteilt werde als sie. Ich hätte sie mit meinem guten Aussehen quasi zur Tat genötigt, wird man sagen.

Das soll nun nicht bedeuten, dass alle Frauen alle Männer die ganze Zeit über vergewaltigen möchten. Gewiss nicht. Ich denke, es ist eher die Hälfte. Weiterlesen

Nachschub für Kapitalisten im Feuerbringer-Shop

Zur Abwechslung habe ich den hiesigen Feuerbringer-Shop mit neuen Produkten bereichert. Einmal mehr stelle ich meine Eignung als Menschen- und Tierliebhaber unter Beweis:

Traurige Eisbären treiben auf ihren einsamen Schollen dahin. Der Klimawandel hat ihnen zugesetzt. Mit diesem T-Shirt bringen Sie Ihre Gleichgültigkeit über das Schicksal der Eisbären eindrucksvoll zum Ausdruck.

Soziale Gerechtigkeit bedeutet, progressiv für seinen Erfolg bestraft zu werden. Je mehr man für sich selbst und für die Gesellschaft tut, desto höher fällt die Strafe aus, die man dafür zahlen muss.

„Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet“, sagte Jesus Christus. „Richte und sei bereit, gerichtet zu werden“, antwortete Ayn Rand. Besonders passend auf einem iPad-Schutzcover, denn die iPads werden gerne geklaut.

Gibt es eine individuelle Verantwortung für die Klimaschädigung?

Heimatlose Eisbären sind mir egal. Aber gute Argumente sind stets willkommen. (Foto: morguefile.com)

Heimatlose Eisbären sind mir egal. Aber gute Argumente sind es nicht. (Foto: morguefile.com)

Kann man einen individuellen Menschen für seinen Anteil an der Klimaschädigung durch CO2 verantwortlich machen? Und wenn ja, welche Folgen sollte dies für ihn haben? Über diese Frage führten der Volkswirt Ulrich Berger und ich eine Debatte im hiesigen Feuerbringer-Magazin. Mit diesem Beitrag räume ich ein, diese Debatte insgesamt verloren zu haben. Herr Berger hatte die besseren Argumente. Weiterlesen

Widerlegt das Gefangenendilemma den Egoismus?

Peter Singer: Eine Darwinistische LinkeIn seinem Buch A Darwinian Left: Politics, Evolution, and Cooperation nutzt der Philosoph Peter Singer die Evolutionsbiologie, um ein Konzept für eine moderne politische Linke auszuarbeiten. Als Vertreter einer altruistischen Ethik führt Singer in diesem Buch das Gefangenendilemma, ein Modell aus der Spieltheorie (mathematische Ökonomie), als Beweis an, dass sich die egoistische Ethik selbst widerlege. Er schreibt:

„[Das Gefangenendilemma] zeigt, dass das Ergebnis rationaler, eigeninteressierter Entscheidungen von zwei oder mehr Individuen sie alle schlechter stellen kann, als wenn sie nicht ihr kurzzeitiges Eigeninteresse angestrebt hätten. Die individuelle Verfolgung des Eigeninteresses kann kollektiv selbstzerstörerisch sein.“ (S. 48)

Wie sie formuliert ist, würde ich dieser Aussage zustimmen. In der Tat führt das Handeln im kurzfristigen Eigeninteresse weder zum eigenen Wohl noch zum Wohl irgendeiner Gruppe. Das sieht die objektivistische Ethik ebenso. Im Grunde wüsste ich gerne, welcher Moralphilosoph das anders sieht oder jemals anders gesehen hat.

Möglicherweise hat es in der sensualistischen Strömung der Aufklärung, den frühen Verteidigern des „Kapitalismus“ manche gegeben, die in eine solche Richtung gegangen sind. Unter den Anarchokapitalisten scheinen sich auch noch einige zu finden, die das so ähnlich sehen. Aber diese Ideen sind philosophisch so gut wie bedeutungslos und wenn Menschen im kurzfristigen, subjektiven, gefühlsgesteuerten Eigeninteresse handeln, dann meistens doch eher, weil sie keine Prinzipien haben, und nicht, weil sie einer bestimmten Philosophie folgen (außer vielleicht einer solchen, die sagt, es wäre gut, keine Prinzipien zu haben, wie etwa der Pragmatismus).

Immerhin ist das noch weit entfernt vom wohl absurdesten Argument gegen den rationalen Egoismus, das sich der berühmte zeitgenössische Philosoph Derek Parfit ausgedacht hat: Laut dem rationalen Egoismus sei es unvernünftig, für die eigene Rente vorzusorgen, weil es keinen Grund gebe, jetzt auf einen Vorteil zu verzichten, um dem zukünftigen Selbst einen Gefallen damit zu tun – weil das zukünftige Selbst eine andere Person sei als das jetzige Selbst. Einer anderen Person etwas Gutes zu tun und dafür selbst auf etwas zu verzichten, wäre eher altruistisch als im rationalen Eigeninteresse. Und die Leute fragen mich, was ich an moderner Philosophie auszusetzen habe!

Wirklich alle Versuche, an John Lockes Argumentation, was die menschliche Person auszeichne (Kontinuität über die Zeit, etc.), vorbei zu argumentieren, führen zu bizarren Albernheiten, bis hin zur Leugnung, dass etwas wie eine Person überhaupt existiere. Eine Idee, die gerade heute beliebt ist und  sicherlich auf die ganzen Nicht-Entitäten zutrifft, die sie vertreten.

Genug mit der Abschweifung und zurück zum Gefangenendilemma. Im Folgenden werde ich darlegen, wie das Dilemma lautet, was es bedeutet, wo es in der Praxis eine Rolle spielt („Tragedy of the Commons“) und warum es den Kapitalismus und die objektivistische Philosophie nicht betrifft.

Widerlegt das Gefangenendilemma den Egoismus?

Hier ist das Dilemma:

Das Gefangenendilemma sperrt den Verstand anderweitig vernünftiger Menschen hinter Gitter (morguefile.com)

Das Gefangenendilemma soll ein Argument für den Altruismus darstellen (morguefile.com)

Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Beide Gefangene werden in getrennten Räumen verhört und haben keine Möglichkeit, sich zu beraten bzw. ihr Verhalten abzustimmen. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt sechs Jahre. Wenn die Gefangenen sich entscheiden zu schweigen (Kooperation), werden beide wegen kleinerer Delikte zu je zwei Jahren Haft verurteilt. Gestehen jedoch beide die Tat (Defektion), erwartet beide eine Gefängnisstrafe, wegen der Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden jedoch nicht die Höchststrafe, sondern lediglich von vier Jahren. Gesteht nur einer (Defektion) und der andere schweigt (Kooperation), bekommt der erste als Kronzeuge eine symbolische einjährige Bewährungsstrafe und der andere bekommt die Höchststrafe von sechs Jahren.

In diesem Szenario würden beide Gefangene gestehen (Defektion), wenn sie eine möglichst geringe Haftstrafe anstreben. Sie bekommen dann vier Jahre Haft. Geringer wäre die Haftstrafe, wenn sich beide entscheiden würden zu schweigen (Kooperation). Das funktioniert nur, wenn es beide tun, sonst bekommt der eine Gefangene eine einjährige Bewährungsstrafe und der andere die Höchststrafe von sechs Jahren.

Das Gruppeninteresse weiche hier also vom Einzelinteresse der Individuen ab, sagen Ökonomen. Die Implikation ist, dass wir manchmal in unserem eigenen Interesse entgegen dem handeln sollten, was uns vernünftigerweise als unserem eigenen Interesse dienlich erscheint. Wir sollten etwas tun, von dem wir glauben müssen, dass es uns schadet, weil es uns tatsächlich nützt. Und das, was wir tun sollen, ist uns nach bestem Wissen und Gewissen selbst zu schaden, indem wir mit anderen kooperieren. Am Ende ist das auch für uns das Beste.

Was man damit nun als individueller Mensch anfangen soll, ist die Frage. In der Mischwirtschaft ist das Gefangenendilemma gelegentlich anzutreffen, im reinen Kapitalismus zumindest viel seltener.

Tragedy of the Commons: Das Dilemma in der Praxis

Die "Tragödie der Gemeingüter" (Implikation des Gefangenendilemmas) ist kapitalistischen Philosophen bekannt. Tibor Machan widmete dem Thema ein Buch.

Die „Tragödie der Gemeingüter“ (Implikation des Gefangenendilemmas) ist kapitalistischen Philosophen bekannt. Tibor Machan widmete dem Thema ein Buch.

Das Gefangenendilemma wird als Argument gegen das Handeln im rationalen Eigeninteresse angeführt. In der Praxis findet man es in abgewandelten Formen als Trittbrettfahrerproblem bei Gemeingütern vor. Das bedeutet, es bezieht sich gerade nicht auf den Kapitalismus, wo sich die Produktionsfaktoren in Privateigentum befinden. Vielmehr wurde das Trittbrettfahrerproblem häufig als einer der Gründe für das Scheitern des Sozialismus angeführt: Wenn jeder bekommt, was er benötigt, unabhängig davon, wie viel Arbeit er investiert, dann wird jeder möglichst wenig arbeiten und möglichst viel „benötigen“.

Nun gibt es auch innerhalb marktwirtschaftlich organisierter Gesellschaften Gemeingüter, darunter: Die natürliche Umwelt (eine „gesellschaftliche Ressource“).

Überfischung

Ein reales Beispiel für die Tragödie der Gemeingüter ist die Konkurrenz zwischen Fischern um die Fische im Meer. Der Grund für Überfischung besteht darin, dass das Meer als Gemeingut angesehen wird und wenn jeder Fischer im Eigeninteresse handelt, dann fischt er so viel, wie es geht, und zwar schneller als die anderen – bevor die Fische weg sind.

Das führt zur Überfischung der Ozeane. Die Fischer würden davon profitieren, wenn sie stattdessen kooperieren und sich absprechen würden, nur eine bestimmte Menge zu fischen, damit sich der Fischbestand erholen kann. Hier erkennt man auch einen Unterschied zum Gefangenendilemma: Den Fischern ist das Problem der Überfischung bekannt und sie könnten sich mit anderen Fischern absprechen. Die Gefangenen wissen hingegen nicht, was der andere Gefangene tut, sie können sich nicht absprechen und sie können daher nicht das beste Ergebnis durch Kooperation erreichen.

Da Fischer aber aus verschiedenen Ländern und von verschiedenen Orten kommen und für verschiedene Unternehmen arbeiten, ist das mit der Kooperation trotzdem nicht einfach. Außerdem: Was, wenn ein neuer Fischer dazukommt und sich nicht an die Fischquoten hält, auf die man sich mit dem Fischerkartell geeinigt hat? Schließlich gehören dem hypothetischen Fischerkartell nicht das Meer und nicht die Fische. Seine Mitglieder können also niemanden effektiv davon abhalten, doch mehr zu fischen, als abgesprochen wurde. Eben weil das Meer und die Fische Gemeingüter sind.

Also sollte man eben die Fische privatisieren.

Öffentliche Schulen

Wie kann man die Bildung in einer kapitalistischen Gesellschaft gestalten? Diesem Thema hat Machan einen Sammelband gewidmet.

Wie kann man die Bildung in einer kapitalistischen Gesellschaft gestalten? Diesem Thema hat Machan einen Sammelband gewidmet.

In unserer Gesellschaft ist mehr als nur die natürliche Umwelt Gemeingut, nämlich auch „öffentliche Güter“ wie öffentliche Bibliotheken, Schulen und die Infrastruktur. Um gesellschaftliche Ressourcen herrscht Konkurrenz – verschiedene Fischer wollen möglichst den anderen zuvorkommen – und um öffentliche Güter nicht oder nur bedingt.

Wie sich das Trittbrettfahrerproblem bei Gemeingütern („tragedy of the commons“) bei öffentlichen Schulen unter anderem auswirkt, habe ich meiner Schulzeit mit der Lehrkraft besprochen, die mit der Ausleihe der Schulbücher befasst war. Der Lehrer war frustriert und wütend, weil die Schüler keinen großen Anreiz hatten, auf die Bücher achtzugeben. Auch die Eltern haben sie nicht dazu angehalten, die Bücher sorgfältig zu behandeln. Und so gab es jedes Mal einen Kampf um halbwegs brauchbare, nicht vollgekritzelte Schulbücher. In Harry Potter und der Halbblutprinz gibt es eine witzige Szene, in der sich Ron und Harry um eine Ausgabe des Zaubertränke-Buches streiten, die sich um dasselbe Thema dreht:

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=VmyCIY0mZsI[/tube]

Der Grund für die mangelnde Sorgfalt beim Umgang mit den Schulbüchern ist die Tatsache, dass die Schüler die Bücher umsonst bekommen, sie jedem gehören und sie wieder zurückgegeben werden müssen. Der individuelle Schüler interessiert sich nur für sich selbst und nicht für „nachfolgende Generationen“ von Schülern, wie uns Ökologen in einem anderen Zusammenhang ermahnen. Als Lösung für das Problem schlagen manche Strafen vor. Wer ein Buch zerstört, muss es bezahlen. Das Ergebnis davon war, dass jeder sein Buch gerade so sehr kaputt gemacht hat, dass es deutlich schlechter ausgesehen hat als vorher, aber auch so, dass er es noch nicht bezahlen musste.

Klar, nicht alle Menschen sind dermaßen beschränkt. Ich habe so gut wie nie in meine Schulbücher gekritzelt oder sie sorglos behandelt. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass genügend Menschen die Gelegenheit ergreifen werden, möglichst alles zu zerstören, was sie zerstören können, solange sie dafür keine negativen Folgen spüren.

Der Lehrer, mit dem ich über das Problem sprach, hatte seine Großzügigkeit hinter sich gelassen. Er forderte, dass die Eltern für die Schulbücher eine Leihgebühr bezahlen und wenn die Kinder das Buch beschädigen, dann den vollen Kaufpreis.

Ich fragte ihn, wie Eltern mit einem geringen Einkommen die Leihgebühr bezahlen sollten – und die ganzen anderen Gebühren, die er sich inzwischen für andere Schulbelange überlegt hatte; er war auch für die Lagerung der Schulmöbel zuständig. Er meinte, einkommensschwache Kinder könnten auch von privaten Stiftungen gefördert werden, gab aber zu, dass dies ein Problem darstellen könne. Tatsache ist jedoch: Wer sich Kinder nicht leisten kann, soll vernünftigerweise auf Kinder oder zu viele Kinder verzichten. Andere Eltern über die Umwege von Steuern für die Zerstörungslust der eigenen Kinder zahlen zu lassen, ist unethisch.

Die Wikipedia-Beispiele

Der Fischereiökonom Rognvaldur Hannesson befasst sich mit der Privatisierung der Meere

Der Fischereiökonom Rognvaldur Hannesson befasst sich mit der Privatisierung der Meere

Ich soll mir die Beispiele auf Wikipedia anschauen, wenn ich nicht glaube, dass es das Gefangenendilemma in der Realität so gibt, meinte der Volkswirt Ulrich Berger. Also habe ich das nunmehr getan. Hier meine Antworten (ähnliche Fälle ausgelassen):

1. Aufrüstung

Vereinbaren beispielsweise zwei Länder eine Rüstungskontrolle, so wird es immer individuell besser sein, heimlich doch aufzurüsten. Keines der Länder hält sich an sein Versprechen und beide sind durch die Aufrüstung schlechter gestellt (höheres Gefahrenpotential, höhere ökonomische Kosten), allerdings besser, als wenn nur der jeweils andere aufrüstete (Gefahr einer Aggression durch den anderen).

Eines der verfeindeten Länder ist nicht schlechter gestellt als das andere, wenn es erst einmal genügend aufgerüstet hat, um binnen einer Woche in der feindlichen Hauptstadt zu stehen. Irgendwann bringt die Aufrüstung keinen Mehrwert mehr („Gesetz des abnehmenden Ertrags“).

Die USA konnten die Sowjetunion mit Atombomben zerbröseln und umgekehrt. Ronald Reagan machte sich diesen weit verbreiteten Denkfehler, der von Wikipedia angeführt wird, dennoch zu Nutze und rüstete massiv auf, bis die Sowjetunion aufgrund ihrer ökonomischen Schwäche nicht mehr gleichziehen konnte und endgültig Pleite ging. Davon abgesehen hat dieses Beispiel eigentlich nichts mit dem Kapitalismus zu tun und nur innerhalb des Kapitalismus gilt die Harmonie der Interessen.

2. Politikverflechtungsfalle

Das Konzept der Politikverflechtungsfalle deutet darauf hin, dass in den gegebenen Verflechtungsstrukturen nicht nur eine Blockadesituation in Sachentscheidungen vorliegt, sondern dass auch institutionelle Änderungen unmöglich sind, die eine Entflechtung des Mehrebenensystems zur Folge hätten.

Das liegt daran, dass bei einer anstehenden Verfassungsänderung solche Akteure als potenzielle Vetospieler auftreten, die von der Verflechtung profitieren – im deutschen Föderalismus sind dies konkret die Landesregierungen. Die Politikverflechtungsfalle ist also nicht die Blockade durch Vetospieler in der täglichen Entscheidungsfindung, sondern die Unfähigkeit des politischen Systems, institutionelle Änderungen zur Auflösung dieser Blockaden herbeizuführen.

Ist die Blockadepolitik wirklich im aufgeklärten Eigeninteresse der Betroffenen? Nur, wenn man davon ausgeht, dass Länder und Bund zwei verfeindete Parteien sind, die sich gegenseitig ausbeuten wollen. Bei öffentlicher Finanzierung kommt so etwas heraus, aber eben nicht im Kapitalismus, der auch mit diesem Beispiel nichts zu tun hat.

 3. Kartelle

Auch in der Wirtschaft finden sich Beispiele für das Gefangenendilemma, etwa bei Absprachen in Kartellen oder Oligopolen: Zwei Unternehmen vereinbaren eine Outputquote (zum Beispiel bei der Ölförderung), aber individuell lohnt es sich, die eigene Quote gegenüber der vereinbarten zu erhöhen. Beide Unternehmen werden mehr produzieren. Das Kartell platzt. Die Unternehmen im Oligopol sind aufgrund der erhöhten Produktion gezwungen, die Preise zu senken, wodurch sich ihr Monopolgewinn schmälert.

Aus dem Szenario folgt, dass die Einhaltung von Verträgen im aufgeklärten Eigeninteresse der Marktakteure ist. Und das können sie sehr wohl vorher wissen und in der Tat sagt die objektivistische Philosophie nichts anderes.

 4. Erhöhung der Werbeausgaben

Konkurrieren mehrere Firmen auf einem Markt, erhöhen sich die Werbeausgaben immer weiter, da jeder die anderen ein wenig übertreffen möchte. Diese Theorie konnte 1971 in den USA bestätigt werden, als ein Gesetz zum Werbeverbot für Zigaretten im Fernsehen verabschiedet wurde. Es gab kaum Proteste aus den Reihen der Zigarettenhersteller. Das Gefangenendilemma, in das die Zigarettenindustrie geraten war, wurde durch dieses Gesetz gelöst.

Erneut: Gesetz des abnehmenden Ertrags. 

5. Betrug

Ein weiteres Beispiel ist ein Handelsreisender, der seine Kunden bei Vorkasse (gegebenenfalls ungedeckte Schecks) mit guter Ware (kleinerer Profit, aber langfristig sicher) oder gar keiner Ware (hoher kurzzeitiger Profit) beliefern kann. Händler mit schlechtem Ruf verschwinden in solchen Szenarien vom Markt, da keiner mit ihnen Geschäfte macht, und sie ihre Fixkosten nicht decken können. Hier führt „Tit for Tat“ zu einem Markt mit wenig „Betrug“. Ein bekanntes Beispiel nach diesem Muster ist die Funktionsweise des eBay-Bewertungsschemas: Händler, die trotz erhaltener Bezahlung die vereinbarte Ware nicht liefern, erhalten schlechte Bewertungen und verschwinden so vom Markt.

Also lohnt es sich nicht, Menschen zu betrügen. Erneut ein Beispiel, das vom Homo Oeconomicus ausgeht, der sich nicht an rationalen Prinzipien orientiert (wie es die objektivistische Ethik vorsieht), sondern am unmittelbaren Eigeninteresse. Er bekommt auf kurze Sicht mehr Geld und verschwindet auf lange Sicht vom Markt. Offensichtlich ist ein solches Verhalten nicht im aufgeklärten Eigeninteresse und ficht schon gar nicht die objektivistische Ethik oder den Kapitalismus an – im Gegenteil!

Fazit

Das Gefangenendilemma zeigt in einigen Fällen auf, dass das situationsabhängige Handeln im individuellen Eigeninteresse ohne Orientierung an allgemeinen Prinzipien und Tugenden im Ergebnis nicht wirklich den individuellen Nutzen maximiert.

Daran zweifelt die objektivistische Ethik nicht. Im Gegenteil hält sie das situationsabhängige Abwägen, was im Eigeninteresse ist und was nicht, für unmöglich und hat gerade darum allgemeine Handlungsrichtlinien entwickelt. Das Gefangenendilemma kann weder dem Kapitalismus, noch der objektivistischen Ethik etwas anhaben. Mir ist ferner kein Philosoph bekannt, der heutzutage eine dermaßen simple und geradezu alberne Variante des Egoismus befürwortet, wie sie das Modell des Homo Oeconomicus der neoklassischen Ökonomik zum Gegenstand hat.

Warum nur die FDP?

Einige Leser haben sich zynisch über meine Darstellung der FPD als Partei, die für Mittelstand, Freiheit, Bürgerrechte steht, geäußert (wobei diese Darstellung in einer Satire auftauchte, bei der ohnehin die Inhalte aller Parteien karikaturistisch übersteigert wurden). Stattdessen stehe die FDP für Lobbyismus, für Hoteliers, die Atomlobby und sonstige „Reiche“. Da bekommt man fast den Eindruck, als würden die kritischen Leser ein „…im Gegensatz zur Partei xy, die konsequent seit ihrer Gründung zu ihren Prinzipien steht und die ich darum wähle!“ hinzufügen wollen – aber irgendwie tun sie das nicht. Die FDP sei eine unglaubwürdige Heuchlerpartei – und der Rest ist Schweigen.

Klar kann man es kritisieren, wenn die FDP falsche Kompromisse eingeht und ihren Prinzipien nicht treu bleibt. Nur kann man daraus nicht schlussfolgern, „…und darum wähle ich lieber eine andere Partei“, denn es gibt keine Partei, die keine Kompromisse eingehen und ihren Prinzipien treu bleiben würden. Sicher ist das schlecht, aber warum fokussieren sich die Leute bei dieser Kritik speziell auf die FDP? Warum sind sie offenbar nur von der FDP enttäuscht und nicht etwa von der CSU, die viel stärker hier in Bayern durch Vetternwirtschaft aufgefallen ist? Die wurde trotzdem zum neuen Alleinherrscher gewählt.

Wolfgang Weege schrieb zum Beispiel im Kommentarbereich: „Die FDP steht für “Bürger- und Menschenrechte sowie die Mittelschicht”? Und ich Dummerle dachte immer, die lecken die Stiefel des Großkapitals und machen immer das, wofür sie von Hotelbesitzern und Tabakkönigen bezahlt und beauftragt werden!“

Als ob die anderen Parteien etwas anderes tun würden. Die Linken lecken die Stiefel von Beamten und Gewerkschaftlern. Die Grünen lecken die Stiefel der Solar- und Ökolobby. So ist das in unserem „Zirkus der Interessensgruppierungen“.

Ich verstehe es, dass man enttäuscht ist, wenn jemand nicht zu seinen Prinzipien steht. Ich verstehe es nicht, wenn man der einen Partei mangelnde Prinzipientreue ankreidet und dasselbe bei anderen Parteien ignoriert. Wenn man glaubt, dass alle Parteien böse sind, dann wählt man keine Partei. Wenn man hingegen glaubt, dass eine Partei trotz ihrer Fehler noch in die grundsätzlich richtige Richtung geht, so wählt man eben die. Und man erspart sich diese Doppelmoral.

Davon abgesehen gab es bei der bayerischen Landtagswahl keine Alternative für Liberale. Und gar nicht wählen gibt Leuten die Macht, mit denen man noch weniger einverstanden ist.

Die Bayern eben

Die Bayern haben gewählt, ich mitten unter ihnen, und hier ist das Zwischenergebnis, an dem sich nicht mehr viel ändern soll:

49% der Bayern gaben ihre Stimme der Vetternwirtschaft, 20,7% fordern eine Umverteilung ihres Einkommens auf Beamte. 8,5% der Bayern haben Wälder und Wiesen in den Landtag gewählt. Bürger- und Menschenrechte sowie die Mittelschicht erhielten nur 3% und verlieren somit ihren Platz im Landtag. Nur wenige Bayern wollen Raubkopien legalisieren (1,9%) oder die Bourgeosie enteignen (2,1%). Immerhin 8,5% gab es für Freien Wähler, die sich ihre eigene Politik zusammengepanscht haben.

Die CSU mag da oben machen, was sie will, solange es der Wirtschaft gut geht und die Kirche im Dorf gelassen wird. Wenn Seehofer mit einem Traktor in eine Säuglingsstation rast, bekommt die CSU vielleicht 0,1% weniger, ansonsten muss er einfach nur Landesvater sein, Mitarbeiter anschreien und die Presse aus Bayern werfen wollen.

Immerhin haben die Bayern eingesehen, dass die Natur um 5,5% wichtiger ist als die Freiheit der Menschen. Aber insgesamt bin ich doch froh, dass wenigstens noch immer niemand hier was mit Linksextremen anfangen kann, solange sie keine Bäume umarmen.

Die gefährliche Verlockung des Schachspiels

Schach – Realitätsflucht für intelligente Menschen? (morguefile.com)

Nach einer zwei Absätze umfassenden Abschweifung soll im folgenden Beitrag die philosophische Bedeutung des Schachspiels beleuchtet werden. Hier zunächst die Abschweifung:

Im Weltanschauungsdschungel geht man leicht verloren, auch wenn man nicht vorhat, in den Dschungel zurückzuwandern. Es mag zwar eine unerschütterliche metaphysische Wahrheit sein, dass ich mit allem Recht habe und andere nicht, insbesondere wenn ich mich irre, und doch ist es wenigstens möglich, dass ein Durchschnittsmensch ehrliche Fehler begeht – also keine Fehler aus Bösartigkeit, sondern Fehler, die aus der menschlichen Unvollkommenheit (betrifft mich ja nicht) resultieren. Zum Beispiel der Anarchismus. Kurz gesagt hätte ich einen vernünftigeren Artikel zum Thema schreiben sollen, toleranter, demokratischer, ausgeglichener, distanzierter, mit mehr Fußnoten und einer Flasche 1870er Chardonnay an meiner Seite. Ich war unmäßig frustriert darüber, neben all den vernünftigen Leuten auch ein paar verirrte Schafe mit meinem Geschreibsel angelockt zu haben. Weiterlesen

Moral und Pluralismus

Während der Aufklärung hatten die Amerikaner eine gemeinsame Moral

Während der Aufklärung hatten die Amerikaner eine gemeinsame Moral

Wie bei vielen Beiträgen habe ich mir auch beim letzten gedacht, „Kann ich das jetzt noch schreiben oder ist es zu viel?“ – denn gerade die Wahrheit kann ziemlich verletzend sein. Man sagt mir oft genug die Wahrheit, dass ich da aus Erfahrung sprechen kann.

Damit sich jedoch niemand unnötig aufregt, sondern nur nötig, ist eine kurze Ergänzung angemessen, was ich überhaupt damit meinte, den Deutschen die Moral abzusprechen, obwohl wir doch so stolz sind, dank unserer „schrecklichen historischen Erfahrung“ (wir haben zwei Weltkriege angefangen) – quasi die Moral für uns gepachtet zu haben. Siehe unsere führende Rolle bei der Förderung alternativer Energiequellen. Weiterlesen

Die Deutschen: Pragmatisch und ohne Moral

Liberal Cover 4/2013In der aktuellen Printausgabe von „Liberal – Debatten zur Freiheit“ (4/2013) stehen genau drei Sätze von mir auf Seite 7. Es handelt sich um meine Antwort auf die Frage: „Ist Deutschland eine Republik der Verbote?“ Die werde ich hier nicht wiederholen, weil die Leser ja bestimmt das Magazin kaufen möchten (bzw. gibt es auch Bibliotheken für die armen Studenten – doch ernsthaft: das Magazin lohnt sich). Es ist ein kurzer Geradeaus-Kommentar, mit dem ich direkt eine provokative Meinung äußere. Sehr untypisch für mich, ich weiß.

Falls sich jemand für den Kontext interessiert und was genau ich damit gemeint habe, so werde ich das hier näher ausführen. Weiterlesen

Die Moderne schön verachtet – Roger Kimballs „The Long March“

long-march-library-edition-roger-kimball-audio-cover-artSelbst ihre eigene Kultur hassen die Amerikaner mit mehr Stil und Esprit als wir unsere – und erst recht als wir ihre. Der amerikanische Intellektuelle Roger Kimball beweist dies mit seinem Buch The Long March, welches sich mit der kulturellen Revolution der 1960er befasst. Kimball gehört zu der Variante amerikanischer Konservativer, die die Werte der Aufklärung gegen das, was danach kam, verteidigen (also nicht zur „Adam und Eva haben mit den Dinos gelebt“-Variante).

In Kimballs The Long March nimmt  der Kritiker die „Vordenker der Revolution“ auseinander, darunter Norman Mailer, Susan Sontag, Timothy Leary, Eldridge Cleaver und Herbert Marcuse. Wer die einfühlsamen Porträts Linksradikaler von David Horowitz gewöhnt ist (siehe meine Rezension von Radicals), der darf sich auf eine literarische Tracht Prügel freuen. Kimball reduziert mit einem ätzenden Sarkasmus die 68er zu einem winselnden Häufchen Elend. Weiterlesen

Syrien: Schlimmer als Chemiewaffen … Islamisten

Andrew C. McCarthys Aufsatz über den Bürgerkrieg in Syrien ist gut, weil er seine Leser an die Tatsachen erinnert, und zu diesen Tatsachen gehört mehr als der Einsatz von Chemiewaffen auf der Seite des Regimes: “Ich muss ein Geständnis machen: Ich bin unbeeindruckt von der westlichen Besessenheit in Bezug auf Chemiewaffen. Sie sind schrecklich, ja. Aber in den falschen Händen sind dies auch Bomben, Jumbojets und Hohlspitzgeschosse. Für mich ist das Geschrei über Massenvernichtungswaffen die internationale Version der innenpolitischen Kampagne der Linken gegen Schusswaffen. Dies ist die Täuschung, dass eine Disharmonie durch das Lied verursacht wird und nicht durch den Sänger.”

Die Konzentration auf die Methoden der Kriegsführung durch das Assad-Regime ist ein Manöver, dass davon ablenkt, dass die Kräfte, die dem Regime gegenüberstehen, in zunehmenden Maße aus Islamisten unterschiedlicher Schattierung bestehen. Diese Kräfte durch einen Militärschlag zu unterstützen, liegt nicht im Interesse des Westens.

Pat Condell über progressiven Feminismus

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=GbmeQtGMkUU[/tube]

Einige Gedanken zu Pat Condells neuestem Video:

1. Warum gibt es keine anti-alkoholischen Banden pakistanischer Männer und stattdessen Banden von pakistanischen Männern im Westen, die ungläubige Frauen vergewaltigen? Der Islam verbietet doch auch den Alkoholkonsum und befasst sich mit allerlei anderen Themen als den Umgang mit Ungläubigen. Es könnte im Grunde auch Banden pakistanischer Männer geben, die sich für die Armenwohlfahrt einsetzen.

2. Man könnte auch argumentieren, dass den westlichen Feministen das Schicksal der Frauen in islamischen Ländern relativ egal ist, weil ihnen ihr eigenes Leben wichtiger ist als das von denen. Was grundsätzlich auch legitim ist, wobei sie das auch so sagen sollten. Von daher sind ihnen die Probleme der Ersten Welt wichtiger als die Probleme der Dritten Welt. Dann müssten sie im Grunde nur noch die Frage beantworten, warum sie sich viele der Erstweltprobleme erst ausdenken, statt sich mit weit entfernten, aber wenigstens realen Drittweltproblemen zu befassen, die allmählich unsere Welt erreichen.

3. Nachtrag zu Condells Halal-Boykott: Sollte man aus ethischen Gründen machen, weil man Tieren nicht unnötig Leid zufügen sollte. Man kann Tiere rational verwenden, um die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, aber dafür ist kein grausames Ritual nötig. Das ist allerdings ein ethisches, kein politisches Argument. Also sollte man Halal-Fleisch nicht verbieten, weil Tierschutz keine politische Aufgabe ist. Man sollte es nur nicht kaufen.

4. Die Unterdrückte-Islamkritiker-Perspektive geht mir irgendwie auf die Nerven. Es gibt in der Bevölkerung einen ziemlich breiten Konsens, dass der Islam ein unaufgeklärter, anti-westlicher Haufen Unsinn ist. Irgendwelche politische Eliten, linke Stammtische und utopistische Tagträumer, die eine gewisse Meinungsmacht ausüben, mögen das anders sehen. Aber wen interessierts? Am besten, wir ignorieren die Verrückten einfach, bis sie verschwinden. Ich ignoriere unlängst einfach alles und schreibe unmittelbar, was ich denke. Ich habe das politische und moralische Recht dazu und in einer freien Gesellschaft sollte man von solchen Rechten auch Gebrauch machen, sonst vergessen die Leute irgendwann, dass es so etwas jemals gab. Das Böse ist auch in Form dieser totalitären Gutmenschen nur eine Negation und kann ohne unsere Duldung und Unterstützung nicht existieren.

Die Harmonie der Interessen

Tja, komisch, erst geht mein Wlan kaputt, dann mein Notebook – und plötzlich funktionieren beide wieder. Moderne Technik ist wirklich kaum von Magie zu unterscheiden, wie Arthur C. Clarke meinte. Sie funktioniert ebenso willkürlich und instabil.

Nach der hiesigen Diskussion zwischen dem Volkswirtschaftsprofessor Ulrich Berger und mir im Kommentarbereich des Artikels „Externalität“ ist kein valides Konzept habe ich noch einige Einwände zu beantworten. Grundsätzlich finde ich es übrigens gut, darüber aufgeklärt zu werden, wenn ich Unsinn schreibe und das dürfen andere gerne ebenso tun. Meine grundsätzliche Meinung habe ich zwar nicht geändert, aber durch solche Debatten wird die Argumentation genauer und mögliche Missverständnisse und Fehler können ausgeräumt werden.

Es geht um Externalität, um den Unterschied zwischen politischen und anderen Problemen und vor allem um die Bedeutung der Interessensharmonie. Weiterlesen

Der Verrat an der Aufklärung

Gustave Doré: Der Fall Satans (gemeinfrei)

Gustave Doré: Der Fall Satans (gemeinfrei)

Die aufgeklärte Sicht auf das Selbst bedeutet die Selbsterkenntnis durch Introspektion, die Erkenntnis der objektiven Realität, das Verstehen von anderen Menschen und die Selbstverbesserung durch Bildung und durch die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten.

Das Gegenteil der aufklärerischen Sicht auf das Selbst ist: Die Selbstverleugnung. Die Aufopferung des Selbst. Und der Gipfel des gegenaufklärerischen Schmonsens: Die Selbstauflösung. So versteht das jedenfalls unsere inzwischen gut 200-jährige aufklärerische Tradition.

Ratet mal, wer das anders – ja gegenteilig sieht. Michael Schmidt-Salomon natürlich. Mal wieder. Bei der Veranstaltungsreihe „Ouverture spirituelle“, mit der die „Salzburger Festspiele 2013“ (mit Franz Liszt erneut im Programm, um geschmackvolle Menschen zu verscheuchen) begannen, versuchte er, sich bei Gläubigen beliebt zu machen, indem er den Mystizismus lobte und die buddhistische Selbstauflösung predigte. Das kam bei den Gläubigen auch gut an:

Das gemeinhin als eher konservativ geltende Salzburger Publikum reagierte auf Schmidt-Salomons Darlegungen mit lang anhaltendem Applaus. Viele bekundeten nach dem Vortrag, dass sie die Dinge von dieser Warte noch nie betrachtet hätten.

Neue Perspektiven müssen ja keine wahren Perspektiven sein. So ähnlich wie moderne Kunst die Originalität zum Maßstab aller Dinge erhoben hat, so verkauft man Philosophie heute am besten mit „neuen Perspektiven“. Jedenfalls habe ich gerade allen Respekt vor österreichischen Konservativen verloren.

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Die Welt sei nunmehr mit meiner Meinung belästigt

Aktuelle Gedanken, frisch aus meinem Kopf:

Syrien

Wir sollten nicht in Syrien intervenieren und die USA auch nicht. Grund: Syrien ist aktuell keine Sicherheitsbedrohung für den Westen, weil es genügend mit dem Bürgerkrieg im eigenen Land befasst ist. Im Grunde sind beide Parteien, der Diktator Assad und die Rebellen, Terroristen (weil der Großteil der Rebellen aus Islamisten besteht) und von daher gibt es m.E. keinen Grund, den einen oder anderen zu unterstützen. Bevor sich die Rebellen (die Freie Syrische Armee) mit den Islamisten vereinten, hätte man das vielleicht noch tun können, aber jetzt ist es zu spät.

Es gibt auch vernünftige Gründe, anderer Meinung zu sein, und wie immer findet man sie bei Mark Humphrys. Er argumentiert insbesondere mit Assads Unterstützung von Terroristen, die den Westen und vornehmlich amerikanische Truppen im Irak angegriffen haben. Stimmt natürlich und ich werde keinen Assad-Fanclub aufmachen. Sollte er den Krieg gegen die Rebellen verlieren, können wir ihn immer noch den Rest geben. Dann haben wir die Islamisten dort los und Assad obendrein. Dafür bekomme ich bestimmt den Zynismusnobelpreis.

Ökonomie und Ökologie

Wer es nicht mitbekommen hat, interessiert sich vielleicht für die Diskussion zwischen dem Volkswirtschafts-Professor Ulrich Berger (der außerdem bei der von mir geschätzten GWUP tätig ist) und mir. Man kann die Diskussion im Kommentarbereich des Artikels „Externalität“ ist kein valides Konzept nachvollziehen. Er argumentiert, dass externe Effekte eben doch ein sinnvolles Konzept wären und überhaupt sei der Laissez-faire-Kapitalismus ein ziemlicher Quatsch. Das denken die meisten Ökonomen, was mir auch bekannt ist, aber deshalb muss es ja nicht stimmen.

Während er nur bedingt etwas mit meiner philosophisch-historischen Argumentation anfangen kann, sehe ich kaum die praktische Relevanz seiner mathematischen Modelle, die m.E. zu viele Faktoren (z.B. die Realität) außer Acht lassen. Die Diskussion ist trotzdem sehr interessant und hat mir mehr Spaß gemacht als eine Diskussion mit anderen deutschen Objektivisten kürzlich, die ich als sehr frustrierend empfand. Vielleicht bin ich nur zufrieden, wenn ich gegen etwas anrennen kann.

Einige Antworten und Repliken zur Kritik bin ich noch schuldig geblieben und die werde ich nachreichen.