Die 4 Alternativen zum ethischen Intuitionismus

Das sind die logischen Möglichkeiten zur Frage der Objektivität von Ethik, zusammengefasst nach Michael Huemers „Knowledge, Reality and Value: A Mostly Common Sense Guide to Philosophy:

Anti-Realismus

  1. Ethische Aussagen sind weder wahr noch falsch: Nonkognitivismus. („Babys foltern ist ethisch verwerflich“ ist weder wahr noch falsch)
  2. Ethische Aussagen sind immer falsch: Nihilismus („Babys foltern ist ethisch verwerflich“ ist falsch)
  3. Die Wahrheit von ethischen Aussagen hängt von den Einstellungen von Beobachtern ab: Subjektivismus / Relativismus (Babys foltern ist richtig, wenn ich es tue und falsch, wenn du es tust)

Realismus

  1. Es gibt objektive ethische Wahrheiten, die sich auf deskriptive Fakten reduzieren lassen: Ethischer Naturalismus (Babys foltern ist falsch, weil ich jemanden sehe, der ein Baby foltert)
  2. Es gibt nicht-reduzierbare objektive ethische Wahrheiten: Ethischer Intuitionismus (Babys foltern ist falsch, weil es uns falsch erscheint.)
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Wir sollten nach unseren Möglichkeiten ethisch handeln

In einer Diskussion reagierte ein Kommentator empört auf eines meiner ethischen Prinzipien. Es lautet: „Wir sollten bewusst empfindenden Lebewesen nicht absichtlich Leid zufügen, sofern das nicht für höhere Werte wie Gesundheit und Leben des Menschen notwendig ist.“ Nun kann man dieses Prinzip gerne kritisieren, versuchen es präziser zu formulieren, Schwachpunkte und Missverständnisse aufzeigen. Doch die Reaktion hatte mit all dem nichts zu tun.

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Der ethische Intuitionismus ist kein Mystizismus

Landschaft in Würzburg (Foto: Andreas Müller)

Meine neue Ethik ist eine Tugendethik auf Grundlage des revisionistischen ethischen Intuitionismus. Ein akademischer Philosoph wird ungefähr wissen, was es damit auf sich hat, denn das sind alles Fachbegriffe. Außerhalb der akademischen Philosophie allerdings lädt etwas mit der Bezeichnung „Intuitionismus“ zu Missverständnissen ein.

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Die vegane Snobkultur

Unter großer Selbstaufopferung aus ethischer Überzeugung das Richtige tun. Allen Widerständen, allem Unglauben und Spott zum Trotz sein Kreuz tragen. So müsste der Verzicht auf Fleisch und Tierprodukte eigentlich aussehen. Für mich fühlt er sich auch so an. Ich war die letzten Tage völlig kaputt und erschöpft, bis ich gestern abend erstmals Nahrungsergänzungsmittel für Vegetarier eingenommen habe. Jetzt geht’s mir super. Mich für meine Überzeugungen kaputtzumachen ist eben mein Ding. Und nicht zu wissen, wie man sich gut ernährt.

Aber viele „Veganer“ scheinen ihre Ernährung gar nicht als Selbstverzicht wahrzunehmen. Was ist da los?

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Warum sind viele Vegetarier Heuchler?

In früheren Beiträgen kritisierte ich den Vegetarismus. Ich schrieb, dass es fast keine echten Vegetarier gebe, dass Vegetarier Heuchler seien (was viele statistisch auch sind) und dass das wichtigste Buch zur Tierethik die „Kritik der vegetarischen Ethik“ von Klaus Alfs sei.

Das Buch von Alfs finde ich immer noch gut – alle ethischen Vegetarier und Veganer sollten sich mit den Argumenten darin befassen. Ich habe die wichtigsten Einwände bei der Formulierung meiner Tierwohl-Position einbezogen in Ich bin jetzt Vegetarier und Vegetarismus: Antworten auf die wichtigsten Einwände.

Aber es stimmt: Viele selbst bezeichnete Veganer und Vegetarier sind keine, sondern sie essen weiterhin Fleisch. Und es ist eine gute und wichtige Frage, warum das so ist.

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Mama Huhn sucht ihr Brustbein

Bislang war ich ein Ovo-Lacto-Vegetarier aus ethischen Gründen. Die Position erscheint mir aber nur gerechtfertigt, soweit der Konsum von Eiern und Milch gesundheitlich notwendig ist. Wie es nach einer Diskussion mit der Albert Schweitzer Stiftung und weiteren Recherchen nun für mich aussieht, braucht man keine Eier für eine vollständige Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen. Also esse ich sie nicht mehr.

Ein Grund dafür liegt auch darin, dass eine Form der Tierquälerei in sämtlichen Hühner-Haltungsformen verbreitet ist, inklusive der Mobilstallhaltung. Die ist das Grausamste, was ich jemals gehört habe. Und sie verrät einiges über unser Verhältnis zu Tieren.

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Tierschutz: Was kann man ändern – und was nicht?

Mit meinem Beitrag „Vegetarier & Veganer: Unausweichlich inkonsequent“ war jeder unzufrieden. Selbst Veganer profitieren vom Tierleid, heißt es. Sollen wir es dann bleiben lassen? Sollen wir uns von Licht ernähren, wenn Tiere selbst für den Gemüseanbau leiden?

Ihr kennt wahrscheinlich das Gelassenheitsgebet des Theologen Reinhold Niebuhr. Ein Auszug:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr: Gelassenheitsgebet

So geht es weiter:

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Sollen wir uns von Licht ernähren?

Eine Replik, die ich auf meinen Beitrag „Vegetarier & Veganer: Unausweichlich inkonsequent“ erhielt, war die Anmerkung: „Ein Plädoyer für Lichtnahrung?“. Auch wenn ich spontan dachte, dass die Anmerkung keinen inhaltlichen Bezug zu meinem Beitrag aufweist, scheint diese Frage mindestens zwei meiner Leserinnen und Leser umzutreiben.

Also antworte ich gerne darauf: Nein. Wir sollen uns nicht von Licht ernähren. (Update: Manche Leser erwarten offenbar eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der esoterischen Idee der Lichtnahrung. Ich empfehle dazu den Beitrag von Psiram. Der Kommentator wollte mit der Polemik nur schnell den Vegetarismus abtun. Natürlich ist Lichtnahrung gesundheitsgefährdender Unsinn, was sonst?).

Wir sollten zur Minderung von Tierleid beitragen. Übrigens auch zur Minderung von menschlichem Leid und zum Klimaschutz. Wir sollten billige Ausflüchte vermeiden, um uns vor dieser Verantwortung zu drücken. Und wir sollten Beiträge lesen, bevor wir sie kommentieren.

Viele wissen es nicht, aber im 19. Jahrhundert war der Typ, der diesen Kommentar verfasste, ein Sklavenhalter in den amerikanischen Südstaaten. Ich wies ihn damals darauf hin, dass die Sklaven unter ihrer Situation leiden, wie er darunter leiden würde.

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Vegetarier & Veganer: Unausweichlich inkonsequent

Wusstet ihr, dass für die Produktion von Gemüse Tiere sterben? Inzwischen ist vielen Menschen bekannt, dass Tierprodukte auch in Alltagsgegenständen wie Smartphones und Laptops stecken, als mysteriöse Zusatzstoffe in Fertignahrung und in Medizin. Aus Schwein und Rind werden um die 200 verschiedene Produkte hergestellt.

Ethische Vegetarier wie ich sind zusätzlich inkonsequent, da wir Eier und Milch konsumieren. Doch selbst für die Produktion rein veganer Nahrung müssen Tiere leiden. Auf diese Arten profitieren auch Vegetarier und Veganer vom Tierleid (kleiner Auszug):

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Baut euch kein Internet-Weltbild zusammen

Lest immer auch (populär-)wissenschaftliche Mainstream-Literatur. Schaut euch nie nur YouTube-Videos, Internet-Artikel und weltanschaulich geprägte Bücher an. Das ist eine richtig schlechte Idee, denn im Internet wollen euch viele Leute irreführen oder sie haben sich selbst irregeführt und geben es an andere weiter. (Ja, lest auch wissenschaftliche Literatur und vergleicht es mit dem, was ich sage. Das macht mir keine Sorgen, das würde mich sehr freuen).

Das verdeutlicht aus meiner Sicht aktuell der Fall des einstmals atheistischen Biologen Günter Bechly, der im Darwin-Jahr 2009 die größte Evolutionsausstellung Deutschlands organisierte, Der Fluss des Lebens. Daran erinnere ich mich, weil ich damals die Darwin-Jahr-Website für die Giordano Bruno Stiftung redaktionell betreut hatte. Und jetzt vertritt Bechly Intelligent Design.

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